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Türkei stellt wachsende Herausforderung dar, ist aber nicht der nächste Iran

T-Shirt mit Türkei-Flagge und arabischem Schriftzug auf einem Markt in Hebron im Westjordanland
T-Shirt mit Türkei-Flagge und arabischem Schriftzug auf einem Markt in Hebron im Westjordanland (Quelle: JNS)

Erdoğans Türkei bleibt trotz allem ein pragmatisch agierender Akteur in der Außenpolitik und unterscheidet sich darin grundlegend vom revolutionären Regime der Islamischen Republik Iran.

Or Horvitz

Jüngste Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan unterstreichen, wie dramatisch sich die Türkei in den letzten zwei Jahrzehnten gewandelt hat: von einem strategischen Partner Israels zu einer wachsenden regionalen Herausforderung. »Die zionistische Ideologie basiert auf Völkermord, Besatzung und Expansion«, erklärte der türkische Präsident kürzlich und betonte die Notwendigkeit, »den Zionismus zu bekämpfen«.

Jerusalem sollte solche Rhetorik auf die leichte Schulter nehmen. Der zunehmend antiisraelische Kurs der Türkei hat sich im Zuge des aktuellen regionalen Krieges noch deutlicher abgezeichnet. Dieser Trend spiegelt sich nicht nur in der Haltung der Regierungspartei wider, sondern auch in der türkischen öffentlichen Meinung: In einer aktuellen Pew-Umfrage äußerten 97 Prozent der Befragten eine ablehnende Haltung gegenüber Israel.

Dies stellt eine ernsthafte Herausforderung dar. Die Türkei ist eine bedeutende Macht im Nahen Osten mit einer großen Bevölkerung, einem modernen Militär, einer fortschrittlichen Rüstungsindustrie und weitreichenden regionalen Ambitionen.

Berechenbarer Akteur

Ankaras Feindseligkeit beschränkt sich nicht auf bloße Rhetorik. Seit einiger Zeit ist die Türkei einer der maßgeblichen Förderer der Hamas, was zum Teil auf Erdoğans ideologische Affinität zur Muslimbruderschaft zurückzuführen ist. Ankara hat zudem die Augen vor Hamas-Aktivisten auf ihrem Staatsgebiet verschlossen, die türkisches Territorium als Drehscheibe für Geldwäsche sowie zur Steuerung terroristischer Aktivitäten im Westjordanland genutzt haben. Hinzu kommen die herausragende Rolle der Türkei bei Kampagnen zur Delegitimierung des jüdischen Staates sowie ihr Einfluss in Syrien und im östlichen Mittelmeerraum.

Israel und die Türkei befinden sich derzeit in einer offenen Rivalität um regionalen und globalen Einfluss. Einige in Israel bezeichnen das Land bereits als »den nächsten Iran« und deuten damit an, dass es auf dem Weg ist, eine strategische – und vielleicht sogar eine existenzielle – Bedrohung darzustellen. Dies, so meinen sie, gelte insbesondere vor dem Hintergrund der Schwächung der schiitischen Achse.

Doch die Analogie hinkt. Schlimmer noch: Sie könnte Israels Fähigkeit beeinträchtigen, in den kommenden Jahren eine tragfähige regionale Strategie zu formulieren. Die Türkei bleibt selbst unter Erdoğan ein pragmatischer Akteur in der Außenpolitik und unterscheidet sich grundlegend vom revolutionären, ideologischen und religiösen Regime des Iran. Die Türkei strebt nach Einfluss, Prestige, Handlungsspielraum und wirtschaftlichen Vorteilen. Diese Ambitionen sind nicht unschuldig, sondern spiegeln staatliche Interessen wider, die wiederum zahlreiche Machtzentren innerhalb der Türkei selbst berücksichtigen müssen.

Im Gegensatz zum Iran unterliegt die Türkei auch durch ihre strategischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, ihre NATO-Mitgliedschaft, ihre Verbindungen zur Europäischen Union und ihre Abhängigkeit von westlichen Märkten einem erheblichen westlichen Einfluss. Im Jahr 2025 gingen beispielsweise mehr als vierzig Prozent der türkischen Exporte in die Europäische Union. Erdoğan selbst hat mehrfach einer Neugestaltung der Beziehungen zu Israel zugestimmt, unter anderem aufgrund von Druck aus den USA und Europa.

