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USA: Verliert Kamala Harris den Rückhalt unter jüdischen Wählern?

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris bei einem Wahlkampfauftritt in Wisconsin
Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris bei einem Wahlkampfauftritt in Wisconsin (© Imago Images / NurPhoto)

Von drei aktuellen Umfragen zu den Wahlabsichten jüdischer US-Bürger deuten zwei daraufhin, dass Kamala Harris bei dieser Wählergruppe weniger punktet als Joe Biden.

Könnte US-Vizepräsidentin Kamala Harris im Kampf ums Weiße Haus den Rückhalt einiger jüdischer Wähler verlieren? Von drei aktuellen Umfragen zu den Wahlabsichten jüdischer US-Bürger deuten zwei daraufhin, dass Harris bei dieser Wählergruppe weniger punktet als Joe Biden, Hillary Clinton oder Barack Obama. Das könnte sich am 5. November rächen, falls die Umfragen zutreffen und die Stimmung sich in Wahlentscheidungen umsetzt.

Wenn die USA einen neuen Präsidenten wählen, wird die Wahl aufgrund des Mehrheitswahlrechts in einer Handvoll umkämpfter Bundesstaaten entschieden, während es auf die meisten Staaten, bei denen von vornherein klar ist, welche der beiden großen Parteien dort die Mehrheit gewinnt, eigentlich nicht weiter ankommt.

Zu jenen Staaten, die wahlentscheidend sein werden, zählt Pennsylvania. Da damit zu rechnen ist, dass wenige zehntausend Stimmen über den dortigen Sieger entscheiden werden, kommt es auf jede Wählergruppe an, mag sie noch so klein sein. Durchaus können die Stimmen der rund 0,7 Prozent Amischen den Ausschlag geben. Die rund fünf Prozent Latinos sind ohnehin eine der am meisten umworbenen und analysierten demografischen Gruppen. Die jüdischen Wähler, deren Anteil in dem Staat an der Atlantikküste auf drei bis vier Prozent geschätzt wird – die Hälfte davon im Großraum Philadelphia –, liegen gewissermaßen in der Mitte, was ihre Bedeutung anbelangt.

Siebzig Prozent der Juden in den USA sind eingetragene Demokraten. Das deckt sich mit ihrem Stimmverhalten. Laut Nachwahlbefragungen haben jüdische Wähler bei Präsidentschaftswahlen seit 1916 im Durchschnitt zu 72 Prozent für die Demokraten gestimmt und sind eine Wählergruppe mit zuverlässig hoher Wahlbeteiligung.

Verliert Harris Stimmen?

Eine wichtige Frage wird sein, ob auch Vizepräsidentin Kamala Harris diese Zahl erreichen kann. Mehrere Umfragen haben in den letzten Wochen versucht, Licht auf diese Frage zu werfen. Eine, die im Auftrag derJewish Dems, der Organisation von Juden in der Demokratischen Partei, erstellt wurde, liefert, wenig überraschend, das aus Sicht von Harris beste Ergebnis: »Jüdische Wähler stehen Kamala Harris sehr positiv gegenüber und sie genießt unter den amerikanischen Juden ein stärkeres Ansehen als Biden. Im direkten Vergleich liegt Harris mit 72 zu 25 Prozent vor Trump, was eine Verbesserung gegenüber Bidens Vorsprung von 67 zu 26 Prozent im April darstellt.«

Zu den weiteren Ergebnissen der Erhebung gehört, dass 75 Prozent der Juden in den USA eine starke emotionale Beziehung zu Israel hätten; auf einer Rangliste von elf Themen rangiere Israel aber auf dem drittletzten Platz. Der Antisemitismus bereitet 91 Prozent Sorgen. Darunter sind 66 Prozent, die ihn mit »großer Sorge« betrachten.

Laut dieser zwischen 27. August und 1. September durchgeführten Umfrage vertrauen die jüdischen Wähler, was den Kampf gegen Antisemitismus betrifft, »deutlich mehr Harris und den Demokraten als auf Trump und die Republikaner«. Harris hat in dieser Frage einen Vorsprung von 37 Punkten, die Demokraten haben in dieser Frage einen von 28 Punkten.

Ganz anders liest sich eine Umfrage, über die das Magazin Newsweek berichtete. Durchgeführt wurde sie zwischen 12. August und 3. September im Auftrag des Combat Antisemitism Movement. Die Untersuchung ergab, dass siebzehn Prozent der jüdischen Wähler erklärten, sie hätten normalerweise die Demokraten gewählt, würden jetzt aber die Republikaner wählen, während nur neun Prozent das Gegenteil sagten. Das würde im Saldo also ein um acht Prozentpunkte schwächeres Ergebnis für die Demokraten bedeuten.

