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Sudan: Was der Putsch für die Normalisierung mit Israel bedeutet

Im Sudan hat vorerst der oberster Militär, General Abdel Fattah Abdelrahman Burhan, das Sagen. (© imago images/Xinhua)
Im Sudan hat vorerst der oberster Militär, General Abdel Fattah Abdelrahman Burhan, das Sagen. (© imago images/Xinhua)

Im Sudan war es das Militär, das die Beziehungen zu Israel verbessern wollte, nicht die gerade abgesetzte zivile Führung.

Lazar Berman, The Times of Israel

„Der Sudan war schon immer das komplizierte Land im Quartett der Abraham-Abkommen“, sagt Joshua Krasna, Nahostexperte am Moshe Dayan Center der Universität Tel Aviv. „Drei Länder haben ihre Beziehungen normalisiert, und ein Land hat zwei- oder dreimal angedeutet, dass es das tun würde, hat es aber nie getan, zumindest nicht formell.“

In dieser Woche übernahm das sudanesische Militär die Macht und verhaftete die zivile Führung, mit der es zuvor im Rahmen einer Übergangsregierung die Kontrolle geteilt hatte.

Die Machtübernahme erfolgte nach Wochen zunehmender Spannungen zwischen der militärischen und der zivilen Führung über den Verlauf und das Tempo des Übergangs des Sudan zur Demokratie. Die Unruhen drohen diesen Prozess, der seit dem Sturz des langjährigen Autokraten Omar al-Bashir durch einen Volksaufstand vor zwei Jahren immer wieder ins Stocken geraten ist, zu gefährden.

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Da jetzt das Militär die Kontrolle hat, ist nicht zu erwarten, dass die Unruhen den langfristigen Trend zur Verbesserung der Beziehungen zu Israel wesentlich stören werden. Die Militärführung, die die Macht übernommen hat, besteht aus denselben Verantwortlichen, die die Normalisierung des Verhältnisses zu Israel vorangetrieben und die widerstrebende Zivilregierung mitgeschleppt hatten, die nun durch den Staatsstreich abgesetzt wurde.

Aber wenn die Umsetzung der Normalisierungserklärungen schon vorher nur schleppend vorankam, so dürfte sie jetzt auf der Tagesordnung Khartums noch weiter nach unten rutschen. „Das steht nicht an der Spitze ihrer Prioritäten“, sagte Haim Koren, ein ehemaliger israelischer Gesandter in Ägypten und im Südsudan. „Sie haben eine Reihe von Problemen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen.“

Jahrzehntelang hatte sich Bashirs Sudan vehement gegen jegliche Kontakte zu Israel gewehrt, und selbst als sich die militärische Führung für die Idee erwärmte, Beziehungen zu knüpfen, um Khartums Paria-Status zu überwinden, beäugten die zivile Seite der Regierung und ein Großteil der sudanesischen Straße die Normalisierung weiterhin mit Argwohn. (…) Das Militär erkannte die eindeutigen Vorteile einer Normalisierung und bemühte sich um eine Vertiefung der Kontakte mit seinen israelischen Partnern, während die Zivilregierung versuchte, den Prozess zu bremsen.

„Es ist kein Geheimnis, dass es die militärische Führung war, die auf eine Normalisierung drängte, und nicht die zivile Führung“, sagt Rina Bassist, Afrika-Redakteurin beim israelischen öffentlich-rechtlichen Sender KAN. (…) „Israel hat es nicht geschafft, einen echten Dialog mit der zivilen Führung zu führen, die nach den Wahlen [im Juli 2023] den Sudan regieren sollte“, erklärt Bassist.

Dennoch habe die zivile Seite einige Anzeichen gezeigt, dass sie bereit sei, mit einer Normalisierung wenigstens zu leben. Im April hob das sudanesische Kabinett ein 63 Jahre altes Gesetz zum Boykott Israels auf. Und letzten Monat beschlagnahmten die sudanesischen Behörden Vermögenswerte von Unternehmen, die mit der Hamas in Verbindung stehen.

(Aus der Analyse „Sudan coup puts Israel ties on backburner, but unlikely to derail normalization“, der von der Times of Israel veröffentlicht wurde. Übersetzung von Florian Markl.)

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