Die internationale Gemeinschaft steckt enorme Ressourcen in die Diffamierung Israels. Die Katastrophe im Sudan interessiert dagegen niemanden.
Von Amine Ayoub
Drei Jahre nach Beginn der verheerendsten humanitären Katastrophe der Welt ist der Sudan vollständig aus den internationalen Schlagzeilen verschwunden. Während an den Universitäten im gesamten Westen organisierte Wutausbrüche gegen Israels Selbstverteidigung gegen den Terrorismus toben und die Vereinten Nationen endlose Sitzungen der Verurteilung des jüdischen Staates widmen, spielt sich in Afrika still und leise ein regelrechter Völkermord ab.
Das sudanesische Volk zahlt den höchsten möglichen Preis in Form von Hungersnot, Massenvertreibung und einer unerbittlichen Kampagne, die die typischen Merkmale ethnischer Säuberung aufweist. Die tiefe Gleichgültigkeit der Welt ist kein Zufall. Sie ist eine bewusste Entscheidung. Sie offenbart eine tief verwurzelte Doppelmoral, bei der globale Empörung ausschließlich Israel vorbehalten ist, während sich tatsächliche Gräueltaten in einer Region ausbreiten können, die bereits bis an ihre absoluten Grenzen belastet ist.
Schlimmste humanitäre Katastrophe weltweit
Allein die nackten Zahlen sollten sofortiges globales Handeln erfordern. Mehr als 14 Millionen Menschen wurden seit dem Ausbruch heftiger Kämpfe im April 2023 vertrieben. Diese Zahl umfasst mehr als 4,5 Millionen Menschen, die über die Grenzen in Nachbarländer geflohen sind. In mindestens fünf verschiedenen Gebieten, insbesondere in Darfur und den Nuba-Bergen, hat die Hungersnot offiziell Einzug gehalten. Bis zu 26 Millionen Menschen sind in einem Zustand rapide verschlechternder Ernährungssicherheit gefangen. Im Sudan leben mehr Menschen unter Bedingungen schwerer Hungersnot als im Rest der Welt zusammen.
Dennoch gibt es keine Notlager auf dem Campus für den Sudan. Es werden keine größeren Boykotte organisiert, um die Kriegsherren zu bestrafen, die diese Bevölkerungsgruppen hungern lassen.
Drei ganze Jahre lang hat es Warnungen, dass der Sudan am Rande des totalen Zusammenbruchs stehe, nicht gemangelt. Diese dringenden Alarmrufe blieben von genau jenen internationalen Gremien unbeantwortet, die vorgeben, sich für die Menschenrechte einzusetzen. Organisationen wie die Vereinten Nationen wenden enorme Ressourcen und unzählige Resolutionen auf, um Israel obsessiv ins Visier zu nehmen. Währenddessen schließen sie die Augen vor den Millionen Afrikanern, denen die tatsächliche Auslöschung droht.
Kein lokaler Konflikt mehr
Der Konflikt selbst hat seine innenpolitischen Ursprünge längst hinter sich gelassen. Was als Machtkampf zwischen General Abdel Fattah al-Burhan von den sudanesischen Streitkräften und Mohamed Hamdan Dagalo von den Rapid Support Forces begann, hat sich zu einem weitreichenden regionalen Stellvertreterkrieg entwickelt.
Zahlreiche ausländische Akteure sind stark involviert. Ägypten unterstützt nachdrücklich die international anerkannte Militärregierung. Unterdessen liefern die Vereinigten Arabischen Emirate Berichten zufolge moderne Waffen an die rivalisierenden Rapid Support Forces. Dabei handelt es sich um dieselbe paramilitärische Organisation, deren historische Wurzeln direkt auf die berüchtigten Janjaweed-Milizen zurückgehen, die vor zwei Jahrzehnten für den ersten Völkermord in Darfur verantwortlich waren.
Die Geschichte wiederholt sich mit düsterer Präzision. Das gezielte Abschlachten nicht-arabischer ethnischer Gruppen in Darfur hat neue, belegte Befürchtungen eines Völkermords aufkommen lassen, gestützt durch Satellitenbilder, die Massengräber zeigen. Dennoch verhalten sich die internationalen Gerichte in Den Haag auffallend still und reservieren ihre aggressivsten juristischen Angriffe für Israel.
