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Türkei und kurdisch geführte Syrische Demokratische Kräfte führen direkte Gespräche

Kämpfer der kurdisch geführten SDF in Syrien
Kämpfer der kurdisch geführten SDF in Syrien (© Imago Images / Agencia EFE)

Die Gespräche befassen sich mit IS-Häftlingen, der Integration der SDF in das syrische Militär und der kurdischen Selbstverwaltung.

Die Türkei und die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben letzte Woche unter Vermittlung der USA direkte Gespräche über die Zukunft Syriens geführt, wie mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichteten. Dabei diskutierten die Parteien den Rückzug der USA aus Syrien sowie die Übergabe von Gefängnissen und Lagern, in denen Kämpfer des Islamischen Staates (IS) und ihre Familien festgehalten werden. Bei dem Treffen, an dem mittelrangige Vertreter beider Seiten teilnahmen, ging es auch um die Frage, wie die SDF in eine neue syrische Armee unter dem Kommando von Damaskus integriert werden können.

Obwohl Insider in Ankara davon ausgehen, dass es bereits seit vergangenem Jahr Kontakte zwischen der Türkei und den SDF gibt, war dies das erste offizielle Treffen zwischen den Parteien. Die SDF, seit 2014 Verbündete der USA im Kampf gegen den IS, wird von Gruppen angeführt, die mit der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) verbunden sind, die von der Türkei, den USA und der EU als terroristische Organisation eingestuft wird.

Ankara und die Kurdische Arbeiterpartei hatten seit letztem Jahr an einem Friedensabkommen gearbeitet und die PKK kündigte auf Aufruf ihres inhaftierten Führers Abdullah Öcalan im Februar an, ihren bewaffneten Kampf zu beenden und sich aufzulösen. Im Rahmen dieser Initiative unterzeichnete SDF-Führer Mazloum Abdi im März ein als wegweisend eingeschätztes Abkommen mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa, in dem er sich zur Teilnahme an der Zentralregierung verpflichtete. Seitdem haben die SDF und andere kurdische politische Gruppierungen jedoch eine Föderation statt eines Einheitsstaates in Syrien gefordert, was sowohl für Damaskus als auch für Ankara eine rote Linie darstellt.

Direkte Beziehungen

In den letzten Monaten kam es zu kleineren Gefechten zwischen den SDF und syrischen Regierungstruppen in der Nähe des Tishreen-Staudamms, doch jüngsten Berichten zufolge wurden Fortschritte erzielt beim Austausch von Kriegsgefangenen und bei der Genehmigung einer Inspektion von IS-Lagern durch eine Delegation aus Damaskus im vergangenen Monat. Die Quellen erklärten, das jetzige Treffen sei auch deswegen von Bedeutung, da es auf eine Koordinierung zwischen Parteien hindeute, die noch vor weniger als einem Jahr extrem gegensätzliche Ziele verfolgt hätten.

Abdi bestätigte in einer Erklärung gegenüber dem regionalen Fernsehsender Shams TV, seine Gruppe stünde in Kontakt mit der Türkei, ohne jedoch anzugeben, wie lange die Kommunikationskanäle bereits offen seien. »Wir haben direkte Beziehungen und direkte Kommunikationskanäle zur Türkei sowie solche über Vermittler und wir hoffen, dass diese Beziehungen ausgebaut werden.«

Ein Vertreter des US-Außenministeriums erklärte, dass man sich zu inoffiziellen diplomatischen Gesprächen nicht äußere.  »Wir verfolgen die Umsetzung des Abkommens vom 10. März mit den SDF und die Ausarbeitung der Einzelheiten des Abkommens. Die Schritte zur friedlichen Integration der Regierungstruppen und der SDF sind ermutigende Zeichen für Fortschritte.«

Letzte Woche berichtete Al Monitor, dass die Türkei ein Treffen zwischen Abdi und einem hochrangigen türkischen Beamten, möglicherweise dem Außenminister oder dem Geheimdienstchef, vorgeschlagen habe. Quellen aus dem türkischen Außenministerium dementierten den Bericht jedoch umgehend.

US-Druck

Zugleich haben die USA die SDF aufgefordert, ihre Differenzen mit Damaskus beizulegen. Der US-Sonderbeauftragte für die Türkei und Syrien Thomas Barrack sagte dem türkischen Fernsehsender NTV, dass die SDF bislang unter dem Schutz des US-Zentralkommandos stehe. Er könne jedoch »sagen, dass die Zusammenarbeit von unserer Seite irgendwann enden wird, wenn es keine wesentlichen Veränderungen gibt. Daher besteht großer Druck auf alle, eine Einigung zu erzielen.«

Barrack erklärte auch, dass die USA ihre Militärstützpunkte in Syrien schließen und deren Zahl von acht auf fünf reduzieren würden, mit dem Ziel, letztendlich nur einen Stützpunkt zu behalten. Insider in Ankara meinten, dass die türkische Regierung zwar eine informelle autonome Zone tolerieren könnte, in der die SDF eine lokale Sicherheitskraft in mehrheitlich kurdischen Gebieten unterhalten und mit kommunalen Befugnissen die lokale Verwaltung übernehmen könnte, jeder Schritt in Richtung einer formellen Autonomie jedoch eine rote Linie bleibe.

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