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Ungewohnte Töne aus dem Munde des Hisbollah-Chefs

Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah (© imago images/Photothek)
Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah (© imago images/Photothek)

Hassan Nasrallah deutete an, dass ein Krieg zwischen dem Iran und Israel nicht automatisch auch eine Beteiligung der Hisbollah bedeuten muss.

Aus dem Libanon waren in der vergangenen Woche Töne zu vernehmen, die so nicht unbedingt zu erwarten waren. Am Dienstag meldete sich Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah in einem Interview zu Wort, in dem er erklärte, dass er israelische Kriegsdrohungen in Richtung Teheran nicht ernst nehme. Der Iran sei eine starke Regionalmacht, jeder Krieg mit ihm würde »die gesamte Region in die Luft sprengen«.

Sollte es wider Erwarten aber doch zu einem Krieg kommen, werde die Hisbollah nicht automatisch Vergeltungsschläge gegen Israel unternehmen, sondern darüber entscheiden, ob sie involviert werden wolle oder nicht. Nasrallah bestritt auch, dass die Hisbollah jemals einen Schritt setzen werde, der dem Iran, nicht aber dem Libanon zugutekomme. Und er stellte in Abrede, dass Mitarbeiter der iranischen Botschaft in Beirut in die Entscheidungsprozesse der Hisbollah eingebunden seien.

Nasrallahs Äußerungen sind insofern bemerkenswert, als die Hisbollah als fixer und besonders wichtiger Bestandteil des militärischen Abschreckungspotenzials des Iran gilt. Mit ihren weit über 100.000 Raketen kann sie theoretisch jeden beliebigen Ort in Israel erreichen. Dieses Raketenarsenal ist einer der Faktoren, der israelischen Militärs bei ihren Planungen möglicher Attacken auf iranische Atomanlagen Kopfzerbrechen bereitet: Israel muss davon ausgehen, dass ein Angriff auf den Iran nicht machbar sein wird, ohne gleichzeitig Krieg gegen die Hisbollah zu führen. Obwohl die israelische Raketenabwehr rund neunzig Prozent hereinkommender Raketen abfangen können dürfte, bedeuten die übrigen zehn Prozent, dass immer noch Tausende Raketen in Israel einschlagen würden – Geschosse, die zum Teil von einer erheblich anderen Qualität sind als die Qassam-Raketen der Hamas im Gazastreifen.

Den Hintergrund für Nasrallahs angedeutete Distanzierung bildet die prekäre Lage der Hisbollah im Libanon. Im öfter wird hier lautstarke Kritik an der Terrorgruppe geäußert, die de facto einen Staat im Staate im Dienst einer ausländischen Macht (eben des Iran) errichtet hat und der eine große Mitschuld an der katastrophalen wirtschaftlichen und politischen Lage im Libanon gegeben wird.

Die Aussagen Nasrallahs sollten freilich nicht überwertet werden. Dass er dem Eindruck entgegenwirken will, der Libanon verkomme zunehmend zu einer Kolonie des Iran, bedeutet weder, dass die Hisbollah tatsächlich libanesische Interessen über die diejenigen ihres iranischen Herren stellen würde, noch dass die Hisbollah im Fall der Fälle wirklich ruhig an der Seitenlinie sitzenbliebe, sollte es zum Krieg zwischen dem Iran und Israel kommen.

»Es ist unwahrscheinlich, dass der Iran in einem Krieg mit Israel nicht auf das Raketenarsenal der Hisbollah zurückgreifen würde«, zitiert die Jerusalem Post einen Experten, »aber die Hisbollah hat wenig davon, das auch öffentlich kundzutun, in einer Zeit zumal, in der sie ihren politischen Einfluss im Libanon weiter ausbauen möchte.«

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