Die Türkei verstärkt ihre militärische Präsenz in Somalia, um ihren Einfluss und ihre geopolitische Machtposition am Horn von Afrika neu zu gestalten.
Ende Januar teilten türkische Beamte der Agence France-Presse mit, Ankara habe mehrere F-16-Flugzeuge nach Somalia entsandt, um von der dort stationierten türkischen Einheit eingesetzt zu werden. Zugleich zitierte die Website Middle East Eye somalische Beamte, die Türkei habe bereits seit mehreren Monaten eine spezielle Einrichtung für die Unterbringung von Flugzeugen vorbereitet. So zeigten Satellitenbilder die Errichtung neuer Hangars am Flughafen, die im vergangenen September begonnen hatte. Darüber hinaus deuten die jüngsten türkischen Frachtflüge auf den laufenden Transport von Ersatzteilen und Munition hin.
Die Türkei hat sich bislang nicht offiziell zu diesen Berichten geäußert oder Vereinbarungen über den Einsatz von Kampfflugzeugen bekannt gegeben. TurkPress zitierte jedoch Quellen, nach denen Ankara bereits eine Luftwaffenpräsenz in Somalia unterhält, um Mogadischus Bemühungen zur Terrorismusbekämpfung durch militärische Hilfe, Ausbildung und Beratungsaktivitäten zu unterstützen.
Im Gegensatz zum offiziellen Schweigen in Ankara sagte der somalische Minister für Justiz und Verfassungsfragen, Hassan Moalim Mohamud, dass die Türkei die territoriale Integrität seines Landes unterstütze und lobte das Engagement für die in der Vergangenheit mit Somalia unterzeichneten Abkommen. Mohamud wies dabei explizit darauf hin, Ankara hätte »modernste Ausrüstung und Kampfflugzeuge zur Bekämpfung des Terrorismus« geschickt.
Die Türkei ist ein wichtiger Verbündeter Somalias und leistet Mogadischu in Krisenzeiten, insbesondere im Konflikt mit der mit Al-Qaida verbundenen Terrorgruppe Al-Shabaab, erhebliche militärische und wirtschaftliche Unterstützung. Berichten zufolge umfassen die von der Türkei eingesetzten Luftfahrzeuge auch bewaffnete Drohnen wie die TB2 Bayraktar und Akinci sowie drei T129 ATAK-Kampfhubschrauber. Darüber hinaus lieferte die Türkei im Rahmen eines im Februar 2024 von beiden Regierungen unterzeichneten Verteidigungsabkommens zwei Mehrzweckhubschrauber an die somalische Marine. Der Vertrag sieht weiters vor, dass Ankara beim Aufbau einer Seestreitkraft für Mogadischu behilflich sein werde.
Strategische Interessen
Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Türkiye Today’s deutet der Einsatz von Kampfflugzeugen und Drohnen durch Ankara in Somalia auf eine qualitative Veränderung des militärischen Engagements der Türkei hin, was den Wunsch widerspiegelt, langfristigen Einfluss in einer der geopolitisch sensibelsten Regionen der Welt zu etablieren. »Der türkische Militäreinsatz kann als indirekte politische Botschaft interpretiert werden, die Ankaras eindeutige Unterstützung für den somalischen Zentralstaat und seine Ablehnung jeglicher Maßnahmen bekräftigt, die zu einer Verfestigung der Spaltung, einer gewaltsamen Neufestlegung von Grenzen oder einseitigen Anerkennungen führen.«
Erklärungen wie diese richten sich auch gegen Israel, das Ende 2025 die Region Somaliland, die 1991 einseitig ihre Unabhängigkeit von Mogadischu erklärt hatte, als unabhängigen Staat anerkannte. Ankara betrachtet diese Anerkennung als »direkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten Somalias und als Verstoß gegen den Grundsatz der Einheit und Souveränität des Staates«.
Der somalische Forscher Abdulwali Sayed erklärte, die türkische Militärpräsenz in Somalia habe »angesichts der aktuellen Entwicklungen zunehmend an Dynamik gewonnen, insbesondere angesichts des bevorstehenden Endes der Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM) im Dezember 2026 und der Notwendigkeit, die somalische Bundesregierung in einer sensiblen Übergangsphase zu unterstützen«.
Die strategischen Interessen der Türkei in Somalia hätten sich damit erheblich ausgeweitet, meinte Sayed. So habe Ankara kürzlich Hunderte Millionen Dollar in die Exploration von Kohlenwasserstoffen vor der somalischen Küste investiert, wobei in den kommenden Jahren weitere Investitionen in Milliardenhöhe erwartet werden. »Die Sicherung dieser langfristigen wirtschaftlichen und strategischen Vermögenswerte erfordert eine anhaltende türkische Militärpräsenz, was für die kommende Zeit eine zunehmende Überschneidung von wirtschaftlichen und geopolitischen Dimensionen der türkischen Militärpräsenz in Somalia widerspiegelt«, so der Experte zusammenfassend.






