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Shitstorm gegen Tulsi Gabbard: Darf man Osama bin Laden einen Islamisten nennen?

Tulsi Gabbard (li.) mit Joe Biden, Amy Klobuchar, Elizabeth Warren und Bernie Sanders beim Martin-Luther-King-Marsch
Tulsi Gabbard (li.) mit J. Biden, A. Klobuchar, E. Warren und B. Sanders beim Martin-Luther-King-Marsch (© Imago Images / ZUMA Wire)

Die Welle der Kritik gegen die ehemalige demokratische Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard zeigt, dass es in den USA eine offenbar wachsende Strömung gibt, die nicht über die Ideologie der Täter von 9/11 reden will.

Darf man die Ideologie von Osama bin-Laden und Al-Qaeda als „islamistisch“ bezeichnen? Just dafür ist in den USA Tulsi Gabbard, eine ehemalige Kongressabgeordnete und Bewerberin um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten 2020, in den sozialen Medien ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

„Lasst uns niemals vergessen, dass es die islamistische Ideologie war, die die Terroranschläge und die Kriegserklärung gegen Amerika am Elften September inspirierte“,

twitterte die gebürtige Samoanerin Gabbard, die bis Jahresanfang Abgeordnete der Demokratischen Partei für den Bundesstaat Hawaii im US-Repräsentantenhaus war, aus Anlass des 20. Jahrestags der Terroranschläge vom 11. September 2001. Weiter schrieb sie:

„Und es ist die islamistische Ideologie, die weiterhin Terroranschläge überall auf der Welt motiviert und die die Basis ist, auf der sogenannte ‚islamische‘ Länder wie Pakistan, die Türkei, der Iran und Saudi-Arabien diskriminierende Politik gegen Christen, Hindus, Buddhisten, Atheisten usw. betreiben.“

Halten wir fest: Gabbard hat in ihrer Botschaft weder den Islam noch die Muslime für die Terroranschläge vom Elften September verantwortlich gemacht, sondern die „islamistische Ideologie“. In einem zweiten Schritt stellte sie Regimes an den Pranger, die bekannt dafür sind, dass sie religiöse Minderheiten verfolgen (darunter mit Pakistan, der Türkei und Saudi-Arabien drei traditionelle „Verbündete“ der USA) und die laut Gabbard einer islamistischen Ideologie anhängen.

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Weder im einen noch im anderen Fall hat sie den Islam oder dessen Anhänger angegriffen. Es ist die „Ideologie“, die sie für die Repression in den genannten Ländern verantwortlich macht. Was also an ihren Aussagen könnte kontrovers sein – unter denen, die nicht mit den genannten Regimes sympathisieren?

Absurde Vorwürfe

Eine Twitter-Nutzerin namens „Nebula“, die für ihren Tweet fast tausend „Likes“ bekam, schrieb:

„Es ist nicht fair, eine ganze Religion wegen einer Handvoll Extremisten zu kritisieren. Es gibt viele christliche Extremisten in den USA, aber deshalb sollten wir nicht mit Verachtung auf die gesamte Religion blicken.“

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Das hatte Gabbard freilich nicht getan. Eine andere Nutzerin namens „Wyntergirl“ zitierte einen Tweet Gabbards von 2019, in dem diese dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump vorgeworfen hatte, „religiösen Hass“ auf „alle Muslime“ zu schüren. Dazu fügte „Wyntergirl“ den Kommentar:

„Wow. Was hat sie so verändert?“

Zehntausend Twitter-Nutzer fanden das gut – und meinen damit also offenbar, dass Gabbard  „religiösen Hass“ „auf alle Muslime“ schüre. Warum es Hass auf Muslime schüren soll, von der „islamistischen Ideologie“ und den Taten ihrer Anhänger zu sprechen, sagte „Wyntergirl“ nicht.

