Syrien: Gedenken an den Mann hinter den Transparenten von Kafranbel

Turki Swied, der Leiter von Radio Fresh erinnert sich an Raed Fares, der zusammen mit seinem Freund vergangenen Freitag von Islamisten in Syrien erschossen wurde und Radio Fresh mitbegründet hatte, das Teil einer Vereinigung zivilgesellschaftlicher Organisationen namens Union of Revolutionary Bureaus (URB) ist, die in der Vergangenheit von den USA unterstützt wurde:

„Ich loggte mich in die WhatsApp-Gruppe von Radio Fresh ein, und dort berichtete jemand, Raed und Hamoud seien verletzt worden und befänden sich im Krankenhaus. Ich machte mich auf den Weg, um in Erfahrung zu bringen, in welchem Krankenhaus sie sich befänden, doch dann trafen bereits die Berichte ein, dass Raed gestorben sei. Ich konnte es nicht glauben. Ich stand unter Schock. Von überallher erhielt ich Botschaften und Beileidsbekundungen. Ich sah die Fotos [ihrer Leichen], konnte die Nachricht aber nicht aufnehmen. Schließlich rief mich jemand aus Amerika an und sprach mir sein Beileid aus, da begriff ich endlich, was geschehen war. Es war ein tragischer Tag für Kafr Nabl. (…)

Raed war der Stadt Kafr Nabl eng verbunden, nicht zuletzt, weil er hier aufgewachsen ist. All seine Angehörigen leben hier und er hat sein ganzes Leben in der Stadt verbracht. Kafr Nabl zeichnet sich durch etwas aus, das es in anderen Städten nicht gibt: Den revolutionären Geist seiner Bewohner. Wenn die Menschen die Transparente von Raed sahen, waren sie stolz auf ihn und das, wofür er auch in den Augen vieler Menschen in anderen Städten stand. Die konnten sich nicht sagen: ‚Er stammt aus unserer Stadt.‘ (…)

Es hatte bereits zwei frühere Anschläge auf Raed gegeben, einen 2014 und den zweiten im Jahr 2016. Beide Male hatte unsere Sorge um ihn zugenommen. Wir wussten, dass sie in nicht in Ruhe lassen würden und ihn im Visier hatten. Er erzählte mir von Angeboten, die er erhalten hatte, um im Ausland zu arbeiten, doch lehnte er sie stets ab. Er liebte diese Stadt und wolle sie nicht verlassen. Er sagte immer: ‚Eines Tages wird sich die Lage beruhigen und verbessern. Wir müssen nur Geduld haben.‘ (…) Er verbrachte die letzten Tage seines Lebens damit, Unterstützer zu rekrutieren, die die Fortführung seines Projekts gewährleisten würden. Inzwischen stehen mehr als 650 Familien mit URB in Verbindung. (…) Die Gründung von URB war eine der großartigsten Initiativen, mit denen er den Menschen seiner Stadt diente, und er war stolz auf das Projekt. Und wir sind stolz darauf, dass er uns und unserer Stadt verbunden war. (…)

Vor ungefähr einem Jahr lud ich Raed, Hamoud und den Bürgerjournalisten Hadi al-Abdullah zu mir ein. Es waren auch einige andere Journalisten von Aljazeera anwesend. Wir verbrachten Zeit miteinander und besprachen Dinge, die nichts mit den Nachrichten, unserer Arbeit oder dem Sender zu tun hatten. Raeds Konversation und Präsenz waren unvergesslich. Er machte damals allerhand Späße. Es war einer der besten Abende, die wie je zusammen verbrachten. Er war in dem Moment deutlich als ambitionierter, tapferer und bescheidener Mensch zu erkennen. Wenn ich künftig in Kafr Nabl oder sonst irgendwo Proteste sehe, werde ich stets an Raed denken müssen. Er hauchte den Demonstrationen Leben ein und stellte die Transparente für sie her. Wie können wir jemanden vergessen, mit dem wir in den ersten Tagen des Revolution Seite an Seite standen? Wenn ich an Raed denke, werde ich an die Revolution denken. Und wenn ich an die Revolution denke, werde ich immer an Raed denken müssen.“ (Interview auf Syria:direct: „The one  who gave life to the demonstrations: Raed Fraes, remembered“)

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