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Ausschreitungen gegen syrische Flüchtlinge in der Türkei 

Prozession für die bei Auseinandersetzungen mit türkischen Soldaten getöteten Demonstranten im syrischen Afrin
Prozession für die bei Auseinandersetzungen mit türkischen Soldaten getöteten Demonstranten im syrischen Afrin (© Imago Images / NurPhoto)

Mitglieder der Opposition machen gegen sie Politik und auch die AKP will sie loswerden, die Millionen von syrischen Flüchtlingen in der Türkei. Nun kam es erneut zu Ausschreitungen und Gewalt gegen sie.

Noch immer leben 3,5 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei, doch die Zeit, als sie dort willkommen waren, ist längst vorbei. Wo immer möglich, wendet die Regierung eine repressive Politik an und versucht, sie zurückzuschieben. Im vergangenen Jahr hatte die Opposition die Flüchtlinge sogar zum Wahlkampfthema gemacht und im Fall eines Sieges Massenabschiebungen in Aussicht gestellt.

Derweilen soll Ankara laut Human Rights Watch allein im letzten Jahr fast 60.000 Syrer deportiert haben; zurück in ein Land, in dem über siebzig Prozent aller Menschen inzwischen, so die Zahlen der UNO, von Lebensmittelhilfen abhängig sind und sich die Lage stetig verschlechtert.

Immer wieder kommt es in der Türkei auch zu Übergriffen und Ausschreitungen gegen die Geflohenen, und viele Türken würden sie lieber heute als morgen außer Landes schaffen. Besonders hässliche Szene spielten sich kürzlich in Kayseri ab, als, wie T-Online berichtet, ein »türkischer Mob die Geschäfte von Syrern angriff. Es seien auch Häuser und Fahrzeuge beschädigt worden, schrieb Innenminister Ali Yerliakya auf der Plattform X«.

Die Wut habe sich dabei nicht nur gegen die Geflüchteten selbst gerichtet, sondern auch die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Visier genommen. Videos zeigen durch die Straßen von Kayseri ziehende Menschen, die Slogans wie »Syrer raus» und »Tritt zurück, Erdogan!« skandierten.

»Offenbar hatte ein Fall von sexuellem Missbrauch das Fass auf türkischer Seite zum Überlaufen gebracht«, berichtete T-Online. »So wurde in Kayseri ein syrischer Mann festgenommen, weil er sich an seiner sieben Jahre alten Cousine vergangen haben soll. Daraufhin kam es schon am Sonntag zu Angriffen auf syrische Einrichtungen in der Stadt.« Insgesamt seien 67 Menschen nach den Ausschreitungen festgenommen worden, zitierte das deutsche Nachrichtenportal den türkischen Innenminister Yerlikaya.

Ausschreitungen gegen syrische Flüchtlinge in der Türkei 
Brennendes Geschäft eines Syrer in Reyhanli (Quelle: Al Jazeera Screenshot)

Übergriffe breiten sich aus

Inzwischen haben sich die Proteste auch auf andere Städte ausgedehnt, wobei gezielt Geschäfte von Syrern in Brand gesetzt wurden. Die Bilder aus Kayseri und anderen Orten führten wiederum zu Demonstrationen im von der Türkei kontrollierten Afrin in Nordsyrien, wie T-Online schreibt und von mehreren Toten berichtet:

»Vier Menschen starben. Sie seien bei ›Feuergefechten zwischen Demonstranten und vor türkischen Stellungen postierten Wachen‹ ums Leben gekommen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag. Demnach starben drei Menschen in der Stadt Afrin, ein weiterer in Dscharabulus. Zudem seien zwanzig Menschen verletzt worden.

Laut der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle nahmen Hunderte Menschen in mehreren Städten an den Protesten teil. Vielerorts wurden demnach türkische Flaggen von Gebäuden heruntergerissen. Am Grenzübergang Dscharabulus eröffneten demnach türkische Grenzschützer das Feuer auf Demonstranten, die versuchten, in die Türkei zu gelangen.«

Derweil hat Präsident Erdogan die Gewalt gegen Syrer im Land scharf verurteilt. Bislang nahm die türkische Polizei fast siebzig Tatverdächtige fest.

Der Artikel erschein zuerst auf dem JungleBlog.

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