US-Abzug aus Afghanistan soll wenigstens nicht aussehen wie umfassende Kapitulation

„Botschaft“ der Taliban in Katar.

„Die afghanische Regierung saß bisher nicht einmal am Verhandlungstisch. Das ist selbstverständlich eine Bedingung der Taliban, aber sie delegitimiert die Regierung. Die Taliban erkennen die Regierung nicht an. Sie wollen nichts mit ihr zu tun haben. Welch Garantien wir auch immer zu erhalten glauben, ich fürchte, das Ergebnis wird traurigerweise sehr anders aussehen. Wenn wir uns wirklich binnen 18 Monaten zurückziehen, so wie es jetzt heißt, werden wir einfach sehen, wie die Taliban vordringen und das Land zurückerobern werden. (…)

Was meiner Ansicht nach besonders schwer wiegt: Was wird mit den afghanischen Frauen geschehen? Den Frauen, die wir ermutigt haben, aus dem Schatten zu treten, diejenigen, denen wir mit großem Aufwand einen Schulbesuch ermöglicht haben. Was ist mit ihnen? Es gibt keine Garantie, die von den Taliban kommen könnte, der ich vertrauen würde. Wer sollte ihre Einhaltung durchsetzen? (…)

Verhandlungsführung für Anfänger: Verhandle nicht aus einer Position der Schwäche. Wie wir im vergangenen Jahr gesehen haben, gewinnen die Taliban an Boden. Sie sind nicht das unbesiegbare Monster, das manche Berichte aus ihnen machen, aber sie kontrollieren mehr und mehr des Landes, während die Regierung immer weniger unter Kontrolle hat. Zu glauben, dass sie jetzt innehalten und sagen: ‚OK, wir respektieren die Verfassung und versuchen, auf legalem Wege Änderungen umzusetzen‘, ist eine Illusion – das wird nicht geschehen. (…)

Nach fast 18 Jahren in der Wildnis sind sie nicht netter, freundlicher oder weniger entschlossen geworden. Ja, sie mögen uns versichern, dass sie Gruppen wie al Qaida keinen sicheren Hafen bieten werden. Aber angesichts der Tatsache, dass sie sich 2001 dafür entschieden, lieber auf dem Schlachtfeld unterzugehen, als die al Qaida im Stich zu lassen – wie wir es von ihnen verlangt haben –, glaubt wirklich irgendjemand, dass sich die Taliban dieses Mal anders verhalten werden? (…)

Die ganze Dynamik weist darauf hin, dass wir mit Afghanistan fertig sind und nur von dort wegwollen: Lasst uns etwas verhandeln, das wenigstens wie eine politische Übereinkunft aussieht – und nicht wie eine umfassende Kapitulation.“ (Aus einem Interview mit verdienten US-Diplomaten Ryan Crocker, der als Botschafter in Afghanistan, Pakistan, Syrien, Kuwait, im Irak und im Libanon tätig war, wo er 1983 den Hisbollah-Selbstmordanschlag auf die amerikanische Botschaft überlebte: „Ryan Crocker: The Taliban Will ‘Retake the Country’“)

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