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Tod von Yusuf al-Qaradawi hinterlässt große Lücke bei der Muslimbruderschaft

Auch der palästinenische Zweig der Muslimbruderschaft, die Hamas, trauert um Yusuf Al-Qaradawi
Auch der palästinenische Zweig der Muslimbruderschaft, die Hamas, trauert um Yusuf Al-Qaradawi (© Imago Images / ZUMA Wire)

Der Tod von Yusuf al-Qaradawi, dem Vordenker der Muslimbruderschaft, wirft die Frage auf, welche Auswirkungen sein Tod auf die Ideen, Aktivitäten und die Zukunft der Gruppe haben wird.

Der in Ägypten geborene Yusuf al-Qaradawi starb vor wenigen Tagen im Alter von 96 Jahren in Katar. Al-Qaradawi, der die katarische Staatsbürgerschaft besaß, galt als geistiger Führer der Muslimbruderschaft, deren Gründer Hassan al-Banna er in den 1940er Jahren nahestand und in deren Reihen er stetig aufstieg.

Dementsprechend trauerte die Bruderschaft mit den Worten um al-Qaradawi, er sei »eine der prominentesten Persönlichkeiten und Gelehrten der Gruppe« gewesen und habe »an Hunderten von Konferenzen und Seminaren auf der ganzen Welt teilgenommen, in denen er mit seinen wissenschaftlichen und rechtstheoretischen Forschungen Lösungen für viele islamische Fragen lieferte«.

Laut der offiziellen Website al-Qaradawis »war er nicht nur ein Rechtsgelehrter, auf den die Muslimbruderschaft in speziellen rechtswissenschaftlichen Fragen zurückgriff, sondern auch ein Pädagoge und prominenter Prediger. Er war schon früh an der Entwicklung des Bildungs- und Kulturprogramms innerhalb der Organisation beteiligt.«

Al-Qaradawi war jahrzehntelang für seine radikalen Fatwas bekannt, darunter »die Aufforderung zur Tötung von Gegnern der Muslimbruderschaft in Ägypten im Jahr 2013, die sich gegen Armee, Polizei und Richter richtete und Selbstmordaktionen legalisierte«. Sein Aufruf zur Ermordung des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi während der 2011 ausgebrochenen Revolution war Gegenstand heftiger Kritik und resultierte in Forderungen nach Verhaftung und einem Prozess gegen al-Qaradawi.

Tod hinterlässt Lücke

Über die Auswirkungen von al-Qaradawis Tod auf die Zukunft der Muslimbruderschaft befragt, erklärte der ägyptische Experte für den politischen Islam, Ahmed Ban, gegenüber Mena Watch, dass »die Medienmaschine der Bruderschaft dazu beigetragen hat, das Image von al-Qaradawi zu prägen«. Die Gruppe gebe viel Geld für Werbung und Medienarbeit aus und verfüge über viele Instrumente, um für ihre Symbolfiguren zu werben: »Dies trug wesentlich zum Aufstieg von al-Qaradawi bei.«

Ban wies auch auf al-Qaradawis umstrittene Rechtsgutachten hin, durch die der Prediger Berühmtheit erlangte, fügte aber hinzu, dass »nach seinem Tod seine Fatwas und Meinungen mit der Zeit verblassen werden, weil sie in Unterstützung der Muslimbruderschaft herausgegeben wurden, die Gesellschaften und Staaten zerstören wollte«.

Al-Qaradawi sei laut dem ägyptischen Experten »einflussreich im Netzwerk der Muslimbruderschaft in Europa und bei der Formulierung der Ideen der Gruppe auf dem europäischen Kontinent« gewesen, was auf seine Bereitschaft zurückzuführen sei, auf die Bedürfnisse der muslimischen Gemeinschaften in Europa einzugehen. »Diese ebnete den Weg für die Verbreitung der Ideologie der Gruppierung.«

Insofern sei al-Qaradawi insbesondere für die Muslimbruderschaft in Europa von großem Nutzen und er glaube nicht, »dass die Gruppe jemanden als Alternative hat, der in der Lage ist, diese Rolle zu übernehmen«. Deswegen, so Ban abschließend, glaube er, al-Qaradawis Ableben werde sich negativ auf die Fähigkeit der Gruppe auswirken, zu expandieren und ihren Einfluss weiterhin auszuüben.

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