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Unerfreuliche Twitter-Dialoge in Zeiten des Hamas-Raketenterrors (Teil 2)

Einschlag einer palästinensischen Rakete in einem Wohnhaus in Ashdod
Einschlag einer palästinensischen Rakete in einem Wohnhaus in Ashdod (© Imago Images / Xinhua)

Auf Twitter entwickelten im Zuge des Hamas-Raketenterrors gegen Israel in zwei Fällen längere Wortwechsel, die ich hier dokumentieren möchte, weil sie auf eine traurige Art lehrreich sind. Nachdem ich in Teil 1 mein Gespräch mit Zeina aus Ägypten dokumentierte, möchte ich mich nun Raya aus Jordanien widmen.

Raya ist laut ihrem Twitter-Profil Zahnärztin aus Jordanien und antwortet auf einen Tweet von mir. Ich hatte geschrieben, dass die Hamas den Krieg begonnen hat, indem sie Raketen auf Jerusalem geschossen hat. Raya sagt:

„Israel hat diesen Krieg an dem Tag begonnen, als sie Palästina betreten haben. Diese Leute [offenbar meint sie die Hamas; S.F.] haben das Recht, sich zu verteidigen, die israelischen Leute gehören nicht auf dieses Land, sie haben nicht das Recht, diese Leute aus ihren eigenen Häusern zu werfen, niemand hat das Recht, das zu tun.“

Raya behauptet ferner:

„Die Palästinenser zielen nicht auf Frauen, Kinder und Alte. Die Palästinenser greifen nicht Israelis in ihren eigenen Wohnungen an.“

Selbstverständlich tun sie das sehr wohl, die Hamas-Raketen zielen auf nichts anderes als auf Wohnungen. Schon das Vorbild der Hamas, Izzaddin al-Qassam, warf übrigens Anfang der 1930er Jahre in Haifa Bomben auf Wohnungen von Juden. Doch Raya sagt:

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„Du musst mehr darüber lesen, was wirklich mit dem palästinensischen Volk passiert. Der Krieg wird nicht enden, bis Israel dieses heilige Land verlässt.“

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Eine ethnische Säuberung soll also die Lösung sein. Ich antworte:

„Israelische Juden werden niemals gehen, sie haben keinen Ort, wo sie hingehen können. Folgt daraus, dass es keinen anderen Weg gibt als ewigen Krieg? Diese Denkungsart ist die Wurzel dieses Konflikts.“

Raya schreibt:

„Israelis haben wohl einen Platz, zu dem sie gehen können, sie kamen alle aus anderen Ländern, und sie haben alle Pässe der Länder, aus denen sie gekommen sind. Sie sind in dieses Land gekommen und haben diesen Krieg angefangen, wie kommt es, dass sie Frieden wollen, und sie es sind, die den Krieg begonnen haben.“

Das Helen-Thomas-Argument: Die amerikanische Starjournalistin libanesischer Herkunft sagte 2010, die Juden sollten „verdammt noch mal aus Palästina verschwinden“ und dorthin „zurückgehen“, „wo sie hergekommen sind“, etwa „nach Deutschland oder Polen“. Die meisten jüdischen Israelis sind freilich in Israel geboren, und wenn man nach der Herkunft der Großeltern geht, stammen die meisten aus arabischen Ländern. Raya fügt hinzu:

„Und lies die Nachrichten sehr gründlich, bevor du falsche Infos äußerst.“

Was das Stichwort „Krieg“ betrifft, weise ich darauf hin, dass die Hamas Raketen ziellos auf Bevölkerungszentren schießt und sich nicht um Geschlecht, Alter und die Frage kümmert, ob Kombattant oder nicht. Oder auch die Nationalität (sie hat Juden, Araber und kürzlich eine Frau aus Indien getötet). Bei ihren Selbstmordanschlägen hat sie absichtlich Kinder ermordet, schreibe ich.

