Yitzhak Ben-Hebron entkam als Kind den arabischen Unruhen und kehrte später nach Hebron zurück, um die jüdische Gemeinde in der Stadt wieder aufzubauen.
Steve Linde
Yitzhak Ben-Hebron, der als letzter noch lebender Augenzeuge des Massakers von Hebron im Jahre 1929 galt, starb vergangene Woche im Alter von hundert Jahren. Er wurde am 1. Dezember 1925 in Hebron als Yitzhak Halali geboren und nahm später den Namen Ben-Hebron an, zu Ehren der Stadt, in der seine Familie seit Generationen gelebt hatte und deren jüdische Gemeinde er wieder aufbaute, nachdem Israel 1967 die Kontrolle über die Stadt zurückerobert hatte.
Ben-Hebron war vier Jahre alt, als arabische Randalierer bei Angriffen, die die jahrhundertealte jüdische Gemeinde der Stadt trafen und zu ihrer Vertreibung führten, 67 Juden ermordeten und Dutzende weitere verwundeten.
Bei einer Familienfeier im Haus seines Sohnes in Kiryat Arba im Jahr 2019 erinnerte sich Ben-Hebron daran, wie seine Mutter eine schwere Nähmaschine gegen die Haustür ihres Hauses in der Nähe der Avraham-Avinu-Synagoge geschoben hatte, um die Angreifer fernzuhalten. Ein Nachbar drängte die Familie, in die Synagoge zu fliehen. Dort angekommen, kletterten sie auf Stühle und flohen durch die oberen Fenster, während die Randalierer durch die Stadt wüteten.
Seine siebzehnjährige Schwester überlebte unter ebenso erschütternden Umständen wie er selbst. Sie hatte im Haus von Eliezer Dan Slonim, einem prominenten Bankier und Mitglied des Stadtrats von Hebron, Zuflucht gesucht, wo viele Juden Schutz suchten. Die Angreifer ermordeten die Menschen im Haus, während sie überlebte, indem sie sich unter einem Bett versteckte. Das Blut der Opfer tropfte auf sie, was die Randalierer glauben ließ, sie sei tot. Später sagte sie über die Morde und Vergewaltigungen aus, die sie miterlebt hatte, und identifizierte die Täter bei einer polizeilichen Gegenüberstellung.
Nach dem Massaker zog Ben-Hebrons Familie vorübergehend in das Beit-Hadassah-Gebäude, wurde dort jedoch erneut bedroht, nachdem lokale Araber seine Schwester als Überlebende der Unruhen erkannt hatten. Die Familie floh noch in derselben Nacht aus Hebron.
Als junger Mann diente Ben-Hebron in der Haganah und dem Jugendkorps Gadna und beteiligte sich am Kampf um die israelische Unabhängigkeit. Er erinnerte sich daran, wie er einen heftigen Feuerwechsel überstand, während dessen er schwor, dass er, sollte er überleben, eines Tages nach Hebron zurückkehren würde.
Nachdem Israel im Sechstagekrieg das Westjordanland erobert hatte, erfüllte er dieses Versprechen. Ben-Hebron gehörte zu den ersten Juden, die nach dem Krieg nach Hebron zurückkehrten und dabei halfen, die jüdische Gemeinde dort wieder aufzubauen. Er schloss sich Rabbi Moshe Levinger und anderen Pionieren an, die das jüdische Leben in Hebron wiederbeleben wollten, und gehörte zu den mehr als hundertzwanzig Menschen, die zunächst in einer Militärsiedlung lebten, bevor die Regierung die erneute jüdische Ansiedlung in der Stadt genehmigte. Später wurde er einer der ersten Bewohner von Kiryat Arba.
Zeitlebens verbunden
»Sein Charakter und sein Dienst in der Gadna und der Haganah trugen dazu bei, die Zukunft des Staates Israel zu gestalten, und dank ihm und vielen anderen wie ihm haben wir eine starke Armee und einen unabhängigen Staat aufgebaut«, schrieb seine Enkelin Noya Shafi 2022 in einem Familiengeschichtsprojekt. »Ich habe ihn immer bewundert und war stolz darauf, dass er mein Großvater war«, schrieb sie. »Die Gespräche, die wir führten, haben uns einander nähergebracht, und ich hatte das Gefühl, als hätte ich gemeinsam mit ihm eine Reise durch die Geschichte unternommen.«
In den letzten Jahren lebte Ben-Hebron in Aschkelon und teilte weiterhin seine Erinnerungen an das Massaker und die Zerstörung der historischen jüdischen Gemeinde von Hebron.
In einem Interview mit Maariv, das während der Ersten Intifada im Jahr 1988 erschien, reflektierte Ben-Hebron über die Erfahrungen, die sein Leben geprägt hatten. Nachdem maskierte Jugendliche in der Nähe von Bethlehem einen Stein durch das Fenster seines Fahrzeugs geworfen hatten, hielt er an und gab Warnschüsse in die Luft ab. Er erinnerte sich an das Trauma seiner Kindheit in Hebron. »Ich bin bereits 63 Jahre alt. Ich wurde in Hebron geboren, und während der Unruhen von 1929 war ich ein vierjähriges Kind. Wir wurden einmal gezwungen, zu fliehen. Das wird nicht noch einmal passieren.«
Sein Sohn Amishav, der vermutlich das erste jüdische Kind war, das nach dem Sechstagekrieg in Hebron geboren wurde, war mit ihm unterwegs, als der Stein das Fahrzeug traf. »Wir jagen diese Jugendlichen nicht«, sagte Ben-Hebron zu seinem Enkel, nachdem er die Warnschüsse abgegeben hatte. »Die Schüsse in die Luft sollten die IDF-Soldaten alarmieren.«
Das Interview hielt die Entschlossenheit fest, die einen Großteil von Ben-Hebrons Leben prägte. Nachdem er das Massaker überlebt hatte, das jahrhundertelanges jüdisches Leben in Hebron beendete, widmete er sich dem Wiederaufbau einer jüdischen Präsenz in der Stadt der jüdischen Patriarchen und Matriarchinnen. Seine oft wiederholte Erklärung – »Wir wurden einmal gezwungen, zu gehen. Das wird nicht wieder passieren« – wurde zum Symbol für sein Engagement für Hebron und dessen jüdisches Erbe.
Ben-Hebron bewahrte auch ein einzigartiges Relikt der Gemeinde, die bei dem Massaker von 1929 zerstört wurde. Seiner von seiner Enkelin aufgezeichneten Aussage zufolge rettete ein jüdisch-amerikanischer Journalist eine sephardische Megillat Esther, während Randalierer Thora-Rollen und jüdisches Eigentum verbrannten. Die Schriftrolle wurde einem Einwohner Jerusalems anvertraut, der sie Ben-Hebron übergab, nachdem der unbekannte Journalist erfahren hatte, dass dieser das Massaker überlebt hatte. »Der Journalist bat ihn, mir die Megillah zu geben, nachdem er erfahren hatte, dass ich ein Überlebender der Unruhen von 1929 war.« Ben-Hebron schätzte die Megillah zeitlebens und betrachtete sie als greifbare Verbindung zu der verschwundenen jüdischen Gemeinde seiner Kindheit.
Avraham Kiryati, der ebenfalls das Massaker von 1929 überlebte, starb am 22. Januar 2023 im Alter von 102 Jahren. Mit Ben-Hebrons Tod ist der letzte bekannte direkte Zeitzeuge jenes Massakers verstorben, das einer der tödlichsten antijüdischen Angriffe im Mandatsgebiet Palästina und ein prägendes Ereignis in der Geschichte von Hebron war.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






