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»Unfall« auf iranischem Militärstützpunkt Parchin war ein Drohnenangriff

Der Militärstützpunkt Parchin. (Quelle: Google Earth)
Der Militärstützpunkt Parchin. (Quelle: Google Earth)

Hinter der Explosion auf dem iranischen Stützpunkt Parchin stand der Angriff mit einer sogenannten Selbstmorddrohne. Eine Vermutung liegt nahe.

Wann immer aus dem Iran ein »Unfall« gemeldet wird, regt sich der Verdacht, dass hier mehr und anderes vorgefallen sein dürfte, als offiziell eingeräumt wird. Erst recht, wenn sich der Vorfall an einem so sensiblen Ort ereignet wie einer Atomanlage oder einem Militärstützpunkt. So auch am vergangenen Mittwoch, als im Zusammenhang mit der Arbeit einer, wie es vonseiten des Iran hieß, »Forschungseinheit« des Verteidigungsministeriums ein »Industrieunfall« geschehen sein soll, dessen Ursache noch »unklar« sei.

Umfangreiche Aufräumarbeiten

Der Name Parchin lässt bei allen die Alarmglocken schrillen, die in den vergangenen zwanzig Jahre den Konflikt um das iranische Atomprogramm verfolgt haben. Denn seit Langem wird vermutet, dass dort Experimente durchgeführt wurden, die der Entwicklung von Atombomben dienten. Bestätigt wurden diese Befürchtungen mit Fotos, die sich in dem geheimen iranischen Nukleararchiv fanden, das der israelische Geheimdienst in Teheran ausfindig gemacht und entwendet hat. Auf den Bildern ist eine Versuchsanordnung mit einer Metallkammer zu sehen, in der am Zündmechanismus für Atombomben experimentiert worden sein dürfte.

Die Internationale Atomenergiebehörde hatte lange Zeit keinen Zugang zum Stützpunkt Parchin, da dieser offiziell nicht im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm stand. Jahrelang haben die Iraner deshalb Inspektionen verwehrt. Als IAEO-Chef Yukiya Amano im Jahr 2015 endlich Zugang gewährt wurde, war nicht mehr viel zu sehen: Die gründlichen Aufräumarbeiten auf dem Stützpunkt, die auf Satellitenfotos verfolgt wurden und mit denen alle Spuren der verbotenen Experimente verwischt werden sollten, waren bereits abgeschlossen: Material war abtransportiert, Gebäude waren abgerissen und große Flächen vom Erdreich gesäubert worden.

Ein gefährlicher Arbeitsplatz

Parchin geriet in der Vergangenheit nicht nur durch die dort vermutlichen stattgefundenen illegalen Experimente im Dienst des vom iranischen Regime stets in Abrede gestellten Atomwaffenprogramms in die Schlagzeilen, sondern auch, weil sich seit Jahren dort immer wieder mysteriöse »Unfälle« ereignen.

Schon im Jahr 2014 brach auf dem Stützpunkt infolge einer Explosion oder aus einem anderen Grund ein Brand aus – die genaue Ursache konnte nie geklärt werden, weil der Iran eine unabhängige Untersuchung verhinderte.

Zuletzt ereignete sich im Juli 2020 eine schwere Explosion, deren Lichtschein weithin sichtbar war und deren Druckwelle bis ins 30 Kilometer entfernte Teheran zu spüren war. Auch die Ursache dieses Vorfalls wurde nie wirklich geklärt. Den iranischen Behörden zufolge sei ein Gastank in die Luft gegangen, und das nicht auf dem Gelände, sondern irgendwo außerhalb davon.

Selbstmorddrohnen

Am Mittwoch hat es in Parchin also wieder geknallt. Am Tag danach sprach das Verteidigungsministerium schon nicht mehr von einem »Un-«, sondern von einem »Vorfall«. Der dabei getötete Ingenieur wurde als »Märtyrer« eingestuft – ein deutlicher Hinweis auf einen militärischen Hintergrund der Angelegenheit.

Laut einem Bericht der New York Times, die sich auf iranische und amerikanische Quellen beruft, war die Ursache der neuerlichen Explosion allerdings kein Industrieunfall, wie die Iraner anfänglich behaupteten, sondern ein Angriff mit einer sogenannten »Selbstmorddrohne«. Obwohl niemand sich zu der Attacke bekannt hat, liege ein Verdacht nahe: Mit sechs solchen unbemannten Fluggeräten hat Israel im Februar einen Drohnenstützpunkt der Revolutionsgarden attackiert. Da die verwendeten Quadcopter-Drohnen keine große Reichweite haben, müssen sie im Falle des Angriffs auf Parchin im Iran selbst gestartet worden sein.

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