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Syrien: Kurden rekrutieren Kinder für den Krieg

Verschiedene bewaffnete kurdische Fraktionen zwangrekrutieren immer wieder Kinder
Verschiedene bewaffnete kurdische Fraktionen zwangrekrutieren immer wieder Kinder (© Imago Images / Pacific Press Agency)

Obwohl der Oberbefehlshaber der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sich gegen die Praxis der Kinderrekrutierung ausspricht, halten siech PKK-nahen Kader nicht an seine Befehle.

Rawan Aleku, eine 16-jährige syrisch-kurdische Gymnasiastin, wird seit dem 8. Oktober in ihrer Heimatstadt Dirbasiya vermisst. In mehreren Interviews mit der lokalen Presse behauptete ihr Vater Umran, sie sei von einer bewaffneten Gruppe entführt worden, die das Mädchen dann an „eine andere Gruppe“ übergeben habe. Er hat an Mazlum Kobane, den Oberbefehlshaber der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und damit die „höchste Autorität“ im Nordosten Syriens, appelliert, „seine humanitäre Pflicht wahrzunehmen.“ (…)

Rawan ist eine von Dutzenden Minderjährigen, die entweder freiwillig oder zwangsweise von kurdischen Rebellen rekrutiert wurden, um an Kämpfen Syrien, der Türkei, dem Irak und Iran teilzuhenem, wo es über große kurdischer Minderheiten gibt.

Kurden haben lange akzeptiert, dass einige ihrer Söhne und Töchter für die „Sache“ aufgegeben werden müssen: für den Kampf gegen brutale Regimen, die kurdische Existenz geleugnet und Kurden ihre Rechte verwehrt sowie diejenigen zum Schweigen gebracht haben, die es trotzdem wagten, sich als Kurden zu bezeichnen. Liebevoll gerahmte Fotos von zu „Märtyrern“ gewordenen Kindern in ihren Uniformen werden in vielen Häusern stolz zur Schau gestellt.

Den Familien der Gefallenen wird ein privilegierter Status zuerkannt. Doch im Nordosten Syriens kippt die Stimmung, denn immer mehr Kurden streben nach einem ruhigen und sicheren Leben abseits des Krieges. Und eine Handvoll Eltern wie Umran beginnen, ihrem Unmut öffentlich Luft zu machen. (…)

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Die bewaffnete Gruppe, auf die Umran anspielt, ist die „Ciwanen Soresger“, die Revolutionäre Jugend. Es wird vermutet, dass sie sich an der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) orientieren, jener Rebellengruppe, die seit 1984 gegen die Türkei kämpft, zunächst für die kurdische Unabhängigkeit und jetzt für politische Autonomie.

Die „andere Gruppe“, der seine Tochter Rawan laut Umran übergeben wurde, könnte entweder die PKK oder ihr rein weiblicher syrischer Ableger, die Frauenschutzeinheiten (YPJ), sein. Die YPJ und ihr männliches Gegenstück, die Volksschutzeinheiten (YPG), bilden das Rückgrat von Kobanes SDF. Menschenrechtsgruppen und die UNO haben alle drei Organisationen wegen völkerrechtswidriger Rekrutierung von Minderjährigen für den Kampfeinsatz kritisiert. (…)

Es gibt keine offiziellen Schätzungen über die Zahl der Kinder, die im Nordosten Syriens zwangsrekrutiert wurden. Die Vereinten Nationen gaben an, dass zwischen Januar und Juli dieses Jahres 51 Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren aus den Reihen der YPJ befreit und in einem Rehabilitationszentrum untergebracht wurden, während sich zum Zeitpunkt der Berichterstattung 18 Jungen im Prozess der Befreiung befanden. Das Kinderschutzbüro sagte, dass es seit seiner Eröffnung 50 Beschwerden erhalten und bereits 15 Kinder zu ihren Familien zurückgebracht habe.

Kobane selbst erklärte in einem Interview im Juli, dass er die Praxis als inakzeptabel ansieht und dass die Täter bestraft werden würden. Aber es gab bisher keine Strafverfolgung. (…)

Ein syrisch-kurdischer Medienaktivist in Rojava erzählt, die Revolutionäre Jugend habe ihn wegen seiner kritischen Berichterstattung bedroht. „Mazlum [Koban] ist gegen die Rekrutierung von Kindern, aber er kann sie nicht stoppen. Warum nicht? Weil militärische Kader der PKK die Kinderrekrutierung über die Revolutionäre Jugend steuern“, so der Medienaktivist gegenüber Al-Monitor. Kobane, so meint er, „hat Macht über die SDF als Organisation. Aber die militärischen Kader der PKK, meist Türken und Iraner, halten sich nicht an seine Entscheidungen.“

(Aus dem Artikel Child recruitment casts shadow over Syrian Kurds‘ push for global legitimacy“ der zuerst bei Al-Monitor erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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