Syrien: Islamisten sind in der Provinz Idlib auf dem Vormarsch

„Am Sonntag kapitulierte Atareb (auch: Atarib) vor den anstürmenden Kämpfern von Hayat Tahrir al-Sham (HTS), einem Zusammenschluss von islamistischen Gruppen um den syrischen Ableger der Kaida. (…) Die Einnahme von Atareb ist der vorläufige Höhepunkt eines Feldzugs des HTS-Zusammenschlusses, der zum Jahreswechsel begann. Er bedeutet eine Konsolidierung der Macht der Hardliner in Nordwestsyrien, wo sie seit längerem einen Großteil von Idlib, der letzten großen Rebellenhochburg, kontrollieren. Dabei nutzten die HTS-Kämpfer die Gelegenheit, die sich ihnen bot, weil sich die Türkei und die von ihnen unterstützten syrischen Rebellen auf den Kampf gegen die Kurden vorbereiteten. Während die türkischen Hilfstruppen rund hundert Kilometer weiter östlich aufmarschierten, schlug das HTS-Bündnis in ihren Hochburgen nahe Aleppo zu. Innerhalb von nur einer Woche vertrieben sie die Rebellengruppe Nureddin al-Zenki aus Dutzenden von Dörfern. Die Kämpfe forderten mehr als hundert Tote, unter ihnen mindestens zehn Zivilisten. (…)

Mit der Einnahme von Atareb kontrollieren die HTS-Kämpfer das gesamte Gebiet vom türkisch-syrischen Grenzübergang Bab al-Hawa bis westlich von Aleppo sowie die M 4 und die M 5, die beiden wichtigsten Verbindungsstraßen in der Region. Hunderte von Kämpfern der gegnerischen Seiten marschierten am Montag südlich von Idlib auf, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Für Ankara ist der HTS-Erfolg ein Debakel. Der vergleichsweise leichte Sieg der international als Terrororganisation eingestuften Extremistengruppe führt aller Welt vor Augen, was die Amerikaner seit langem sagen: Die türkischen Hilfstruppen sind kein Ersatz für die syrisch-kurdischen Kämpfer im Krieg gegen den Islamischen Staat. Darüber hinaus stürzt der Sieg Ankara in Idlib in ein Dilemma. ‚Der jüngste Vormarsch bedeutet, dass die Türkei künftig noch mehr Probleme haben wird, ihre Verpflichtungen im Rahmen der Sotschi-Vereinbarungen zu erfüllen‘, sagt Timur Akhmetov vom Russian International Affairs Council in Ankara.

Im September hatten sich Russland und die Türkei auf die Schaffung einer entmilitarisierten Zone rund um die Provinz Idlib geeinigt. Erklärtes Ziel dabei war, dass die HTS-Extremisten verschwinden. Obwohl die Türkei die Gruppierung im vergangenen Jahr schliesslich als ebenfalls terroristisch einstufte, hat sie einen offenen Konflikt bisher vermieden.“ (Inga Rogg: „Extremisten sind im syrischen Idlib auf dem Vormarsch“)

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