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Steuern Greichenland und die Türkei auf einen Krieg zu?

Steuern Greichenland und die Türkei auf einen Krieg zu?„Ein türkisch-griechischer Zwischenfall ließ am Montag alte Erinnerungen wieder wach werden. Auf einer Veranstaltung in Ankara behauptete der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim, die türkische Küstenwache habe eine griechische Flagge von einem Eiland nahe der Insel Fournoi entfernt, die dort zuvor von drei Griechen gehisst worden sei. Der Generalstab der Griechischen Landesverteidigung erwiderte, in den vorangegangenen 48 Stunden sei kein türkisches Boot in der Gegend gesichtet worden. Der Bürgermeister von Fournoi suchte anschließend das Eiland auf und berichtete, die griechische Flagge sei noch dort. Doch war Griechenland gezwungen, auf Yildirims Behauptung mit vollem Ernst zu reagieren. (…)

Das Eiland im Mittelpunkt des aktuellen Vorfalls heißt Anthropofagos (das ist das griechische Wort für Kannibale). Es gehört zu den von der Türkei als ‚graue Zonen’ bezeichneten umstrittenen Gebieten in der Ägäis. Im Einklang mit dem Vertrag von Lausanne und dem Völkerrecht erkennt Griechenland seinerseits die Existenz derartiger ‚grauer Zonen’ nicht an. Erdogan beharrte bei einem Besuch in Athen im vergangenen Jahr auf der türkischen Position. Er behauptet, der Vertrag von Lausanne müsse revidiert werden und rechtfertigt diese Forderung mit einem Verweis auf die türkischsprachige Minderheit im nordgriechischen Thrakien. Dass türkische Kriegsschiffe kürzlich ein italienisches Forschungsboot am Erreichen seines Ziels in den griechisch-zypriotischen Gewässern hinderten, schien Erdogans Absichten nur zu unterstreichen. (…)

Das Verhalten der Türkei stellt letztlich den einzigen Sachverhalt dar, bei dem die griechische Regierung und Opposition sich einig sind. Ministerpräsident Tsipras von der linksradikalen Syriza-Partei deutete an, Erdogan verhalte sich wie ‚ein Sultan’, und Giorgos Koumoutsakos, der Schattenaußenminister von der Mitte-Rechts-Partei Neue Demokratie, erklärte, die Türkei sei ‚ein autoritär regiertes Land, das Instabilität und Spannungen in der Regionen produziert’. (…)

Doch jenseits aller Exzesse [des Anführers des kleineren Koalitionspartners Unabhängige Griechen und Verteidigungsministers] Kammenos, ist es die türkische Strategie der Provokation, die das wirkliche Problem in der Ägäis darstellt. Diese Strategie verfolgte die Türkei auch schon vor Erdogan und sie wird dies vermutlich auch nach seinem Abgang weiterhin tun. Erdogan hat sie in den letzten Monaten lediglich intensiviert, vermutlich in der Annahme, dass er angesichts seiner Rolle bei der Eindämmung der syrischen Flüchtlingskrise der EU gegenüber einiges in die Waagschale zu werfen hat. (…) Es wäre überaus leichtsinnig anzunehmen, dass das Verhalten der Türkei in der Ägäis sich ändern wird. Es hat sich in der Vergangenheit nicht geändert und angesichts der in voller Blüte stehenden neo-osmanischen Träume Erdogans wird es das jetzt erstrecht nicht tun. Um eine Eskalation zu vermeiden, werden alle Parteien mit der Situation sorgsam umgehen müssen. Doch sollten wir uns auch der Möglichkeit stellen, dass eine Konfrontation unumgänglich sein könnte.“ (Yiannis Baboulias: „Greece and Turkey Are Inching Toward War“)

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