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Syrien: Bankrotter als bankrott

Syrisches Pfund und Dollar
Syrisches Pfund und Dollar

Um die Wirtschaftskrise in Griff zu kriegen, ordnet Assad sieben Jahre Zwangsarbeit für jeden an, der mit Devisen zahlt.

Assad habe den Krieg gewonnen, heißt es in letzter Zeit immer öfter, damit müsse man sich abfinden und nach vorne schauen. Die Feststellung ist natürlich interessierter Unfug, schließlich geht der Krieg unvermindert weiter, Tag für Tag fallen in Idlib Bomben und erneut sind hunderttausende auf der Flucht vor der russischen und syrischen Militärmaschinerie. An solche Bilder hat man sich in Europa und anderswo inzwischen zwar so gewöhnt, dass Warnungen vor „humanitären Katastrophen“ inzwischen so alltäglich geworden sind, dass sie ungehört verklingen, trotzdem leben weiterhin mehrere Millionen Syrerinnen und Syrer in Gebieten, die sich außerhalb der Kontrolle des Regimes befinden.

Aber die wirklichen Probleme des Regimes liegen woanders: Es ist bankrotter als bankrott und wird mühsam von seinen russischen und iranischen Verbündeten über Wasser gehalten. Nur schwimmen die auch nicht gerade in Geld und suchen händeringend nach irgendwelchen Finanzquellen. Es kostet vergleichsweise wenig, Bomben auf zivile Ziele abzuwerfen, es kostet allerdings Unsummen, Zerstörtes wiederaufzubauen.

Im freien Fall

Bislang gab es für das Regime den Libanon als Lebensader, denn über dortige Banken und Firmen lief der ganze Schmuggel vorbei an den diversen Sanktionen, von dem Syrien existentiell abhängig ist. Damit ist vorerst Schluss, der Libanon ist ebenfalls in eine tiefe Krise geraten, dem Land gehen die Dollars aus und es befindet sich am Rande eines wirtschaftlichen Kollapses.

Seit Herbst befindet sich deshalb das, zuvor mühsam irgendwie stabilisierte syrische Pfund, im völlig freien Fall. Bekam man im vergangenen September noch einen US-Dollar für 550 Pfund, so kostet er heute 1200. Die Folgen für die Menschen in Syrien, die eh seit Jahren in einer Mangelwirtschaft leben müssen, sind katastrophal und sollte es so weitergehen, dürfte es bald auch in Damaskus und anderswo zu Brotunruhen kommen.

Drehen an der Repressionsschraube

Das Regime weiß ganz genau, wie mies es um seine Zukunft bestellt ist, nur hat es keine anderen Ideen, als weiter an der Repressionsschraube zu drehen: Wer fortan in einer anderen als der syrischen Währung zahlt, dem drohen nun sieben Jahre Zwangsarbeit.

Bashar al-Assad hat die Währungskrise Syriens verdeutlicht, indem er 7 Jahre Zwangsarbeit für jeden anordnete, der nicht das syrische Pfund für Zahlungen oder Handelstransaktionen verwendet.

Assad hat das Dekret am Samstag erlassen. Mit dem Dekret versucht er auch, die Berichterstattung über die Krise zu einzuschränken, indem er „die Strafe für die Verbreitung oder Veröffentlichung von gefälschten Fakten [oder] falschen oder gefälschten Behauptungen, die eine Abwertung der nationalen Währung und Instabilität verursachen, verschärft“.

Nur: Auch diese Maßnahme wird ihm nicht helfen. Der Verfall geht unvermindert weiter. Es ist gar nicht der Krieg, der für dieses Regime das Problem ist, es wird etwas sein, dass nur Zyniker werden Frieden nennen mögen. 

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