Türkei sieht ihre Ziele in Syrien in Gefahr

„Am 26. Juli trafen der russische Präsident Wladimir Putin und seine türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan sich am Rande des BRICS-Gipfeltreffens im südafrikanischen Johannesburg. Wie erwartet standen Syrien und die beiderseitigen Beziehungen dabei im Mittelpunkt. Die türkische Führung hatte zuvor ihre ernste Sorge um die Lage in Idlib und Syrisch-Kurdistan zum Ausdruck gebracht. Im Vorfeld des Treffens hatten die beiden Präsidenten diese Fragen bereits mehrmals am Telefon ausführlich miteinander besprochen. Der Türkei geht es vor allem um die niedrigschwelligen Gespräche zwischen der Kurdischen Demokratischen Einheitspartei (PYD) und Damaskus, die dazu führen könnten, dass die PYD ihre Kontrolle über den Norden Syriens wahrt. Angesichts eines möglichen amerikanischen Abzugs aus Syrien scheinen die Kurden geneigt, ihren künftigen Status mit dem syrischen Regime auszuhandeln. (…)

Angeblich diskutiert die PYD mit Damaskus auch die Möglichkeit der Eröffnung von Zweigstellen in anderen syrischen Regionen und der Integration ihrer Kämpfer in die Regierungsstreitkräfte. Noch besorgniserregender aus Ankaras Sicht ist die Tatsache, dass die PYD offenbar gewillt ist, sich an einer möglichen Offensive des Regimes gegen die Aufständischen in Idlib zu beteiligen. Im Gegenzug erwarten die Kurden von Damaskus, dass es ihnen erneut die Kontrolle über Afrin und Manbij, also jene beiden Gebiete, die die türkischen Streitkräfte den Kurden abgenommen haben, überträgt. Vertreter der PYD sind weiterhin in der Gegend präsent. Die Tel Rifaat-Region, in der sich noch Einheiten der PYD aufhalten, steht unter dem Schutz des Regimes und der mit ihm verbündeten russischen Streitkräfte. Die Türkei fürchtet, sie könne als Aufmarschgebiet für eine gemeinsame Offensive der Kurden und der syrischen Streitkräfte gegen Gruppen dienen, die von der Türkei gefördert werden. Die Türkei hat allen Grund, sich um die Situation in Idlib zu sorgen. Idlib ist eine weitere Deeskalationszone, deren Bestand die Türkei gemeinsam mit Russland und dem Iran garantiert. Die Türkei hat dort zwölf Beobachtungsposten eingerichtet. (…)

Militärisch befindet das syrische Regime sich gegenwärtig im Aufwind. Damaskus weiß, das ein vollständiger Sieg eine letzte Offensive gegen Idlib erfordert. Die Führung der Baath-Partei geht davon aus, dass die jüngsten Siege in Ostghouta, Ostqalamoun, Homs und weiten Teilen Daraas und Quneitras die Aufständischen in Idlib massiv demoralisiert hat. (…) Angesichts der Geschwindigkeit, mit der die aufständischen Kämpfer im Süden Syriens abgefertigt werden konnten, dürften Russland und Syrien die Gunst der Stunde nutzen wollen. Vermutlich wollen sie ohne operative Verzögerung losschlagen, sowie die meisten einsatzbereiten Einheiten und insbesondere die Tiger-Spezialeinheiten und die Vierte Panzerdivision an der Front eintreffen. (…) Es ist klar, dass es Moskau und Ankara außerordentlich schwerfallen wird, mit Blick auf Iblib einen Konsens zu erreichen.“ (Kirill Semenov: „Russia-Turkey ties face ‚moment of truth‘ over Syria’s Idlib“)

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