Sorgen wegen Campus-Antisemitismus

Laut der Umfrage gaben 61 Prozent der amerikanischen Juden an, seit dem Terror vom 7. Oktober 2023 Antisemitismus erlebt zu haben. Am häufigsten wurden dabei Holocaust-Leugnung und Verschwörungstheorien über eine jüdische Kontrolle der Medien genannt.

Von Newsweek im Anschluss an die Umfrage befragte jüdische Wähler nannten die antisemitischen Campus-Proteste wie jene an der Columbia University als entscheidenden Grund, warum sie diesmal die Republikaner wählen würden. Ein Umfrageteilnehmer erklärte: »Normalerweise wähle ich die Demokraten, werde aber die Republikaner wählen, es sei denn, ich bekomme von der Harris-Kampagne eine echte Zusicherung, dass sie sich den studentischen Demonstranten nicht beugen werden.« Ein anderer sagte: »Die Tatsache, dass ich erwäge, die Republikaner für irgendein Amt zu wählen, ist eine völlige Wende – seit den Protesten auf dem Universitätscampus.«

Nur siebzehn Prozent der Befragten waren der Meinung, die Regierung Biden/Harris unternehme genug gegen Antisemitismus. »Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll«, hieß es laut Newsweek in einer Aussage. »Es ist erschreckend und traurig und etwas, von dem ich nie gedacht hätte, dass wir es noch einmal erleben würden. Ich wünschte, die Regierung und die Strafverfolgungsbehörden würden mehr tun.« Ein dritter meinte: »Die US-Regierung tut nicht genug, um Antisemitismus zu bekämpfen. An Universitäten wird Geschichte nicht angemessen gelehrt. Die Randalierer sollten mit aller Härte strafrechtlich verfolgt werden. Wir müssen Staatsanwälte und Richter wählen, die das Gesetz durchsetzen.»

Auch eine Online-Umfrage, die zwischen 30. August und 8. Oktober im Auftrag des traditionsreichen, linksliberalen jüdischen Magazins Forward durchgeführt wurde, sieht Harris und die Demokraten eher am unteren Ende der zu erwartenden Spanne. Demnach käme Harris lediglich auf 62 Prozent der jüdischen Stimmen, zehn Prozentpunkte unter dem historischen Durchschnitt demokratischer Präsidentschaftskandidaten. Teilweise erklärt sich das gegenüber anderen Umfragen schlechtere Ergebnis für die Demokraten allerdings durch die Methodologie, erläutert der Artikel. So wurden auch Wahlberechtigte berücksichtigt, die 2020 nicht gewählt haben und auch nicht sicher sind, ob sie dieses Jahr wählen werden. Ohne diese unsicheren Wähler käme Harris auf 67 Prozent.

Werben um jüdische Wähler

Wie der Forward weiter berichtete, ist die aktuelle Präsidentschaftswahl eine, bei der sich beide Parteien »ernsthaft« um die Stimmen jüdischer Wähler bemühen. So würden die Demokraten in Onlinekampagnen Donald Trump vorwerfen, gesagt zu haben, sollte er die Wahl verlieren, seien daran auch jene Juden schuld, die ihn nicht wählten. Harris und ihr jüdischer Ehemann Doug Emhoff pflanzten am Jahrestag des 7. Oktober einen Granatapfelbaum vor der Residenz der Vizepräsidentin zu Ehren der Opfer.

Trump, so der Forward, »hat unterdessen in mehreren Reden behauptet, dass der Hamas-Anschlag am 7. Oktober nie stattgefunden hätte, wäre er Präsident gewesen, und Israel innerhalb von zwei Jahren ausgelöscht sein würde, wenn Harris gewinnt. Letzte Woche besuchte er das Grab des Lubawitscher Rebbe, um den Jahrestag des Anschlags zu begehen.«

Sein Vizekandidat, Senator J. D. Vance aus Ohio, hat angedeutet, dass Harris den Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, anstelle des populären Gouverneurs von Pennsylvania Josh Shapiro auch wegen des Antisemitismus zu ihrem Vizekandidaten gemacht habe.

Die Umfrage zeigt auch, dass Antisemitismus und der Krieg in Israel zu den größten Sorgen jüdischer Amerikaner bei der Wahl ihres Präsidenten gehören. Aufgefordert, die Themen auf einer Skala von 1 (»überhaupt nicht wichtig») bis 10 (»extrem wichtig») zu bewerten, geben mehr als siebzig Prozent der amerikanischen Juden dem Krieg eine 8, 9 oder 10. Was Antisemitismus angeht, bewerteten 73 Prozent der befragten amerikanischen Juden ihn zwischen 8 und 10.

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