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Syrien: Hundert Kinder nach IS-Angriff auf Gefängnis vermisst

Nach dem ausbruch wiedergefasste IS-Häftlinge im Hasaka-Gefängnis
Nach dem Ausbruch wiedergefasste IS-Häftlinge im Hasaka-Gefängnis (Quelle: Handout SDF)

Laut einem UNO-Bericht gibt es nach wie vor keine Erklärung für das Verschwinden etlicher Familien von IS-Anhängern, die in einem Gefängnis in Hasaka interniert waren.

Am 20. Januar attackierten Kämpfer des Islamischen Staates das Al-Sina’a-Gefängnis in Hasaka im kurdischen Nordosten Syriens mit Autobomben und anderen Waffen, wodurch es zu heftigen Kämpfen zwischen den IS-Angreifern und kurdischen Soldaten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kam.

Nach einer Woche konnten die SDF mit Unterstützung der globalen Koalition gegen den Islamischen Staat die vollständige Kontrolle über das Gefängnis zurückerlangen. Anschließend wurden die zunächst geflohenen und später wieder gefassten IS-Terroristen in ein anderes Gefängnis verlegt. Zu den Kindern, die zu dieser Zeit mit ihren Familien in Hasaka interniert waren, konnten die SDF keine Auskünfte geben.

Vergangenen Freitag veröffentlichte die UNO nun einen Bericht, laut dem das Schicksal der hundert Kinder nach wie vor ungewiss ist. In dem von der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw dokumentierten Bericht heißt es:

»Wir sind extrem besorgt, weil das Schicksal und der Aufenthaltsort von rund hundert dieser Jugendlichen seit dem Angriff im Januar 2022 ungeklärt sind, was ernsthafte Bedenken in Bezug auf Leib und Leben der Kinder weckt. Manche von ihnen scheinen verschleppt worden zu sein. Wo Kinder involviert sind, müssen Staaten und De-facto-Autoritäten spezielle Schutzmaßnahmen ergreifen, die ihrer besonderen Verletzbarkeit gerecht werden.«

Die SDF, die wiederholt die Untätigkeit und mangelnde Hilfestellung der internationalen Gemeinschaft kritisiert hatten, forderten diese nach dem Gefängnisausbruch erneut auf, eine Lösung für die internationalen IS-Kämpfer zu finden.

Auf die SDF-Forderung, die westlichen Staaten sollten ihre für den IS kämpfenden Staatsbürger zurücknehmen, um die kurdischen Behörden zu entlasten, ging der UNO-Bericht gesondert ein, entließ die kurdischen Zuständigen zugleich aber nicht aus ihrer Verantwortung:

»Die für das Gefängnis zuständigen Behörden, die die sofortige Repatriierung aller ausländischen Staatsbürger gefordert hatten, wurden von den Drittstaaten vor eine fast unmöglich zu lösende humanitäre, menschenrechtliche und Sicherheitsverantwortung gestellt.

Nichtsdestotrotz haben sie laut internationalem Recht die Verpflichtung, eine prompte, transparente, unparteiische und unabhängige Untersuchung über die Umstände, unter denen diese Jugendlichen verschwunden sind, durchzuführen und die Ergebnisse öffentlich zu machen.«

Die SDF nahmen Tausende IS-Kämpfer und deren Frauen und Kinder fest, als sie im März 2019 deren letzten Stützpunkt in Syrien eroberten. Die meisten von ihnen werden im Lager Al-Hol festgehalten, in dem rund 56.000 Menschen – zumeist Frauen und Kinder – interniert sind.

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