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Tripolis: Weit über 100 Zivilisten durch Landminen getötet

Landmine in Südtripolis
Landmine in Südtripolis (© Imago Images / photothek)

Mindestens 130 Menschen wurden in Tripolis in den vergangenen zwei Jahren durch Landminen und andere Sprengkörper getötet, die nach den heftigen Kämpfen um Libyens Hauptstadt im Jahr 2020 liegengeblieben waren.

Die Sprengkörper, darunter die geächteten Antipersonen-Landminen und Sprengfallen, wurden während der Kämpfe im Zeitraum 2019/20 in den Vororten von Tripolis gelegt, als die Truppen von General Khalifa Haftar, die den Westen des Landes beherrschten, die Hauptstadt einzunehmen versuchten.

Während Haftar sich im Juni 2020 aus der Hauptstadt zurückzog und die rivalisierenden Lager einen Waffenstillstand unterzeichneten, blieb die explosive Erbschaft der Kämpfe zurück, wie die Libyen-Direktorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), Hanan Saleh, laut Al-Monitor kürzlich erklärte:

»Die mit Khalifa Haftar verbündeten Kräfte legten Landminen und improvisierte Sprengkörper, die mehrere hundert Zivilisten, darunter auch Kinder, verletzt und getötet haben, und die die Bewohner von Süd-Tripolis daran hindern, in ihre Häuser zurückzukehren. Antipersonen-Landminen sind verboten, weil sie wahllos Zivilisten töten, und zwar während der Kämpfer, aber auch noch lange, nachdem der Konflikt beendet wurde.«

Unter Berufung auf das zum Verteidigungsministerium gehörende Libyan Mine Action nannte HRW die Zahl von mindestens 130 Personen, die von solchen Sprengkörpern getötet wurden. Dazu kommen noch mindestens 200 Verletzte und Tausende, die ihre Wohnungen und Häuser verlassen mussten. Insgesamt sei ein Gebiet von 720 Quadratkilometern in Süd-Tripolis betroffen und damit praktisch unbewohnbar.

»Bislang wurde noch kein Kommandant libyscher oder ausländischer Truppen wegen der schweren Menschenrechtsverbrechen im Kampf um Tripolis von 2019/20 zur Verantwortung gezogen. Es braucht internationale Anstrengungen, damit es zu ernsthaften Strafverfolgungen kommt.«

Die Räumung der Landminen ist eine große Herausforderung, sagt HRW, denn es fehlt an finanziellen Mitteln und technischer Expertise. Die Lage wird zusätzlich erschwert »durch die gespaltene Verwaltung und die unzureichende Koordination der zuständigen Regierungsstellen mit humanitären Organisationen«.

Libyen ist weiterhin zwischen rivalisierenden Fraktionen gespalten. Seit Februar gibt es zwei opponierende Exekutiven. Anfang dieses Monats trat die vom Parlament ernannte Regierung im Osten des Landes zum ersten Mal zusammen, die der von der UNO unterstützen Regierung in Tripolis im Westen entgegensteht.

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