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Hamas und Islamischer Dschihad veröffentlichen Propagandaclips israelischer Geiseln

Noch immer sind 125 israelische Geiseln in Gaza verschleppt
Noch immer sind 125 israelische Geiseln in Gaza verschleppt (© Imago Images / Olaf Schuelke)

Im Gazastreifen werden noch immer hundertfünfundzwanzig Geiseln gefangen gehalten. Nun sollen die Verhandlungen über ihre Freilassung in Ägypten wieder aufgenommen werden.

Akiva Van Koningsveld, Amelie Botbol 

Der Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) veröffentlichte am Dienstag ein Video des dreißigjährigen Alexander »Sasha« Trufanov, der während der Hamas-Terroranschläge im Süden Israels am 7. Oktober 2023 aus dem Haus seiner Familie entführt worden war und seit 234 Tagen im Gazastreifen gefangen gehalten wird. Die fünfundzwanzig Sekunden dauernde Aufnahme wurde zu Propagandazwecken gemacht, weswegen Trufanovs Familie zögerte, der Veröffentlichung des Videos durch israelische Medien zuzustimmen, wie die Nachrichtenagentur Ynet berichtete.

In dem Video ist zu sehen, wie der Israelis von den Terroristen gezwungen wurde, die anhaltenden Anti-Regierungs-Proteste in Israel zu adressieren: »Bürger Israels und Demonstranten: In den kommenden Tagen werden Sie von mir die Wahrheit darüber hören, was mir und Dutzenden von Gefangenen im Gazastreifen widerfahren ist«, sagt der israelisch-russische Staatsbürger, der Ingenieur bei Annapurna Labs ist, einem israelischen Chip-Unternehmen, das 2015 von Amazon übernommen wurde. Seine Freunde haben versucht, den Tech-Giganten dazu zu bringen, eine Erklärung über ihren Mitarbeiter abzugeben.

Während des von der Hamas angeführten Massakers am 7. Oktober 2023 wurde Trufanov gemeinsam mit seiner Mutter Yelena, seiner Großmutter Irena Tati und seiner Freundin Sapir Cohen im Kibbutz Nir Oz als Geisel genommen. Mutter und Großmutter wurden am 29. November auf Ersuchen des russischen Präsidenten Wladimir Putin von der Hamas freigelassen, während Cohen im Rahmen einer Vereinbarung über Geiseln gegen Waffenstillstand freigelassen wurde.

Auch Trufanows Mutter war zusammen mit zwei anderen Frauen, die im November freigelassen wurden, in einem von der Hamas am 30. Oktober veröffentlichten Propagandavideo zu sehen. Sein Vater wurde bei dem Hamas-Terrorangriff auf Nir Oz gemeinsam mit etwa vierzig anderen Bewohnern des Kibbuz ermordet.

Insgesamt werden im Gazastreifen noch 125 Geiseln gefangen gehalten. Am Sonntag wurde bekannt gegeben, dass die Verhandlungen über ihre Rückkehr in Ägypten wieder aufgenommen werden sollen. So hat das israelische Kriegskabinett aktualisierte Leitlinien für sein Verhandlungsteam verabschiedet. Letztes Wochenende kehrte eine Delegation unter der Leitung von Mossad-Chef David Barnea aus Paris zurück, wo sie sich mit ihren Gesprächspartnern auf die Wiederaufnahme der Gespräche verständigt hatte.

Netanjahu wehrt sich 

Am Montag wehrte sich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gegen den Vorwurf, er verhindere ein Abkommen, das die Rückkehr der – toten wie der noch lebenden –  Geiseln nach Israel im Gegenzug für eine Pause der Kampfhandlungen vorsieht. »Die wiederholten falschen Behauptungen, wir seien das Hindernis, schaden nicht nur den Familien«, denen Mitgefühl gelte. Darüber hinaus verzögerten die Vorwürfe auch »die Freilassung der Geiseln und untergraben die Verhandlungen. Anstatt den Druck auf [den Hamas-Chef im Gazastreifen, Yahya] Sinwar zu richten, der die Geiseln in seinen Kerkern festhält, wird der Druck auf die israelische Regierung fehlgeleitet.«

Ständig werde Israel aufgefordert, fuhr Netanjahu fort, »ein Zugeständnis nach dem anderen zu machen. Warum also sollte Sinwar irgendeinen Druck verspüren? Er sitzt in seinem Bunker, reibt sich zufrieden die Hände und freut sich, dass andere die Arbeit für ihn machen.« 

Der Premierminister bekräftigte, dass er nicht auf unangemessene Forderungen eingehen und bis zum Ende kämpfen werde. »Lassen Sie es mich klar sagen: Ich werde nicht nachgeben oder kapitulieren. Ich werde den Krieg nicht beenden, bevor wir alle unsere Ziele erreicht haben. Unsere gefallenen Helden werden nicht umsonst gestorben sein.« Eine Kapitulation würde weitere Anschläge wie den vom 7. Oktober, weitere Vergewaltigungen, die Nichtrückgabe der Geiseln und einen Sieg für den Iran und seine Stellvertreter bedeuten. Ich werde den Kampf fortsetzen, bis wir die Flagge des Sieges hissen können«, erklärte er.

Taten statt Worte

Das Forum der Geiseln und vermissten Familien veröffentlichte kürzlich Videoaufnahmen, die zeigen, wie Hamas-Terroristen am 7. Oktober IDF-Soldatinnen entführten. Das von den Körperkameras der Terroristen aufgenommene Video zeigt die Gewalt, der fünf der sieben jungen Frauen ausgesetzt waren, die vom Stützpunkt Nahal Oz entführt wurden.

Zu Beginn dieses Monats veröffentlichte die Hamas Aufnahmen der britisch-israelischen Geisel Nadav Popplewell. Der 51-jährige Popplewell war zusammen mit seiner 79-jährigen Mutter Channah Peri aus ihrem Haus im Kibbutz Nirim entführt worden. Ende April veröffentlichte die Terrorgruppe zwei getrennte Videos, die Lebenszeichen von Omri Miran (46) sowie der beiden US-israelischen Staatsbürger Keith Siegel (64) und Hersh Goldberg-Polin (23) zeigten.

Jonathan Dekel-Chen, der Vater der Hamas-Geisel Sagui Dekel-Chen, sagte am Dienstag, die israelische Regierung müsse »dem Schicksal der Geiseln, derer, die hoffentlich noch am Leben sind, und derer, die ermordet wurden, mindestens genauso viel Priorität einräumen wie der laufenden Kriegsführung«. Es gebe keinen Sieg ohne die Rückkehr der Geiseln, »und je länger der Konflikt andauert, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Geiseln lebend nach Hause kommen«. 

Israels Regierung und der Premierminister des Landes »müssen sich nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten dafür einsetzen, dass die Geiseln zurückgebracht werden und das Verhandlungsteam wirklich mit Taten unterstützt wird«, fügte Dekel-Chen hinzu. »Ich weiß nicht mit Sicherheit, ob die Verhandlungen wieder aufgenommen wurden. Die Hamas hat nicht einmal dem zugestimmt.«

Seine Reaktion sei seit Monaten dieselbe, schloss er: »Ich versuche nicht, die emotionale Achterbahn und die Höhen und Tiefen des Verhandlungsprozesses zu umgehen. Alles, was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass die israelische Regierung alles in ihrer Macht Stehende tun muss, um den Verhandlungsprozess wieder aufzunehmen und abzuschließen, um alle Geiseln nach Hause zu bringen.«

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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