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Uneinigkeit unter Syriens Drusen

Schon zu Assads Zeiten waren die Drusen zwischen Regimeanhängerschaft und Opposition gespalten
Schon zu Assads Zeiten waren die Drusen zwischen Regimeanhängerschaft und Opposition gespalten (© Imago Images / Xinhua)

Innerhalb der syrischen Gemeinschaft der Drusen herrscht Uneinigkeit in Bezug auf die Haltung zur Zentralregierung unter Ahmed al-Sharaa in Damaskus.

Die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in der südsyrischen Provinz Suwayda begannen am 15. Juli, als beduinische Wegelagerer an der Hauptstraße nach Damaskus eine Sperre errichteten und einen drusischen Jugendlichen gewaltsam ausraubten. Daraufhin entführten Drusen mehrere Beduinen, die sie für das Geschehene verantwortlich machten. Syrischen Militäreinheiten gelang es nicht, ordnend einzugreifen: Teile der Armee ergriffen die Partei der Beduinen, und einige von ihnen verübten Gräueltaten an der drusischen Bevölkerung.

Während das geistige Oberhaupt der Drusen Hikmaat al-Hijiri daraufhin zum allgemeinen Kampf gegen die Zentralregierung aufrief, erwarteten sich andere Gruppen wie die Rijal al-Karama (deutsch: »Männer der Würde«) eine Vermittlungsrolle der Regierung in Damaskus. Der Gründer der Rijal al-Karama, Wahid al-Balous, war im Jahr 2015 durch eine Autobombe von Agenten des Assad-Regimes getötet worden. Ihr jetziger Sprecher ist Bassem Abou Fakhr.

Assad-Unterstützer

Hikmaat al-Hijiri ist neben Hammoud al-Hinnawi und Youssef Jarbou der bekannteste der drei religiösen Führer der Drusen; allerdings wird dem in Venezuela geborenen al-Hijiri innerhalb dieses Kreises die Nachfolge seines im Jahr 2012 verunglückten Bruders, dessen Tod bei einem rätselhaften Autounfall ebenfalls dem Assad-Regime zugeschrieben wurde, abgesprochen.

Dennoch war al-Hijiri lange Zeit selbst Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, wechselte erst spät auf die Seite seiner Gegner und steht dem jetzigen Interimspräsidenten Ahmed al-Sharaa von Beginn an skeptisch gegenüber. Als im März ein Abkommen zwischen al-Sharaa und druischen Fraktionen erzielt wurde, erklärte al-Hijri solch eine Einigung für ungültig und bezeichnete die Übergangsadministration in Damaskus als »radikale Regierung im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wird von der internationalen Justiz gesucht und jede Nachsicht in dieser Angelegenheit ist für uns Syrer inakzeptabel.«

Wechselnde Positionen

Die drusische al-Jabal-Brigade, die ursprünglich auch das Assad-Regime unterstützte, kämpfte wiederum trotz der unterschiedlichen politischen Positionen gemeinsam mit Rijal al-Karama gegen den Islamischen Staat, um sich nach der Ermordung ihres Anführers Murhij al-Jarmani, die zwar aus dem Familienumfeld heraus erfolgte, aber dennoch dem Assad-Regime zugeschrieben wurde, Ende 2024 dem Kampf der Opposition gegen den syrischen Diktator anzuschließen und Damaskus vom Süden aus anzugreifen.

Israel wiederum ist daran interessiert, die diversen und teilweise unübersichtlichen Machtverhältnisse in Syrien nicht nur hinsichtlich der Drusen weiter bestehen zu lassen und zu unterstützen, um eine starke Zentralregierung zu verhindern, von der es befürchtet, sie könne zu einer Gefahr an seiner Nordwestgrenze werden. Um einen Ausgleich mit Syrien erzielen zu können, der einen längerfristigen strategischen Vorteil bieten könnte, wird Jerusalem derartige Ambitionen in Zukunft aber möglicherweise zurückschrauben müssen.

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