Im Jahr 2025 bezeichnete er die Türkei zudem als »untrennbaren Teil Europas«. Dies stellt eine wertvolle Erinnerung daran dar, dass sich Ankara nach wie vor als mit dem Westen verbunden und nicht gänzlich außerhalb davon stehend versteht.

Die Türkei und Israel unterhalten zudem direkte diplomatische und sicherheitspolitische Beziehungen, wenn auch auf niedriger Ebene. Beide Länder wissen, wie man Krisen stillschweigend bewältigt und verhindert, dass sie außer Kontrolle geraten, wie etwa die operative Koordinierung zwischen ihren Luftstreitkräften über Syrien gezeigt hat. Es sollte auch beachtet werden, dass das derzeitige Regime in der Türkei zwar autoritär ist, aber dennoch innerhalb eines Systems agiert, das sich aus Wahlpolitik, aktiven Medien und umfangreichen Verbindungen zur Außenwelt zusammensetzt.

Ankara ist nicht Teheran

Die Haltung der Türkei gegenüber Israel ist konfrontativ, stützt sich jedoch hauptsächlich auf Rhetorik, diplomatischen Druck, wirtschaftliche Instrumente und dosierten Einsatz von Gewalt. Sie stützt sich nicht auf eine Doktrin des Stellvertreterkriegs nach iranischem Vorbild. Der Iran hat Jahrzehnte damit verbracht, ein breites Stellvertreternetzwerk aufzubauen, das auf schiitischen Gemeinschaften und Verbündeten basiert und dessen Hauptzweck der Kampf gegen Israel ist.

Die Türkei leistet der Hamas politische Unterstützung und drückt bei bestimmten Aktivitäten der Bewegung auf ihrem Staatsgebiet ein Auge zu. Zugleich ist sie jedoch bestrebt, ihre Beziehungen zum Westen zu wahren und eine direkte Konfrontation mit Israel zu vermeiden, weswegen sie eine offene militärische Unterstützung der Hamas oder anderer terroristischer Organisationen im Allgemeinen vermieden hat.

Vor allem hat die Türkei ein klares Interesse daran, eine direkte militärische Auseinandersetzung zu vermeiden. Sie betrachtet Israel als regionale Militärmacht mit bedeutenden Verbindungen zum Westen, vor allem zu den Vereinigten Staaten. Jerusalem verfügt damit über beträchtlichen Einfluss auf Ankara. Gleichzeitig bieten die Beziehungen zu Israel der Türkei essentielle Vorteile, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch – was nicht weniger bedeutend ist – hinsichtlich ihres Einflusses auf die palästinensische und syrische Arena.

Jerusalem sollte diese wachsende Herausforderung nicht ignorieren, sondern sie so betrachten, wie sie ist – ohne sie zu übertreiben und ohne sie herunterzuspielen. Die Türkei ist ein bedeutendes muslimisches Land mit regionalen Ambitionen und einer zutiefst antiisraelischen Haltung. Aber sie ist nicht der Iran, und sie wird auch nicht zu diesem werden. Eine militärische Konfrontation ist nicht unvermeidlich.

Die richtige israelische Strategie besteht in einem disziplinierten Wettstreit: Aufrechterhaltung der Abschreckung; Bewahrung stiller Sicherheitskanäle; enge Abstimmung mit Washington und den europäischen Hauptstädten; Stärkung regionaler Partnerschaften; und Nutzung der Bereiche, in denen sich israelische und türkische Interessen noch überschneiden, um die Beziehungen unterhalb der Schwelle einer direkten Konfrontation zu halten. Normale Beziehungen könnten weiterhin möglich sein, auch wenn eine Rückkehr zum »goldenen Zeitalter« der späten 1990er Jahre unwahrscheinlich ist.

Ankara ist zwar nicht Abu Dhabi, aber auch nicht Teheran. Der Umgang mit der Türkei erfordert eine Strategie, die die Ernsthaftigkeit der türkischen Herausforderung anerkennt und gleichzeitig die Fehler der Iran-Analogie überwindet.

Or Horvitz ist ein ehemaliger Oberstleutnant des israelischen Verteidigungsnachrichtendienstes (IDI). Er war Leiter der Abteilung für die Hisbollah und den Libanon (2022–2024) und danach (2024–2026) als leitender Berater des Direktors des IDI tätig, wo er maßgeblich an Israels Operationen gegen die Hisbollah und den Iran beteiligt war. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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