US-Sanktionen könnten türkischen Staatsbankrott nach sich ziehen

„[S]ollte der türkische Präsident Erdogan nicht einlenken und sollten die zusätzlichen Maßnahmen in Kraft treten, dann wären die Folgen noch weit dramatischer – bis hin zum Staatsbankrott. (…) Tatsächlich hat der Auswärtige Ausschuss des US-Senats bereits ein Gesetz beschlossen, dass es den US-Vertretern bei der Weltbank und bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung untersagen würde, weiteren Krediten an die Türkei zuzustimmen. Das wäre ein schwerer Schlag für Ankara, denn das Land gehört zu den größten Kreditnehmern bei diesen Institutionen. Von der Internationalen Finanz-Korporation der Weltbank (IFC) erhielt die Türkei im vergangenen Jahr 927 Millionen Dollar an Darlehen, bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung war sie sogar größter Kreditnehmer überhaupt mit 1,8 Milliarden Dollar im Jahr 2017.

Die Blockade weiterer Kredite an die Türkei müsste zwar erst noch vom Senat beschlossen und vom Präsidenten abgesegnet werden. Aber alleine die Aussicht sorgt schon jetzt dafür, dass die Währung immer weiter abstürzt. Dies geschieht, weil die Lira ohnehin stark angeschlagen ist, bereits seit zwei Jahren verliert sie rasant an Wert, seit Mitte 2016 sind es inzwischen über 40 Prozent. Hintergrund ist, dass Regierung und Zentralbank nach dem gescheiterten Putsch massiv Geld in die Wirtschaft pumpten, um eine Rezession zu verhindern. Dies gelang, doch danach wurden die Maßnahmen nicht wieder zurückgefahren. Als Folge boomte zwar die Wirtschaft und erreichte Wachstumsraten von über sieben Prozent. Gleichzeitig entstand jedoch eine Kreditblase und die Inflation galoppierte davon. (…)

Kein anderes Land der Welt ist allerdings so abhängig von ausländischem Kapital wie die Türkei. Diese Abhängigkeit ist sogar stetig gewachsen, seit Erdogan regiert. Denn das Land importiert konstant mehr als es exportiert, wodurch das Leistungsbilanzdefizit immer weiter stieg, 2017 betrug es 5,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dieses Leistungsbilanzdefizit kann nur ausgeglichen werden, wenn permanent Kapital ins Land strömt, derzeit rund 200 Millionen Dollar pro Tag. Dies ist daher die verwundbarste Stelle der Türkei, und die US-Regierung nutzt dies offenbar ganz bewusst.“ (Frank Stocker: „Weitere US-Sanktionen könnten die Türkei in den Staatsbankrott treiben“)

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