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Türkische Gerichte erklären die Handtasche von Emine Erdogan zum Tabuthema

Nach G20-Gipfel in Osaka: Emine und Recep Erdogan im Kaiserpalast in Tokyo
Nach G20-Gipfel in Osaka: Emine und Recep Erdogan im Kaiserpalast in Tokyo (© Imago Images / Kyodo News)

Ein türkischer Journalist steht derzeit vor Gericht, weil er in einem Artikel die Prunksucht von Recep Tayyip Erdogans Ehefrau zum Thema macht.

Susanne Güsten, Augsburger Allgemeine

Dass Emine Erdogan, die Frau des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, eine Vorliebe für teure Handtaschen und andere Luxus-Accessoires hat, ist bekannt. Reden sollen die Türken aber nicht darüber – sonst landen sie vor Gericht.

Der Journalist Ender Imrek bekommt das derzeit zu spüren. Er musste sich diese Woche in Istanbul vor Gericht verantworten, weil er in der linken Tageszeitung Evrenseleine teure Handtasche der First Lady thematisiert hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft Imrek vor, die Präsidentengattin beleidigt zu haben, weil seine Kolumne nichts Positives über sie enthalten habe. Diese Straftat, die es in den türkischen Gesetzen nicht gebe, habe sich der Staatsanwalt selber ausgedacht, sagte Imrek vor Gericht.

Imrek war nicht der einzige Türke, der sich über die Tasche ärgerte, die Emine Erdogan während des G20-Gipfels in Japan im vergangenen Jahr bei sich trug. Laut Medienberichten kostet die Tasche der Edelmarke Hermes rund 45.000 Euro: Sie ist demnach aus Krokodil-Leder gearbeitet und mit einem goldenen Verschluss ausgestattet.

In einem Land, in dem Familienväter Selbstmord begingen, weil sie ihren Kindern keinen Schulranzen kaufen könnten und in dem manche Leute im Müll nach etwas zu essen suchen müssten, sei die Tasche natürlich ein Thema für die Presse, verteidigte sich Imrek laut Evrensel jetzt vor Gericht. Der türkische Mindestlohn, mit dem viele Beschäftigte auskommen müssen, liegt bei etwa 400 Euro im Monat. Der Prozess gegen Imrek geht im Herbst weiter. (…)

Nun wollen es die Behörden den mutmaßlichen Kritikern des Präsidentenpaares schwerer machen, über solche Dinge öffentlich zu reden. Vor wenigen Tagen ließ ein Gericht auf der beliebten Website Eksi Sözlük den Zugang zu allen Kommentaren unter der Überschrift „Emine Erdogans Handtasche“ sperren. Viel erreichte das Gericht damit nicht. Inzwischen wird bei Eksi Sözlük unter der – noch nicht gesperrten – Überschrift „Verbot, über Emine Erdogans Handtasche zu reden“ über das Thema diskutiert.

Türken dürfen nicht mehr über die Handtasche von Erdogans Frau diskutieren

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