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Ultranationalist unterstützt Kemal Kılıçdaroğlu bei Stichwahl

Der rechtsextreme Parteichef Ümit Özdağ erklärt seine Unterstützung für Kemal Kılıçdaroğlu
Der rechtsextreme Parteichef Ümit Özdağ erklärt seine Unterstützung für Kemal Kılıçdaroğlu (Bildquelle: WikiforLive)

Bei der am Sonntag stattfindenden Stichwahl um die türkische Präsidentschaft kann der gegen Präsident Erdoğan antretende Kemal Kılıçdaroğlu mit den Stimmen der rechtsextremen Siegespartei rechnen.

Nicht nur Recep Tayyip Erdoğan, sondern auch sein Kontrahent erhält nun Unterstützung von ultranationalistischer Seite: So hat der Vorsitzende der rechtsextremen Zafer Partisi (Siegespartei), Ümit Özdağ, seine Unterstützung für den Oppositionskandidaten Kemal Kılıçdaroğlu bei der bevorstehenden Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag angekündigt. Zuvor hatte der Kandidat des rechtsextremen Parteienbündnisses Ahnenallianz (ATA), Sinan Oğan, der in der ersten Wahlrunde gegen Erdoğan angetreten war, seine Unterstützung für den regierenden Präsidenten bekannt gegeben.

Özdağ hingegen hatte erklärt, Oğans Schritt spiegle nicht die Ansicht seiner ursprünglich an der Ahnenallianz beteiligten Siegespartei wider und sagte am Mittwoch, er werde Kılıçdaroğlu unterstützen, nachdem dieser versprochen hatte, innerhalb eines Jahres Millionen von Migranten aus der Türkei auszuweisen.

»Das größte Problem der Türkei sind dreizehn Millionen Asylsuchende und irreguläre Migranten«, sagte Özdag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Hauptstadt Ankara. Die Zahl von dreizehn Millionen Flüchtlingen, die Özdağ und andere Hardliner unter den Antimigrationspolitikern anführen, ist spekulativ und steht im Gegensatz zu den Zahlen der Vereinten Nationen, die von etwa 3,9 Millionen ausgehen.

Rechtsextrem

Über Özdağ und seine Siegespartei sagte Kemal Bozay von der IU Internationalen Hochschule Düsseldorf und Köln, diese sei »in ihrer Parteiprogrammatik eher ultranationalistisch« und in »ihrer Rhetorik und ihren Darstellungsformen sehr rechtspopulistisch«. Özdağ knüpfe an bestimmte völkisch-nationalistische Elemente an. »Panturkismus bzw. Panturanismus spielen bei ihm eine wichtige Rolle«, ergänzte Bozay und erklärte, Turan sei »bei den türkischen Ultranationalisten ein Ideal von einem ethnisch homogenen Staat aller Turkvölker vom Balkan bis nach Westchina, der unter der Führung von Türken einzurichten ist«.

Die Radikalität von Özdağ betonend, wies Bozay darauf, dass dieser »nach der Gründung seiner Partei umgehend das Grab von Alparslan Türkes, dem ehemaligen Anführer der Grauen Wölfe, besucht hatte, um zu signalisieren, dass seine Partei sich auf dessen alte Tradition stütze«. Der Gründer der rechtsextremen türkischen Grauen Wölfe, Alparslan Türkes, war ein Bewunderer Adolf Hitlers und glaubte an die »Überlegenheit der türkischen Rasse«.

Dieser Artikel ist die überarbeitete und erweiterte Version eines Textes, der ursprünglich bei Jungleblog erschien.

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