Vergangenen Sonntag erhielt Mena-Watch-Herausgeber Erwin Javor eine Nachhilfestunde in Sachen journalistischer Recherche und medialen Qualitätsstandards.
Wollen Sie wissen, wie ich über Nacht zu einem weltbekannten Cellisten wurde? Sie denken, Sie wissen das schon, weil sie beobachtet haben, wie ein Tourist einen Eingeborenen auf der Wiener Kärntner Straße aufhält und fragt: »Entschuldigen Sie, wie komme ich am besten zu den Wiener Philharmonikern?« Der Eingeborene mustert den Touristen mitleidig von oben bis unten und belehrt den Ahnungslosen: »Üben, mein Herr. Üben, üben, üben!«
Für wahre Ausnahmekünstler geht das aber manchmal auch anders. Alles, was es braucht, ist eine Meldung in einem österreichischen Medium. Die wird dann blitzartig international in vielen Sprachen von Russisch über Französisch bis Holländisch auf verschiedenen Medienkanälen übernommen. Die verlässliche Quelle dieser ursprünglichen Meldung war natürlich – ich. Wer denn sonst?
Ohne zu üben
Ich habe einen Bericht auf Twitter von drei international bekannten israelischen Musikern retweetet. Der Cellist Amit Peled, der Geiger Hagai Shaham und die Pianistin Julia Gurvitch sind an Spielorten wie der Carnegy Hall in New York oder dem Konzerthaus Berlin willkommen, arbeiten mit Orchestern wie der BBC Philharmonic oder Dirigenten wie Zubin Mehta.
In einer Wiener Pizzeria im 15. Bezirk allerdings wurden sie des Lokals verwiesen, ohne, dass auch nur einer der anderen Gäste widersprochen hätte. Was sie verbrochen hatten? – Sie haben untereinander Hebräisch gesprochen. Es handelte sich um das Lokal eines Herrn Ibrahim Abd El-Hay Aly in der Meiselstraße 13 im 15. Wiener Gemeindebezirk, eine typisch italienische Pizzeria namens »Ramazotti«.
Dieser Tweet ging sehr schnell viral, umgehend griffen etliche Medien diese neue Facette des goldenen Wienerherzens auf. Eines der flottesten war das Fellner-Imperium, das mich als Unternehmer und Herausgeber von »Mega-Watch« bezeichnete. Andere Medien machten mich in offensichtlicher Unkenntnis der Musikszene vom Re-Tweeter zum international bekannten Cellisten.
Bescheiden wie ich bin, habe auf diese Fehler hingewiesen, aber da nun schon schwarz auf weiß tausendfach gelesen worden war, was für ein berühmter Musiker ich bin, habe ich sofort meine Blockflöte aus dem Holzstapel vor meinem Kamin befreit und fehlerlos die Schicksalssymphonie von Beethoven intoniert. Gut, dass ich ein fotografisches Gedächtnis und ein absolutes Gehör habe, denn Noten lesen kann ich nicht.
Bisher habe ich ja absolut allen Medien immer blind vertraut. Ich war ganz sicher, dass sie alle immer ganz akribisch recherchieren, den journalistischen Qualitätsstandards eisern verpflichtet sind, immer alles doppelt und dreifach überprüfen und niemals voneinander abschreiben. Jetzt ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Welchen Nachrichten kann ich denn jetzt noch trauen? Ich habe gegrübelt und gegrübelt, und nach einer schlaflosen Nacht hatte ich die Lösung: Ab sofort halte ich mich nur noch an Mena-Watch!







