Türkei wird zum Aufmarschgebiet von IS-Kämpfern aus Syrien

„Der Islamische Staat hat sein Territorium in Syrien und im Irak verloren. Zudem bemüht man sich in der Provinz Idlib, die radikalen Elemente von den moderaten sunnitischen Oppositionsgruppen zu trennen. So verlagern sich die gewaltbereiten salafistisch-dschihadistischen Netzwerke in die Türkei. Der offiziellen Webseite des türkischen Generalstabs zufolge, wurden im Dezember 8474 Menschen bei dem Versuch, die Grenze von Syrien in die Türkei illegal zu überschreiten, festgenommen. Im gleichen Zeitraum ertappten die Sicherheitskräfte lediglich 71 Menschen beim versuchten illegalen Grenzübertritt in die entgegengesetzte Richtung.

Dies legt nahe, dass die Türkei in diesem Jahr entweder eine Durchgangsstation oder ein dauerhaftes Ziel gewaltbereiter salafistisch-dschihadistischer Netzwerke sein wird, und dies, obwohl die türkischen Sicherheitskräfte im letzten Jahr robust gegen sie vorgegangen sind. Eine Quelle im Sicherheitsapparat, die darauf beharrte, anonym zu bleiben, berichtete Al-Monitor, die Zahl der beim illegalen Grenzübertritt in die Türkei festgenommenen Ausländer habe 2017 gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent zugenommen. Im Rahmen der Terrorabwehr seien 2017 35 Prozent mehr Ausländer in der Türkei festgenommen worden als im Vorjahr.

Seit dem Anschlag in Nigde im März 2014 – der ersten bewaffneten Konfrontation zwischen der Türkei und dem Islamischen Staat – hat die Türkei besonders schwer unter mit dem Islamischen Staat affiliierten Netzwerken zu leiden gehabt. Bis Juli 2017 kam es zu vierzehn größeren Anschlägen, bei denen 155 Menschen getötet und 763 verletzt wurden. (…) Einem Sicherheitsbeamten zufolge hat die Türkei seit 2015 mehr als 38 269 Menschen die Einreise verweigert, mehr als 5000 mutmaßliche ausländische Angehörige des Islamischen Staats festgesetzt und mehr als 3290 ausländische Kämpfer aus 95 Ländern abgeschoben. Innenminister Suleyman Soylu erklärte im Oktober, es habe in der Türkei im Laufe des vorangegangenen Jahres 2431 Operationen gegen den Islamischen gegeben. Es seien 3200 Menschen inhaftiert und 22 Anschläge des Islamischen Staats vereitelt worden. (…)

Womit ist in diesem Jahr zu rechnen? Den gewaltbereiten salafistisch-dschihadistischen Netzwerken in der Türkei dürften die Mittel aus dem Irak und aus Syrien zunehmends ausgehen. Sie werden sich daher mehr und mehr durch Raubüberfälle auf Wechselstuben und Schmuckläden, Lösegeldentführungen, Schutzgeld- und räuberische Erpressung selbst finanzieren müssen. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass sie als Söldner Anschläge gegen Geld ausführen werden. Die Anstrengungen, die Ankara letztes Jahr unternahm, um die salafistisch-dischadistischen Netzwerke zu bekämpfen, sind lobenswert, doch kommen sie arg spät, bedenkt man, wie weit und in welchem Umfang salafistisch-dschihadistische Gruppen die türkische Gesellschaft bereits infiltriert haben.“ (Metin Gurcan: „Turkey is becoming new hub for Salafi-jihadi exodus from Syria“)

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