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USA liefert in Israel gelagerte Munition an Ukraine

Die ukrainische und die israelische Flagge an einem Haus in der Jaffa Road in Jerusalem
Die ukrainische und die israelische Flagge an einem Haus in der Jaffa Road in Jerusalem (© Imago Images / NURphoto)

Die New York Times berichtet, dass 300.000 Artilleriegranaten aus amerikanischen Vorräten, die in Israel für Notfälle gelagert werden, an die ukrainischen Streitkräfte geliefert werden sollen. 

Einem Bericht von vergangenen Dienstag zufolge liefert das US-Militär in aller Stille Hunderttausende von Artilleriegranaten aus einem riesigen Lager in Israel in die Ukraine. Die in Israel gelagerten Munitionsvorräte werden vom US-Militär bei regionalen Konflikten eingesetzt, wobei die USA Israel auch die Erlaubnis erteilt haben, in Notsituationen einen Teil der Vorräte zu verwenden, berichtete die New York Times unter Berufung auf amerikanische und israelische Beamte.

In ihrem Weg, einen Weg zu finden, die Beziehungen zu den USA und der Ukraine aufrechtzuerhalten und zugleich Russland nicht zu verärgern, stimme die israelische Vorgängerregierung der Verlegung der Munition in die Ukraine zu. Zuvor hatten US-Beamte die Möglichkeit ins Spiel gebracht, die Ukraine aus den israelischen Beständen zu beliefern, was in Jerusalem anfänglich Besorgnis darüber auslöste, wie Russland reagieren würde.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin habe den damaligen israelischen Verteidigungsminister Benny Gantz darüber informiert, dass die USA auf die Bestände zugreifen wollten, sagte ein israelischer Beamter. Gantz wiederum habe die Anfrage mit dem Kabinett erörtert. Die dazu hinzugezogenen Verteidigungsbeamten rieten, Israel solle den Plan akzeptieren, um Reibereien mit Washington zu vermeiden und weil die Munition den USA gehöre, woraufhin der damalige Premierminister Yair Lapid den Plan gebilligt habe.

Die USA und Israel hätten sich darauf geeinigt, rund 300.000 Granaten in die Ukraine zu liefern, sagten israelische und amerikanische Beamte der gegenüber der New York Times (NYT), die als erste Zeitung darüber berichtete, dass die Bestände für die Versorgung der Ukraine verwendet würden.

Israelische Beamte erklärten gegenüber der NYT, Jerusalem habe seinen Standpunkt, der Ukraine keine tödlichen Waffen zu liefern, nicht geändert, sondern sei vielmehr damit einverstanden, dass die USA ihre eigenen Bestände verwenden.

Israels Dilemma

Israel hat sich seit Beginn der russischen Invasion geweigert, Waffen an die Ukraine zu liefern. Ein wichtiger Grund für Israels Zögern ist die strategische Notwendigkeit, die Operationsfreiheit in Syrien aufrechtzuerhalten, wo die russischen Streitkräfte den Luftraum weitgehend kontrollieren. 

Das Thema hat die Beziehungen zwischen Jerusalem und Kiew belastet, da die Ukrainer Israel immer wieder gedrängt haben, mehr Verteidigungshilfe zu leisten. Der ukrainische Botschafter forderte Israel am Dienstag erneut auf, seinem Land angesichts der anhaltenden russischen Angriffe Raketenabwehrsysteme zu liefern. Israel hat der Ukraine große Mengen an humanitärer und anderer, nicht in Waffen bestehender Hilfe zur Verfügung gestellt, und die neue Regierung unter Premierminister Benjamin Netanjahu hat erklärt, sie wolle diese Lieferungen fortsetzen.

Die jetzt gelieferten US-Lagerbestände in Israel gehen auf den Jom-Kippur-Krieg von 1973 zurück, während dessen die USA Waffen an die in Bedrängnis geratenen israelischen Verteidigungskräfte lieferten und schließlich Lagereinrichtungen in Israel einrichteten, die im Falle einer möglichen Krise genutzt werden können. Das offiziell als War Reserve Stocks for Allies-Israel (WRSA-I) bekannte Depot wurde erst vom US-Europakommando beaufsichtigt und untersteht nun dem US-Zentralkommando (CENTCOM), dem Israel seit 2021 angehört.

Laut einem Kongressbericht aus dem vergangenen Jahr hat Israel im Libanonkrieg 2006 gegen die Terrorgruppe Hisbollah und im Kampf gegen die Terroristen im Gazastreifen 2014 Munition aus diesem Bestand verwendet.

Zentrale Rolle der Artillerie 

Die Artillerie ist im Krieg in der Ukraine von zentraler Bedeutung, da beide Seiten die Streitkräfte der jeweils anderen Seite in einer Zermürbungsschlacht aus der Ferne beschießen. Im Zuge dessen gingen die Vorräte der Ukraine zur Neige, weswegen das Land gezwungen ist, auf Lieferungen aus den USA und anderen westlichen Ländern zurückzugreifen. Die ukrainischen Streitkräfte benötigen jedoch rund 90.000 Artilleriegranaten pro Monat, was die Produktionskapazitäten der USA und Europas weit übersteigt.

Um die Differenz auszugleichen und die Versorgung der Ukraine mit Granaten aufrechtzuerhalten, greifen die USA nun auf das Lager in Israel und ein weiteres in Südkorea zurück. Dem Bericht der New York Times zufolge wird die Munition nach Europa transportiert und von Polen aus in die Ukraine verbracht. Zwei hochrangige israelische Beamte sagten, die USA hätten sich verpflichtet, ihre Bestände in Israel wieder aufzufüllen und im Notfall Munition zu liefern.

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