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Die kranke Logik der europäischen Feindschaft gegenüber Israel

Antismeitische Demonstration in London
Antisemitische Demonstration in London (© Imago Images / Future Image)

Druch die sekundärantisemitische Täter-Opfer-Umkehr wird die europäische Psyche entlastet – die Judenvernichtung war ja vielleicht schlimm, aber heute seien die Opfer von einst selber »Täter« …

Nach der Shoa waren sowohl die europäischen Staaten als auch die neu gegründeten Vereinten Nationen von einer gewissen Form von Mitleid und schlechtem Gewissen geprägt, nicht zuletzt wegen der Appeasementpolitik in den 1930er Jahren gegenüber dem Nationalsozialismus, auf die Weltkrieg und der Holocaust folgten.

Da kam die Gründung des Staates Israel gerade recht. Im Übrigen war man froh, die überlebenden Juden nicht aus der Emigration zurückholen zu müssen. Was gerade das Schweigen der österreichischen Politik zu diesem Thema beweist.

Das neu gegründete Israel war sodann der »underdog«, der von arabischen Staaten umgeben war, die die Juden »ins Meer werfen wollten«. Israel war der David, der Goliath waren die anderen.

Der Sieg Israels im Existenzkampf des Sechstagekriegs ermöglichte es der arabischen Propaganda, die Verhältnisse umzudrehen, indem sie Israel zum »Besatzer« erklärte. Der arabische Nationalismus verbündete sich mit Neonazis, dem antizionistischen Antisemitismus des Realsozialismus und der Neuen Linken.

Am klarsten zeigte sich das an ihrem terroristischen Flügel, der RAF. »In seinem Antizionismus verwischte der Linksterrorismus der Siebziger- und Achtzigerjahre die Grenzen zur Leitideologie der Vätergeneration – dem Antisemitismus.« In letzter Konsequenz machte ausgerechnet die RAF Frieden mit der Väter- und Großvätergeneration. In ihrer Mischung aus Antisemitismus und »Judenknacks« ersetzte sie »Jude« durch »Zionist«, wobei sie die antisemitischen Inhalte übernehmen konnte.

Die gemeinschaftlichen Institutionen der europäischen Staaten wie zuletzt die Europäischen Union hatten zunehmend ein Problem mit Israel.

Nach dem Entstehen der Nationalstaaten im Europa im 19. Jahrhundert mutierten im 20. Jahrhundert die Nationalbewegungen in Deutschland und Italien zum Faschismus und in den slawischen Staaten und dem Baltikum in zumindest autoritäre Bewegungen. Zwei Weltkriege und der Holocaust folgten. Ein geeintes Europa als Gegenmodell sollte den Nationalismus überwinden.

Der politische Zionismus nahm zwar jüdisches, traditionelles, zweitausendjähriges Gedankengut auf, war aber in erster Linie – wie beim von einer feindlichen Umwelt zurückgewiesenen, profanen jüdischen Assimilaten Herzl ersichtlich – quasi die letzte Nationalbewegung Europas, nachdem die Juden aus den nationalen Gesellschaften zunehmend ausgeschlossen worden waren. Der Zionismus kam somit sehr spät.

Geistesgeschichtlich wird den Juden und ihrem Staat heute ein Platz in Europa zugewiesen. Die Notwendigkeit eines jüdischen Staates nach der Shoa wird zwar etwa in Deutschland wie ein Mantra hergebetet, in der Praxis jedoch ignoriert. Waffenlieferungen an Israel stehen finanzielle Unterstützung für Organisation mit Verbindungen zu palästinensischen Terrororganisationen gegenüber.

Nationales Gedankengut und Sicherheitsstreben werden aus einem postkolonialen schlechten Gewissen heraus lediglich akzeptiert, wenn es sich bei denen, die sie verfechten, um Staaten der Dritten Welt handelt, zu denen  – obwohl sie kein Staat sind  – auch die Palästinenser gezählt werden.

Da die Juden eben Teil der europäischen Geschichte sind, werden an ihren Staat »europäische« Maßstäbe angelegt, die man an andere Staaten in der Region nicht anlegt: eine doppelte Moral wird angewendet.

Wenn man den jüdischen Staat nicht überhaupt als überholt betrachtet und ihm das Recht auf Selbstverteidigung abspricht, wird die Ausübung dieses Rechts mindestens als »unverhältnismäßig« angeprangert. Die Forderung, Staaten hätten in einem intersektionalen »global village« kein Recht auf partikulare Interessen, kommt nur beim jüdischen Staat zum Tragen.

Endlich sind in einer Täter-Opfer-Umkehr die Juden die »Bösen«. Mit dieser sekundärantisemitischen Umkehr wird die europäische Psyche entlastet – die Judenvernichtung war ja vielleicht schlimm, aber heute seien die Opfer von einst selber »Täter« …

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