Syrien: Die Türkei will ihre Truppen aus Afrin abziehen

„Selbst manche Mitarbeiter der örtlichen Behörden verweisen auf anhaltende Feindseligkeiten zwischen den Kurden und Arabern in der Enklave sowie zwischen den alteingesessenen Bewohnern und jenen, die aus anderen Teilen Syriens dorthin gekommen sind. (…) Es ist der Türkei gelungen, ihre kurdischen Feinde von der eigenen Grenze zu vertreiben und südlich und östlich von Afrin gelegene syrische Landesteile, die von den syrischen Partnern der Türkei kontrolliert werden, miteinander zu verbinden. Doch hat die Türkei sich damit, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, auch zum faktischen Herrscher über diesen Teil Syriens gemacht. Die damit übernommene Verantwortung erweist sich als ein größerer Ballast, als die türkische Regierung ursprünglich erwartet hatte. (…)

Die Türkei will Afrin in eine lebenswerte Enklave verwandeln, die syrische Flüchtlinge, einschließlich der drei Millionen, die sich in der Türkei angesiedelt haben, anzieht, und ihr ein größeres Mitspracherecht bei der Bestimmung der Zukunft Syriens sichert. Das gleiche gilt für die nahegelegenen Städte Jarablus und Azaz östlich von Afrin. Nicht zuletzt infolge der erfolgreichen Verteilung von humanitären Hilfsgütern dort sind seit der türkischen Eroberung der Region bis zu 140.000 Syrer nach Afrin gekommen.

Doch wollen die Türken sich offensichtlich aus Afrin zurückziehen und die Region von ihren örtlichen Verbündeten verwalten lassen. Ein türkischer Regierungsvertreter berichtete, örtliche Sicherheitskräfte, von denen viele der Freien Syrischen Armee entstammen, würden zu diesem Zweck fortgebildet. Er deutete an, die türkischen Streitkräfte würden sich aus der Innenstadt zurück- und Stellungen im Umland beziehen. Wie in Jarablus und Azaz haben türkische Truppen auch in Afrin gemeinsam mit Dolmetschern einen fünfwöchigen Kurs gestartet, der die örtlichen arabischen Sicherheitskräfte auf die Übernahme vorbereiten soll. Nach der Ausbildung werden die leichtbewaffneten Sicherheitskräfte für Sicherheit auf den Straßen sorgen und sich gegen die kurdischen Aufständischen wehren können. Gegen einen ernstzunehmenden Angriff der von Russland unterstützten syrischen Regierungstruppen würden sie aber vermutlich wenig ausrichten können. Im Moment halten Moskau, Ankara und Teheran sich an ein fragiles Einverständnis darüber, welches Land welchen Teil Syriens kontrolliert. Allerdings könnte es mit der Entschlossenheit der Türkei in der Enklave schnell vorbei sein, sollte Russland, das jetzt die entscheidende Macht in Syrien ist, verlangen, dass das Regime seine Herrschaft dort wiederherstellt.“ (Borzou Daragahi: „Turkey Has Made a Quagmire for Itself in Syria“)

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