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US-Armada vor dem Iran: Was wird passieren?

»Wer Wind sät, wird Sturm ernten«: Anti-amerikanische Propaganda in Irans Hauptstadt Teheran
»Wer Wind sät, wird Sturm ernten«: Anti-amerikanische Propaganda in Irans Hauptstadt Teheran (© Imago Images / Anadolu Agency)

Ein Aufmarsch wie der der USA vor der iranischen Küste dient nicht zu einem Bestrafungsschlag oder einer politischen Botschaft, sondern ist auf einen umfassenden Einsatz ausgelegt.

In den Zeiten des Kalten Krieges, als sich mit der Sowjetunion auf der einen und den USA auf der anderen Seite zwei Supermächte gegenüberstanden, deren ungeheures militärisches Vernichtungspotenzial ein »Gleichgewicht des Schreckens«, gab es in westlichen Hauptstädten sogenannte »Kremlologen«. Das waren Experten, deren Aufgabe darin bestand, auch noch die kleinsten Informationsbruchstücke aus Moskau auszuwerten und zu interpretieren, um das zukünftige Verhalten der sowjetischen Führung vorauszusagen.

Diese Experten wurden oft spöttisch als »Kreml-Astrologen« bezeichnet, waren doch die Macht- und Entscheidungsstrukturen in Moskau so verworren und undurchsichtig, dass die Zuverlässigkeit ihrer Voraussagen sich kaum von jener der »Erkenntnisse« von Sternendeutern abhob.

Im Vergleich zu den Versuchen, das künftige Verhalten des gegenwärtigen Bewohners des Hauses mit der Adresse 1600 Pennsylvania Avenue, Washington DC, eines gewissen Donald J. Trump, vorauszusagen, war die Kremlologie eine exakte Wissenschaft. Niemand kann beispielsweise mit auch nur annähernder Sicherheit sagen, ob der US-Präsident bei seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit seiner hartnäckigen Verwechslung von Island und Grönland nur einen weiteren seiner zahlreichen sprachlichen Aussetzer hingelegt hat, ob der Lapsus Ausdruck eines ernsten kognitiven Problems des knapp Achtzigjährgen war, oder ob er damit vielleicht gar andeuten wollte, dass er seine Augen bereits auf den nächsten »Brocken Eis« geworfen hat, der dem strategischen Genie zufolge unbedingt den USA gehören müsse.

Ähnlich steht es um die Frage, ob Trump nun eigentlich vorhat, das iranische Regime anzugreifen oder nicht. Zuerst hat er, der einmal ernsthaft behauptete, er habe den Konflikt zwischen »Aberbeidschan und Albanien« beendet, die Menschen im Iran aufgerufen, gegen das Regime zu demonstrieren, und ihnen versprochen, Hilfe sei auf dem Weg. Das verband er mit der an die Führung gerichteten Warnung: »Ihr solltet besser nicht anfangen zu schießen, denn dann fangen wir auch an zu schießen«.

Als dann das iranische Regime sodann buchstäblich Zigtausende Iraner über den Haufen schoss oder anderweitig ermordete – Schätzungen sprechen von über 30.000 in nur zwei Tagen –, machte Trump seine Drohung wahr, sondern dankte den Mördern dafür, die Hinrichtung politischer Gefangener angeblich ausgesetzt zu haben. Seitdem stellt er immer wieder Militärschläge in den Raum, während er gleichzeitig sagt: »Wir hoffen, dass es keine weiteren Maßnahmen geben wird.«

Und zuletzt jubelte er über die »schöne Armada«, die auf dem Weg Richtung Iran sei, und schrieb, das Regime müsse jetzt an den Verhandlungstisch zurückkehren und ein »faires und gerechtes Abkommen« im Atomstreit verhandeln. Vom Massenmord an der eigenen Bevölkerung, den dieses Regime in den vergangenen Wochen verbrochen hat, ist plötzlich, als wäre nichts geschehen, mit keinem Wort mehr die Rede.

Auf Krieg ausgelegt

Werfen wir, statt im Trüben (in diesem Fall also: in Trumps Kopf) nach einem Plan zu fischen, den der Präsident möglicherweise selbst nicht hat, einen Blick auf das, was man früher, als so etwas noch eine Rolle spielte, als simple Fakten bezeichnete: Die USA haben in den vergangenen Wochen rund um den Iran eine Militärmacht zusammengezogen, die den Massenmördern in Teheran zurecht einiges Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Der Oberste Geistliche Führer, Ali Khamenei, soll es mittlerweile vorgezogen haben, in eine sichere Bunkeranlage umzuziehen. (Im Iran soll ein Witz kursieren, der lautet, wo genau sich Khamenei aufhält, wisse nur der Mossad.)

Ein lesenswerter Überblick über den amerikanischen Aufmarsch kam jedenfalls vorgestern zu dem Schluss, derartige militärische Kräfte dienten »nicht einem ›Bestrafungsschlag‹ oder einer ›politischen Botschaft‹. Es handelt sich um eine militärische Konzentration, die für einen vernichtenden Krieg gegen die gesamten militärischen Fähigkeiten des Gegners ausgelegt ist.«

Und die Autoren fügten hinzu: »Die Kosten zur Aufrechterhaltung dieser Flotte und dieser Flugzeuge … belaufen sich täglich auf Hunderte Millionen. Kein Land, nicht einmal die USA, kann eine solche Streitmacht lange Zeit in einer ›Warteposition‹ halten. Wir stehen vor zwei Optionen: einem Angriff innerhalb weniger Tage oder dem Beginn einer kostspieligen schrittweisen Deeskalation.«

Seit diesem Posting wurden noch weitere Kapazitäten in die Region verlegt, darunter sieben E-11-BCAN-Flugzeuge, die als »Wi-Fi in the Sky« für die Koordinierung und Kommunikation verschiedener Kräfte in einem Einsatzgebiet zuständig sind, was ein Experte mit den Worten kommentierte: »ein sicheres Zeichen, dass die Bombardierung bald stattfinden wird«. Heute mehrten sich darüber hinaus Meldungen über eine »Zunahme der Flüge europäischer Fracht- und VIP-Flugzeuge in den Nahen Osten und zurück, was darauf hindeutet, dass die Evakuierung nicht unbedingt erforderlichen diplomatischen Personals begonnen hat«.

Was auch immer Trump also vorhaben mag, die Fakten machen klar, dass die gegenwärtige Lage nicht lange aufrechterhalten werden kann. Irgendetwas muss passieren – und das nicht in einem Zeitraum von mehreren Wochen oder gar Monaten. Wir sind wahrlich nicht die einzigen, die gespannt sind, was das am Ende sein wird.

Das ist ein Auszug aus dem jüngsten Mena-Watch-Newsletter vom 28. Januar. Wenn Sie unseren Newsletter künftig immer schon am Mittwochnachmittag erhalten wollen, melden Sie sich hier an.

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