Offenbar ist es doch vielmehr so, dass sie und Gleichgesinnte es sind, die den Unterschied verwischen zwischen „allen Muslimen“ und denjenigen von ihnen, die Terroranschläge verüben und Andersgläubige verfolgen. Die linke Journalistin, Komikerin und Politaktivistin Francesca Fiorentini bekam auf Twitter 5.000 „Likes“ für einen tumben ad-personam-Angriff, der lautete:

„Lol erinnerst du dich, als Leute dachten, du wärest progressiv?“

Die linke Journalistin und Buchautorin Victoria Brownworth twitterte:

„Wirst du niemals müde, Hass zu speien? Wir sind so glücklich, dass du endlich aus allen Machtpositionen raus bist.“

Eine Nutzerin namens AngryBlackLady, die auf ihrem Twitter-Profil angibt, Politikredakteurin der linken Nachrichtenseite Rewire News Group zu sein, twitterte:

„Natürlich ist Tulsi Gabbard eine islamophobe Rassistin.“

Ein Nutzer namens David Weissman, der sich auf Twitter als „Veteran, amerikanischer Jude, ehemaliger Republikaner, ehemaliger Trump-Unterstützer, liberaler Demokrat“ und Kolumnist des Podcast-Blogs Demcast vorstellt, schreibt Gabbard:

„Was ist in Dich gefahren? Dies ist nicht islamische [sic!] Ideologie, es ist Extremismus, und Du schuldest der muslimischen Gemeinschaft eine Entschuldigung für Deinen Hass.“

Gabbard hatte im Unterschied zu jenem Mann nicht „islamisch“, sondern „islamistisch“ geschrieben. Weitere Twitter-Kommentare lauten etwa: „Ignorante Rassistin“; „Meine Ideologie inspiriert mich, diesen hasserfüllten Kommentar zu melden“; „Tulsi will eine Show auf Fox“; „Wir sollten diese Tweets als Hassrede melden, denn das sind sie definitiv“.

Der Anti-Israel Aktivist James Zogby twitterte:

„Schande, @TulsiGabbard. Das ist kruder antimuslimischer Hass. […] Machst du den Judaismus für die Verfolgung von Palästinensern verantwortlich? Ist das Christentum schuld an Sklaverei & Rassismus? Sind Hinduismus oder Buddhismus an der Verfolgung & Gewalt gegen Muslime schuld?“

Der Fall zeigt, dass es in den USA eine offenbar wachsende Strömung gibt, die nicht über die Ideologie der Täter des Elften September reden will.

Obama sagte dasselbe

Was Tulsi Gabbard getwittert hat und wofür sie nun u.a. als „Rassistin“ gescholten wird, hatte vor ihr auch der damalige US-Präsident Barack Obama bei verschiedenen Anlässen geäußert. Nach dem islamistischen Terroranschlag von San Bernardino am 2. Dezember 2015, bei dem 14 Menschen getötet und 21 verletzt wurden, sagte Obama in einer Ansprache im Weißen Haus über die Täter, diese seien

„Verbrecher und Mörder, Teil eines Todeskults, und sie machen einen winzigen Bruchteil von mehr als einer Milliarde Muslime auf der ganzen Welt aus – darunter Millionen patriotischer muslimischer Amerikaner, die ihre hasserfüllte Ideologie ablehnen.“

Man könne, so Obama, nicht „die Tatsache leugnen, dass sich in einigen muslimischen Gemeinschaften eine extremistische Ideologie verbreitet hat“. Dies sei „ein echtes Problem, dem sich Muslime ohne Entschuldigung stellen“ müssten.

„Muslimische Führer hier und auf der ganzen Welt müssen weiterhin mit uns zusammenarbeiten, um die hasserfüllte Ideologie, die Gruppen wie der IS und Al-Qaida fördern, entschieden und eindeutig abzulehnen; sich nicht nur gegen Gewalttaten auszusprechen, sondern auch gegen solche Auslegungen des Islam, die mit den Werten religiöser Toleranz, gegenseitiger Achtung und Menschenwürde unvereinbar sind“.

Damals wurde Obama nicht vorgeworfen, ein „ignoranter Rassist“ zu sein, der „antimuslimischen Hass“ verbreite. Diejenigen, die nun Gabbard für ihre Tweets angreifen, verteidigen nicht etwa die Gemeinschaft der Muslime (denen Gabbard nichts getan hat), sondern das, wogegen Gabbard sich wendet: Al-Qaida, die Regimes in Pakistan, der Türkei, dem Iran und Saudi-Arabien sowie die islamistische Ideologie, die diese Akteure teilen.

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