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USA in Afrika: Eine neue Strategie zur Eindämmung Chinas

US-außenminister Anthony Blinken
US-Außenminister Anthony Blinken bim virtuellen Gipfel zwischen den USA und China (© Imago Images / ZUMA Wire)

Auf einer kurzen Reise besuchte US-Außenminister Anthony Blinken mehrere afrikanische Länder. Der Besuch stand nicht nur im Zusammenhang mit den internen Konflikten und Krisen, die den Kontinent erschüttern, sondern auch mit der sich intensivierenden Konkurrenz zwischen Washington und Peking.

Die Reise des US-Außenministers, die seine erste auf dem afrikanischen Kontinent seit seinem Amtsantritt im Januar letzten Jahres war, führte Anthony Blinken vom 15. bis 20. November 2021 nach Kenia, Nigeria und Senega und fiel mit dem Besuch seiner Assistentin für afrikanische Angelegenheiten, Mary Catherine, im Sudan zusammen, was die zunehmenden amerikanischen Aktivitäten in Afrika widerspiegelt.

Die Ziele von Blinkens Besuch reichten von der Förderung der Wirtschaft über die Bekämpfung von Corona bis hin zur Unterstützung der Demokratie.

So traf Blinken in Dakar mit Unternehmerinnen zusammen und nahm an einer Unterzeichnungszeremonie für vier amerikanische Unternehmen teil, die im Senegal bedeutende Infrastrukturgeschäfte im Wert von etwa einer Milliarde Dollar abgeschlossen haben. Er besuchte auch das Pasteur Institut, das mit Hilfe der Vereinigten Staaten an der Herstellung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus arbeitet.

Die Wahl von Kenia, Nigeria und Senegal als Hauptreiseziele des US-Außenministers spiegelt die Ziele der neuen US-Außenpolitik gegenüber Afrika unter der Regierung von US-Präsident Joe Biden wider. Afrika als Ganzes sei von großer strategischer Bedeutung und trage somit zur Gestaltung der Zukunft der Welt bei, brachte Blinken dies in einer Erklärung auf den Punkt.

Regionale und globale Ziele

Laut einer von einer arabischen Zeitung veröffentlichten Analyse zielten die Besuche von Anthony Blinken und Mary Catherin zumindest teilweise darauf ab, das Image Washingtons als wichtiger Akteur bei regionalen und internationalen Initiativen zur Wiederherstellung des Friedens und zur Förderung von Demokratie und Entwicklung in Afrika zu unterstreichen und verbessern.

Zugleich sollen damit Vorteile für die Konkurrenz mit China, Russland und anderen Akteuren auf dem afrikanischen Kontinent gewonnen werden.

Der ägyptische Experte Amani Al-Taweel schrieb in einem Artikel in der arabischen Ausgabe der britischen Zeitung The Independent, dass die gegenwärtigen amerikanischen Schritte in Afrika aus politischer Sicht vor allem zwei Ziele verfolgen: die Bekämpfung eines möglichen Staatszerfalls in Äthiopien und im Sudan sowie die Eindämmung der zunehmenden Machtwechsel durch Putsche.

So war Afrika im Jahr 2021 Zeuge von vier Putschen: im Sudan, in Mali, im Tschad und in Guinea. Der internationalen Gemeinschaft ist es (bislang) in keinem dieser Fälle gelungen, die Uhr zurückzudrehen und den normalen politischen Prozess wiederherzustellen.

Dennoch geht es um weit mehr als bloß regionale politische und sicherheitspolitische Ziele oder wirtschaftliche Interessen; vielmehr es geht um eine erweiterte Strategie zur Eindämmung des wachsenden chinesischen Einflusses auf dem afrikanischen Kontinent.

Neue US-Strategie

In diesem Zusammenhang heißt es in einer Analyse des in Abu Dhabi ansässigen Future Research Center:

„Die Vereinigten Staaten haben bei ihrem Afrika-Besuch ein neues, realistisches Gesicht gezeigt, was die Eindämmung des chinesischen Einflusses in Afrika angeht, wodurch sich Blinken stark von seinen Vorgängern unterscheidet.“

In der Vergangenheit beruhte die US-Politik darauf, die afrikanischen Länder ausdrücklich dazu aufzufordern, keine Geschäfte mit Peking zu machen, da dies diese Länder mit Schulden belasten würde. Blinken versuchte jedoch, die Strategie der amerikanischen Politik, die seit Jahren nicht mehr funktioniert, zu ändern und den afrikanischen Ländern einen neuen Weg anzubieten

Dieser neue Weg beruht auf nachhaltigen Geschäften, die den nationalen Ökonomien zugutekommen soll, denn er legt sein Augenmerk darauf, dass der Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und China auf dem Kontinent für die afrikanischen Länder zu einem „Wettlauf an die Spitze“ wird.

Der nigerianische Außenminister Geoffrey Onyeama erkärte in diesem Zusammenhang, dass Afrika vom internationalen Wettbewerb profitieren kann, indem er sein Land mit „der glamourösen Braut, um die sich alle reißen“, verglich.

Der Afrikaexperte Hamdi Abdel-Rahman schrieb in seinem Artikel für das Future Research Center:

„Blinkens Afrikatour zeigt einen deutlichen Wandel in der Art und Weise, wie die Vereinigten Staaten Afrika sehen, und spiegelt eine neue US-Strategie für den afrikanischen Kontinent wider.

Blinken sprach auf seiner Tour über kooperative Partnerschaften, die auf gegenseitigen Interessen basieren, und löste sich damit vom arroganten Stil, der die Reden früherer US-Administrationen gegenüber Afrika kennzeichnete.

Die Wissenschaftlerin Basma Saad hielt in einem vom ägyptischen Al-Ahram Center for Strategic Studies veröffentlichten Forschungsbericht fest, dass Blinkens Afrika-Reise wenige Tage vor dem China-Afrika-Gipfel (FOCAC) stattfand, die Ende November 2021 in der senegalesischen Hauptstadt Dakar abgehalten wurde und auf der die umfassende strategische und kooperative Partnerschaft zwischen China und Afrika gestärkt werden sollte.

Auch fand in dem Hotel, in dem Blinken während seines Besuchs in Kenia logiert hatte, ein Treffen der China-Kenya Business Group statt, was ebenfalls auf die Ausweitung des chinesisch-amerikanischen Wettbewerbs auf die afrikanische Arena hinweist, schrieb Saad, die hinzufügte:

„Es gibt ein Bestreben der Vereinigten Staaten, sich unermüdlich und zugleich vorsichtig in Afrika zu engagieren. Damit wollen sie ihren Einfluss stärken, ihre Position auf dem Kontinent durch Entwicklungshilfe wiederherstellen und die afrikanischen Fähigkeiten zur Bekämpfung von Corona unterstützen – um über all das den chinesischen Einfluss einzudämmen.“

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