Die strategischen Interessen reichen weit über den Bereich des humanitären Gewissens hinaus und wirken sich direkt auf die Sicherheit der freien Welt und Israels aus. Der Sudan liegt genau an der geografischen Schnittstelle zwischen Nordafrika, der Sahelzone und dem lebenswichtigen Korridor am Roten Meer. Der Iran erkennt diesen strategischen Wert. Teheran nutzt das Chaos aktiv aus, um seinen bösartigen Einfluss auszuweiten. Der Iran strebt über Port Sudan einen maritimen Stützpunkt an der Küste des Roten Meeres an. Dadurch will er die Meerenge von Bab al-Mandeb bedrohen und seinen regionalen Feuerring um Israel und gemäßigte arabische Staaten enger ziehen.
Die Geografie des Sudan erfordert Aufmerksamkeit, die ihr eindeutig nicht zuteilwird. Der Iran versteht, dass ihm ein Stützpunkt im Sudan ermöglicht, den globalen Seehandel zu strangulieren und direkte Angriffe auf israelische Schifffahrtsrouten nach Eilat zu starten. Ein zerrissener Sudan dient als offener Waffenbasar, als Transitkorridor für dschihadistische Kämpfer und als Ventil für massiven Migrationsdruck in Richtung Ägypten, Libyen und letztlich Europa. Der Konflikt erzeugt gefährliche Ausstrahlungseffekte auf dem gesamten Kontinent, während Teheran still und leise eine weitere Ausgangsbasis für sein Terrornetzwerk aufbaut.
Diplomatie ist gescheitert
Die ursprünglich zur Bewältigung dieser Katastrophe geschaffene diplomatische Architektur ist zusammengebrochen. Multilaterale Rahmenwerke, die einen humanitären Waffenstillstand herbeiführen sollten, sind völlig gescheitert. Keine der beiden Konfliktparteien hat einen echten Anreiz, die Kämpfe einzustellen. Die Führer beider Seiten profitieren weiterhin reichlich von der Zerstörung. Riesige Mengen an geplündertem Gold fließen stetig ab, während immer ausgefeiltere Waffen reibungslos in die entgegengesetzte Richtung gelangen.
Unterdessen hat der Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar eine strukturell bereits schlechte Lage erheblich verschlimmert. Die diplomatischen Kapazitäten der USA sind stark überlastet. Infolgedessen ist der Sudan zu einer vernachlässigten Krise geworden. Mindestens 59.000 Menschen wurden als getötet bestätigt, und militärische Offensiven tragen die unverkennbaren Merkmale einer systematischen Auslöschung.
Washington ist heute in dieser kritischen Angelegenheit eindeutig abwesend. Westliche Regierungen haben den ausländischen Akteuren, die Öl ins Feuer gießen, keine nennenswerten Kosten auferlegt. Zu verhindern, dass der Sudan zu einem dauerhaft gescheiterten Staat wird, ist eine strategische Notwendigkeit für den Westen und seine Verbündeten im Nahen Osten. Eine gespaltene Nation garantiert schwere regionale Instabilität und bietet einen fruchtbaren Nährboden für den von Iran unterstützten Terrorismus. Hunger wird aktiv als Kriegswaffe eingesetzt, während Millionen von Kindern unter akuter Unterernährung leiden.
Die Heuchelei ist ohrenbetäubend. Die Weltgemeinschaft hat bewiesen, dass sie unendliche Ressourcen mobilisieren kann, um Israel bei der Führung eines Verteidigungskrieges unter die Lupe zu nehmen, doch sie kann nicht einmal die grundlegende diplomatische Energie aufbringen, um einen tatsächlichen Völkermord in Afrika zu stoppen. Diese Realität zu ignorieren, ist keine Neutralität. Es ist eine moralisch bankrotte Politik mit verheerenden Folgen.
(Der Kommentar ist beim Jewish News Syndicate erschienen. Der Autor ist politischer Analyst und lebt in Marokko. Übersetzung von Florian Markl.)






