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Iran entführt erneut Dissidenten aus dem Exil

Erneut entführt der Iran einen Dissidenten auf türkischem Boden
Erneut entführt der Iran einen Dissidenten auf türkischem Boden (© Imago Images / Xinhua)

Ähnlich wie der vor Kurzem hingerichtete Ruhollah Zam wurde der im Exil lebende Oppositionelle Habib Chaab von Agenten entführt und in den Iran verschleppt.

Kareem Fahim / Erin Cunningham, Washington Post

Als der im Exil lebende iranische Oppositionelle Habib Chaab im Oktober von Schweden in die Türkei reiste, sagte er seinen Freunden nichts davon, wie Fouad al-Kabi erklärt: „Keiner von uns hätte akzeptiert, dass er fährt“. Die Türkei sei als „Hinterhof“ für iranische Geheimdienstagenten bekannt, und Chaab, ein Anführer einer militanten Separatistengruppe, werde von Teheran gesucht. Kurz nachdem er in Istanbul angekommen war, verschwand er denn auch.

Zwei Tage später meldeten die iranischen Staatsmedien, er sei verhaftet worden und habe seine Beteiligung an einem tödlichen Anschlag auf eine Militärparade vor zwei Jahren im Iran gestanden. Das Regime gab jedoch keine Details bekannt, wie er in Gewahrsam genommen worden war. (…) In den letzten Tagen verhaftete nun die Türkei mehrere Personen im Zusammenhang mit Chaabs Entführung, so ein Beamter des türkischen Geheimdienstes, der unter der Bedingung der Anonymität sprach. (…)

Die mutmaßliche Entführung hat auffällige Ähnlichkeiten mit einer anderen kürzlichen Operation, die vom Iran durchgeführt wurde: die Entführung von Ruhollah Zam, einem iranischen Dissidenten und Journalisten, der im Exil in Frankreich lebte und verschwand, nachdem er letztes Jahr in den Irak gelockt worden war. Zam, der einen beliebten Social-Media-Kanal betrieb, wurde am Samstag im Iran hingerichtet, nachdem er wegen Anstiftung zur Gewalt während der Anti-Regierungsproteste im Jahr 2017 verurteilt worden war. Amnesty International verurteilte die Hinrichtung als „einen tödlichen Schlag gegen die Meinungsfreiheit im Iran.“

Chaabs Verschwinden war die dritte hochkarätige Operation in der Türkei in ebenso vielen Jahren, die der iranischen Regierung angelastet wird. Dieser jüngste Vorfall droht, die Beziehung zwischen den beiden Ländern zu belasten – regionale Rivalen, die aber auch in den Bereichen Handel, Energie und anderen Angelegenheiten zusammenarbeiten.

Chaab leitete den schwedischen Zweig der Arabischen Kampfbewegung für die Befreiung von Ahvaz (ASMLA), einer Separatistengruppe, die sich für die Unabhängigkeit der ethnischen arabischen Minderheit im Iran einsetzt, von der die meisten im ölreichen Südwesten des Landes leben und sich langem über Diskriminierung und Vernachlässigung beschweren. Die politischen Führer der Gruppe operieren vom europäischen Exil aus, während ein militärischer Arm Angriffe innerhalb des Irans inszeniert. (…)

Chaab hatte 14 Jahre lang im Exil gelebt, so sein Freund al-Kabi, der ein Sprecher der Ahwazi Democratic Popular Front ist, die mit ASMLA verbunden ist. Kabi sagte, dass Chaabs Geständnisse „erzwungen“ wurden, und dass sich seinerzeit der Islamische Staat zu dem Angriff auf die Militärparade bekannte, dessen der Iran ihn nun beschuldigt.

(Aus dem Artikel Turkey says Iranian intelligence was behind elaborate plot to kidnap opponent in Istanbul“ der in der Washington Post erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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