Der US-Präsident kritisierte die Hamas dafür, dass sie nicht sofort die Leichen fast aller Geiseln übergeben habe und drohte mit einem gewaltsamem Vorgehen gegen die Terrorgruppe.
Mike Wagenheim
US-Präsident Donald Trump erklärte, er nehme die Hamas beim Wort, was ihre Entwaffnungszusage anbelangt, und warf der Terrororganisation zugleich vor, die Zahl der von ihr festgehaltenen toten Geiseln falsch darzustellen. Bei einer Rede im Weißen Haus am Dienstag sagte Trump, die Hamas habe seinen Vertrauten versichert, dass sie einer Entwaffnung zustimmt, wie es in dem von Trump unter Vermittlung wichtiger arabischer Führer ausgearbeiteten Friedensplan zwischen Israel und der Hamas vorgesehen ist.
Israel und die Hamas stimmten beide offiziell dem Trump-Plan zu und setzten damit den am vergangenen Freitag beginnenden Waffenstillstand sowie den anschließenden Austausch von Geiseln gegen palästinensische Terroristen und Sicherheitsgefangene in Gang.
Keine Spielchen
Er habe »mit der Hamas gesprochen und sie gefragt: ›Ihr werdet euch entwaffnen, richtig?‹ – ›‹Ja, Sir. Wir werden uns entwaffnen.‹ Das haben sie mir gesagt«, erklärte Trump gegenüber Reportern und beschrieb es zunächst so, als wäre es ein direktes Gespräch gewesen. »Wir haben ihnen gesagt, dass wir wollen, dass sie sich entwaffnen, und sie werden sich entwaffnen. Und wenn sie nicht entwaffnen, dann werden wir sie entwaffnen, und das wird schnell und vielleicht gewaltsam geschehen, aber sie werden entwaffnen«, sagte Trump.
Später erklärte er, dass ihm die angeblich bestätigte Zusage der Hamas zur Entwaffnung nicht direkt von der Terrororganisation übermittelt worden sei, sondern von »seinen Leuten«, womit er wahrscheinlich die US-Vermittler Steve Witkoff und Jared Kushner meinte. Trump hatte letzte Woche ein Treffen zwischen dem Team von Witkoff, seinem Sonderbeauftragten für Friedensmissionen, und Kushner, seinem Schwiegersohn und Berater, sowie dem Hamas-Unterhändler Khalil al-Hayya im ägyptischen Sharm el-Sheikh genehmigt, um ein Friedensabkommen über die Ziellinie zu bringen.
Während die Hamas zuvor dem Entwurf von Trumps Zwanzig-Punkte-Friedensplan zugestimmt hatte, haben die Gespräche über die zweite Phase von dessen Umsetzung, die auch die Entwaffnung umfasst, noch nicht begonnen. Die Hamas hat erklärt, dass sie Gespräche zu diesem Thema führen möchte.
Trump lehnte es ab, Einzelheiten dazu zu nennen, was an Zwangsmaßnahmen zur Hamas-Entwaffnung geplant sei, wenn diese ihren Verpflichtungen nicht nachkomme. Der US-Präsident erklärte nur, dass dies »innerhalb eines angemessenen Zeitraums« geschehen werde. »Ich muss Ihnen das nicht erklären. Sie wissen, dass ich keine Spielchen spiele.«
.@POTUS on Hamas: "They will disarm. And if they don't disarm, we will disarm them — and it'll happen quickly and, perhaps, violently, but they WILL disarm." pic.twitter.com/69wOMao2oX
— Rapid Response 47 (@RapidResponse47) October 14, 2025
Falsche Angaben
Trump sagte Reportern außerdem, dass die Terrorgroppe alle noch in der Enklave festgehaltenen toten Geiseln freilassen müsse, nachdem sie am Montag nach der Freilassung aller lebenden Geiseln nur vier der 28 noch in Gaza befindlichen Leichen übergeben hatte. Die Hamas habe vor der Unterzeichnung des Abkommens den Vermittlern gegenüber falsche Angaben zur Anzahl der Leichen gemacht, die sie in ihrem Besitz habe und übergeben könne, meinte der US-Präsident. »Uns wurde gesagt, sie hätten 26, 24 tote Geiseln … und es scheint, als hätten sie diese nicht, da wir von einer viel geringeren Zahl sprechen.«
Das Friedensabkommen enthält keine feste Frist für die Rückgabe aller Leichen durch die Hamas, aber sie ist verpflichtet, alle Anstrengungen zu unternehmen, um dies so schnell wie möglich zu tun. Eine gemeinsame Task Force, der die Vereinigten Staaten, Israel, Katar, die Türkei und Ägypten angehören, wurde eingerichtet, um die Leichen jener Geiseln zu finden, deren Verbleib nach Hamas-Angaben unbekannt ist.
»Alle zwanzig Geiseln sein zurück und fühlen sich so gut, wie man es in so einer Situation erwarten kann. Eine große Last ist von uns genommen worden, aber die Arbeit ist noch nicht beendet. Die Toten wurden nicht, wie versprochen, zurückgebracht«, schrieb Trump auf seinem Truth Social-Account, nachdem die ersten vier Leichen nach Israel überführt worden waren.
Nachdem Israel damit gedroht hatte, die Lieferung humanitärer Hilfe in den Gazastreifen zu stoppen, und andere Maßnahmen in Betracht zog, gab die Hamas am Dienstagabend vier weitere Leichen frei, von denen eine aber nicht die einer israelischen Geisel, sondern einer bislang nicht identifizierten Person war.
Obwohl er einerseits ihre Entwaffnung verlangte, bekräftigte Trump andererseits seine Zustimmung zur gewaltsamen Wiederherstellung der Herrschaft der Hamas im Gazastreifen und sagte Reportern, dass die öffentlichen Hinrichtungen von Dutzenden Personen, die von der Terrorgruppe der Kollaboration mit Israels bezichtigt wurden, »mich ehrlich gesagt nicht sonderlich gestört haben.
Die Hamas hätte »ein paar sehr üble Banden ausgeschaltet, sie haben eine Reihe von Bandenmitgliedern getötet«, meinte Trump, wobei er die Situation mit Venezuela verglich, das Banden in die Vereinigten Staaten schickt. Bereits am Sonntag hatte der US-Präsident erklärt, er habe der Hamas »für einen bestimmten Zeitraum die Genehmigung erteilt«, als Polizeikraft im Gazastreifen zu agieren.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






