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Syrien: Geld aus Moskau für den Widerstand

Potentielle Träger des Widerstands: Mitglieder der einst gefürchteten Shabiha-Milizen des syrsichen Ex-Diktators Assad posieren vor der Kamera
Potentielle Träger des Widerstands: Mitglieder der einst gefürchteten Shabiha-Milizen des syrsichen Ex-Diktators Assad posieren vor der Kamera (Quelle Screenshot X)

Exilierte hochrangige Mitlieder des vor einem Jahr gestürzten Assad-Regimes finanzieren aus Moskau den bewaffneten Widerstand gegen die neue Übergangsregierung.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters recherchiert hat, investieren die in Moskau im Exil lebenden Mitglieder der gestürzten syrischen Assad-Diktatur Millionen in die Finanzierung eines »syrischen Widerstands«, vor allem in den von Alawiten besiedelten Küstenregionen. Offenbar hoffen sie, so zumindest in Teilen des Landes wieder ans Ruder zu kommen.

Der im vergangenen Dezember nach Russland geflohene Baschar al-Assad habe sich weitgehend mit seinem Exil in Moskau abgefunden, sagen vier von Reuters zitierte Personen aus dem Umfeld der Familie. Andere hochrangige Persönlichkeiten aus seinem engsten Kreis, darunter sein Bruder, hätten sich mit dem Machtverlust jedoch noch nicht abgefunden.

»Zwei der Männer, die Assad einst am nächsten standen, Generalmajor Kamal Hassan und der Milliardär Rami Makhlouf, konkurrieren laut Reuters darum, an der Küste Syriens und im Libanon Milizen aus Mitgliedern ihrer alawitischen Minderheit zu bilden, die seit Langem mit der Familie Assad verbunden ist. Insgesamt finanzieren die beiden Männer und andere um die Macht ringende Fraktionen mehr als 50.000 Kämpfer in der Hoffnung, sich deren Loyalität zu sichern.«

Zersplittertes Syrien

Eine potenzielle Schlüsselfigur bei den Versuchen, einen Aufstand anzuzetteln, soll Maher al-Assad sein, der jüngere Bruder des ehemaligen Diktators. Maher strebe weiterhin nach Einfluss in Syrien, heißt es, da der ebenfalls in Moskau Lebende nicht begreifen könne, wie die Kinder von Diktaturgründer Hafez al-Assad aus Syrien vertrieben werden konnte. Bislang habe Baschars jüngerer Bruder, der nicht zuletzt durch seine Kontrolle der Captagon-Produktion enorme Reichtümer angehäuft hat und immer noch Tausende ehemaliger Soldaten kontrolliert, jedoch noch keine Mittel beigesteuert bzw. keine entsprechenden Befehle gegeben.

Allerdings kontrollieren Kamal Hassan und Rami Makhlouf ein Netzwerk von vierzehn unterirdischen Kommandoräumen, die gegen Ende von Assads Herrschaft an der syrischen Küste errichtet wurden, sowie über Waffenlager. Zwei Offiziere und ein syrischer Regionalgouverneur bestätigten die Existenz dieser versteckten Räume, deren Details auf Fotos zu sehen sind, die der Nachrichtenagentur vorliegen.

Aus ihrem Exil in Moskau heraus stellen sich die beiden Assad-Vertrauten ein zersplittertes Syrien vor, wobei jeder von ihnen die Kontrolle über die Gebiete mit alawitischer Mehrheit ausüben will. Beide haben Millionen von Dollar für konkurrierende Bemühungen zum Aufbau von Streitkräften ausgegeben, wie Reuters recherchierte. Ihre Stellvertreter befinden sich in Russland, im Libanon und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Um den Verschwörern entgegenzuwirken, setze die neue syrische Regierung einen weiteren ehemaligen Assad-Getreuen ein, einen Jugendfreund des neuen Präsidenten Ahmed al-Sharaa, der für Assad als paramilitärischer Anführer tätig war und dann mitten im Krieg die Seiten wechselte, nachdem sich der ehemalige Diktator gegen ihn gewandt hatte. Die Aufgabe von Khaled al-Ahmad bestehe darin, ehemalige alawitische Soldaten und Zivilisten davon zu überzeugen, dass ihre Zukunft in einem neuen Syrien liege.

»›Dies ist eine Fortsetzung des Machtkampfs des Assad-Regimes‹, sagte Annsar Shahhoud, ein Forscher, der sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit der Diktatur beschäftigt. ›Der Wettbewerb geht weiter, aber statt Assad zu gefallen, liegt der Fokus nun darauf, einen Nachfolger für ihn zu finden und die alawitische Gemeinschaft zu kontrollieren.‹«

Der Artikel erschien zuerst bei Jungleblog.

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