Syrische Flüchtlinge: Türkei lässt arabische Ladenschilder entfernen

„Die türkischen Behörden haben damit begonnen, arabische Ladenschilder im ganzen Land zu entfernen, um den Ressentiments der Bevölkerung gegen die syrischen Flüchtlinge entgegenzukommen, die – geschürt durch die Wirtschaftskrise in der Türkei – die politischen Kosten für Regierung erhöht haben. Seit dem Zustrom von Flüchtlingen im Jahr 2011 sind viele arabische Geschäfte in der Türkei aus dem Boden geschossen, was in einem Land, in dem die arabische Schrift über das Flüchtlingsproblem hinaus politische Konnotationen hat, nochmals eine besondere Bedeutung erhält. Die Ersetzung der arabischen Schrift durch die lateinische im Jahr 1928 war eine der umfassenden Reformen des weltlichen Gründers der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, um eine Nation zu schaffen, die aus der Asche des Osmanischen Reiches auferstanden war.

Laut Angaben des Innenministeriums befanden sich im Juni mehr als 3,6 Millionen Syrer in der Türkei unter ‚vorübergehendem Schutz‘. Unter Einbeziehung der Menschen aus anderen Ländern wie dem Irak, Pakistan und Afghanistan beträgt die Flüchtlingsbevölkerung mehr als 4 Millionen. Viele haben in der Türkei kleine Unternehmen gegründet, die sich hauptsächlich um Mitflüchtlinge kümmern. Für viele Einheimische sind arabische Zeichen zu einer allgegenwärtigen Erinnerung an das facettenreiche Flüchtlingsproblem geworden und manche befürchten sogar, dass die Türkei ‚verloren‘ oder ‚arabisiert‘ ist. Syrer haben – laut den von Handelsminister Ruhsar Pekcan als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Sezgin Tanrikulu, einem Mitglied der oppositionellen Republikanischen Volkspartei, genannten Zahlen – bisher mehr als 15.000 Unternehmen in der Türkei gegründet. Die syrischen Unternehmen befinden sich hauptsächlich in Istanbul, in dem nahe gelegenen Bursa, der Mittelmeerprovinz Mersin und in den Grenzprovinzen Hatay und Gaziantep. (…)

Obwohl die Regierung Erdogans die Syrer weitgehend unterstützte, haben die Spannungen zwischen den Kommunen aufgrund von Bedenken der Bevölkerung bereits zu Gewaltausbrüchen auf den Straßen geführt. Die wachsende Unzufriedenheit mit Ankaras Flüchtlingspolitik war einer der Hauptgründe für die überwältigenden Niederlagen, die die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) in den Kommunalwahlen vom 31. März und der Wiederholung des Bürgermeisterwahl in Istanbul am 23. Juni erlitten hatte, in denen die Opposition sogar in AKP-Hochburgen wie Fatih siegte. Nach der Wahlniederlage in Istanbul beschloss die AKP-Regierung, arabische Ladenschilder zu entfernen. Der stellvertretende Innenminister Ismail Catakli kündigte Anfang Juli an, dass die Ladenfronten mit den Vorschriften in Einklang gebracht werden würden, die vorschreiben, dass mindestens 75% der Beschriftungen auf den Schildern auf Türkisch sein müsse.“ (Mehmet Cetingulec: „Turkey removes Arabic shop signs as refugee problem simmers“)

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