Ich frage, wer diesen Krieg wirklich begonnen hat, ebenso wie die Kriege von 1936-39, 1947/48, 1967, 1973, 1982, 2008/09, 2012, 2014. Ich zitiere den hochrangigen Hamas-Vertreter Fathi Hammad, der kürzlich zu Palästinensern in Jerusalem sagte:

„Kauft 5-Schekel-Messer und schneidet den Juden die Köpfe ab.“

Raya bleibt bei ihrem Manuskript:

„Kannst du nicht verstehen? Es ist ihr eigenes Land, sie haben das Recht, sich zu verteidigen. Versetz dich in ihre Lage, wenn jemand käme und versuchen würde, dich aus deinem Haus zu vertreiben, was wäre deine Reaktion.“

Wenn den Terroristen ewiger Krieg lieber ist als Koexistenz, sage ich, dann sollten sie nicht heulen, wenn sie den Krieg verlieren. Es liegt ein Fehler vor, wenn eine der Parteien ständig behauptet, sie habe ein „Recht auf Krieg“, aber sich beschwert, wenn die andere Partei zurückschießt. Raya antwortet:

„Koexistenz wird es nicht geben mit diesen israelischen Monstern. Sie versuchen zu nehmen, was ihnen nicht gehört. Heiße sie in deinem Land willkommen und koexistiere mit ihnen.“

Ich erwidere, dass ich in einem Land lebe, in dem viele Araber und Israelis koexistieren und dass sie das bis vor wenigen Wochen ja auch in Israel taten. Raya schickt als Antwort das Video eines Rabbis von Naturei Karta, einer extremen ultraorthodoxen Sekte, die Israel verteufelt. Ich sage, dass ich kein Mitglied dieser religiösen Sekte bin und dieser Herr darum keine Autorität über mich hat. „Würde er dich überzeugen“, frage ich, „wenn er eine andere Weltsicht verbreiten würde?“ Raya sagt:

„Was auch immer deine Religion ist, alle monotheistischen Religionen unterstützen diese Tatsache. Aber es scheint, dass du nichts über deine Religion weißt noch darüber, was wirklich passiert. Und Palästina wird früher oder später frei sein (Smiley).“

Frei? Vielleicht habe ich das nicht richtig verstanden, darum frage ich nach:

„Du meinst: frei von Juden? Gott sei Dank wird das nicht passieren.“

Raya ist sich sicher:

„Es wird eines Tages passieren, hahaha, du bist wahrscheinlich 40 oder älter, du solltest dich mehr bilden, Mann, und dann können wir weiter darüber reden.“

Ich bin kein Prophet, darum kenn ich nicht die Zukunft. Doch, sage ich,

„ich weiß ein paar Dinge über die Vergangenheit. Ich weiß, dass 800.000 Juden aus arabischen Ländern vertrieben wurden, was der Grund dafür ist, dass kein einziger Jude mehr in Algerien oder dem Irak lebt. Dies wird in Israel nicht geschehen, dank der IDF.“

Die Diskussion hätte sich noch sehr lange hinziehen können. Damit das nicht passiert, lasse ich Raya das letzte Wort. Sie sagt:

„Ich wiederhole es immer und immer wieder: deine Information ist falsch und du solltest dich mehr bilden. Der Wille von Gott ist das Höchste, nicht der Wille Israels. Gott steht über allem. #freepalestine, exposeisreal, #IsraelTerrorism“

Rayas Meinung nach werden die Juden also aus „Palästina“ vertrieben werden, weil Allah das so will. An dieser Stelle waren wohl alle Argumente ausgetauscht.

Es sind zwei Twitter-Nutzerinnen, mit denen ich diskutiert habe, weil sie mir rein zufällig auf Twitter begegnet sind. Aber was sie glauben, ist das Programm von Jassir Arafat: Die Juden haben keinerlei Verbindung zu Palästina; die Palästinenser hingegen haben Ansprüche auf das ganze Land, die Jahrtausende zurückreichen – und eines Tages werden die Juden aus Palästina fliehen.

Er verspreche, „dass die Juden Palästina verlassen werden, wie Ratten, die ein sinkendes Schiff verlassen“, soll Arafat noch nach Beginn des Osloprozesses zu einem Journalisten gesagt haben.

Der arabisch-israelische Konflikt wird nicht beendet werden, indem ein weiterer arabischer Staat gegründet wird; er wird dann enden, wenn niemand mehr glaubt, dass die Juden Israel irgendwann verlassen werden. Der Blick in die sozialen Medien hat den ernüchternden Beweis erbracht, dass dieser Moment noch nicht erreicht ist.

In Teil 1 des Beitrags schildert Stefan Frank sein Gespräch mit der ägyptischen Pharmaziestudentin Zeina.

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