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Straße von Hormus: »Irgendwer wird verhandeln müssen«

An den Zugängen der Straße von Hormus stauen sich mittlerweile zahlreiche Schiffe. (© imago images/NurPhoto)
An den Zugängen der Straße von Hormus stauen sich mittlerweile zahlreiche Schiffe. (© imago images/NurPhoto)

Ein ehemaliger US-Diplomat sieht keine realistische militärische Option zur Öffnung der Straße von Hormus.

Auch nach fünf Wochen amerikanischer und israelischer Angriffe verfügt der Iran weiterhin über erhebliche militärische Kapazitäten, insbesondere im Bereich Drohnen und Raketen. Nach Einschätzung des ehemaligen US-Diplomaten Alan Eyre reicht dieses Arsenal aus, um die strategisch äußerst wichtige Straße von Hormus langfristig zu bedrohen.

Im Interview mit dem kurdischen Nachrichtennetzwerk Rudaw meinte Eyre, die USA und Israel hätten zwar »nicht nur die iranische Raketeninfrastruktur, sondern auch die Verteidigungsindustrie geschwächt, die es dem Iran ermöglichen würde, diese wieder aufzubauen, sobald der Krieg beendet ist«. Er gab aber zu bedenken, dass selbst eine vergleichsweise geringe Anzahl an Raketen und Drohnen ausreiche, um den Schiffsverkehr in der Meerenge von Hormus empfindlich zu stören:

»Der Iran verfügt über genügend Raketen, Geschosse und Drohnen, um die Straße von Hormus zu bedrohen, und wird dies voraussichtlich auch auf absehbare Zeit tun.« Damit bleibe eine der wichtigsten globalen Öltransportrouten verwundbar.

Kein Weg vorbei an Verhandlungen

Die optimistische Einschätzung von US-Präsident Donald Trump, die Straße von Hormus könne »leicht« wieder geöffnet werden, wies Eyre entschieden zurück. Militärisch sei ein solcher Schritt zwar theoretisch möglich, praktisch aber kaum binnen halbwegs kurzer Zeit umsetzbar. Zudem würde eine solche militärische Operation nicht zu vernachlässigende Risiken mit sich bringen. »Das Problem ist, dass der Iran, sobald die USA versuchen, die Straße von Hormus zu öffnen, mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren könnte, indem er seine Angriffe auf US-Soldaten, US-Schiffe und auch auf kritische Infrastruktur in der Golfregion, also im Persischen Golf, eskaliert.«

Was für das mächtige US-Militär stimmt, trifft umso mehr auf die Armeen der Golfstaaten und Europas zu. Trumps Behauptung, es sei ein Leichtes für die Europäer, die Meeresstraße zu öffnen, wenn sie es denn nur wollten, erscheint auf Basis der Einschätzungen Eyres als weitgehend substanzlos.

Und auch Trumps Drohung, die zivile Infrastruktur des Iran in Grund und Boden zu bomben, ergibt für Eyre keinen Sinn – ganz abgesehen davon, dass sie vermutlich Kriegsverbrechen darstellen würde. »Das Problem, mit dem Präsident Trump konfrontiert ist, besteht darin, dass der Iran, egal wie sehr Trump auch militärisch eskaliert, nicht kapitulieren wird. Er wird den Bedingungen, die die Vereinigten Staaten auf den Tisch gelegt haben, nicht zustimmen.«

Die einzig realistische Option für eine Öffnung der Straße von Hormus sieht Eyre in Gesprächen: »Letztendlich wird also jemand – seien es die USA, die Europäer oder die Golfstaaten – mit dem Iran verhandeln müssen, damit dieser seine Drohungen gegen die Straße von Hormus einstellt. Und der Grund dafür ist, dass es dem Iran nicht viel abverlangt, die Straße weiterhin zu bedrohen.«

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