Türkei: Zahl der schwangeren Minderjährigen steigt an

„[Die Sozialarbeiterin Icla] Nergiz hat einen der größten Sozialskandale in der Türkei öffentlich gemacht. Im vergangenen Jahr hätten allein in der Geburtsstation dieses Krankenhauses hunderte minderjährige Mädchen entbunden: ‚In nur fünf Monaten kamen rund 300 Minderjährige in unsere Geburtsstation. 115 von ihnen wurden den Behörden nicht gemeldet, obwohl das Gesetz dies vorschreibt.[‘] (…) Schwangerschaften von Minderjährigen müssen in der Türkei eigentlich von Staats wegen untersucht werden. In diesem Fall nahm die Istanbuler Staatsanwaltschaft aber erst Ermittlungen auf, nachdem Nergiz eine Liste mit 115 minderjährigen Wöchnerinnen der Presse übergeben hatte – die jüngste war gerade einmal 14 Jahre alt. Nun soll untersucht werden, ob die Mädchen missbraucht oder illegal verheiratet worden sind. Schwangerschaften von Minderjährigen müssen in der Türkei eigentlich von Staats wegen untersucht werden. In diesem Fall nahm die Istanbuler Staatsanwaltschaft aber erst Ermittlungen auf, nachdem Nergiz eine Liste mit 115 minderjährigen Wöchnerinnen der Presse übergeben hatte – die jüngste war gerade einmal 14 Jahre alt. Nun soll untersucht werden, ob die Mädchen missbraucht oder illegal verheiratet worden sind.

Wieder und wieder machen Missbrauchsfälle in der Türkei Schlagzeilen. Tatorte sind häufig Schulen und religiöse Internate. Die größte Oppositionspartei CHP spricht gar von einer 700prozentigen Zunahme von Kindesmissbrauch in den vergangenen zehn Jahren. Die Regierung bestreitet das und spricht, im Gegenteil, von einem Rückgang der Missbrauchsanzeigen. Dennoch steht sie in der Öffentlichkeit unter Druck und hat verschärfte Strafen gegen Pädophile und Vergewaltiger angekündigt. Staatspräsident Erdogan drohte sogar mit Zwangskastration. ‚Unsere Kinder wurde in letzter Zeit Opfer niedrigster Übergriffe. Das darf nicht ungesühnt bleiben. So etwas zerstört die Grundlagen dieser Gesellschaft und muss mit den härtesten Strafen beantwortet werden, die möglich sind.‘ Doch als Anfang des Jahres die Staatliche Religionsbehörde DIYANET in einem Interneteintrag schrieb, aus theologischer Sicht könnten auch neunjährige Mädchen schon verheiratet werden, kamen vielen Türken Zweifel am Willen der Regierung gegen Kindesmissbrauch und Kinderehen vorzugehen. Der umstrittene Artikel wurde nach Protesten wieder gelöscht.“ (Gunnar Köhne: „Türkisch, Teenager und schwanger“)

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