Nach zwei Jahren herausfordernden Dienstes ist der IDF-Sprecher überzeugt: Israel hat bedeutende strategische Erfolge erzielt.
Von Yaakov Lappin
Es ist schwer vorstellbar, dass es eine intensivere Zeit für die Tätigkeit als internationaler Sprecher der israelischen Streitkräfte geben könnte als die vergangenen zwei Jahre, in denen Oberstleutnant Nadav Shoshani dieses Amt bekleidete. Bevor er in den kommenden Tagen seine Amtszeit beenden wird, sprach er mit JNS über die Eindrücke, die er in den vergangenen zwei Jahren gewonnen hat. Eine Zeit, die sowohl im militärischen als auch im medialen Bereich von erheblichen Herausforderungen geprägt war – aber auch von bedeutenden strategischen Erfolgen für Israel.
Seit seinem Amtsantritt im April 2024, inmitten andauernder Konflikte an mehreren Fronten, hat Shoshani zahlreichen internationalen Medien die Entwicklung der Sicherheitslage Israels und die damit verbundenen Herausforderungen erläutert. Dabei musste er sich durch das komplexe Minenfeld der weltweiten öffentlichen Meinung und der Desinformation in den sozialen Medien bewegen.
Kein Vergleich mit vor zwei Jahren
Im Rückblick auf die Zeit, in der er sein Amt antrat, sagte Shoshani kürzlich im Interview mit JNS:
»Die Hisbollah war immer noch ein Ungeheuer an unserer Grenze. Der gesamte Norden Israels war evakuiert. In Gaza kontrollierte die Hamas den größten Teil des Gebiets. Die meisten Geiseln befanden sich noch in Gaza. Der Iran stellte eine existenzielle Bedrohung dar, die viel, viel, viel stärker war als heute. Wir hatten Bedrohungen aus Syrien. Das Assad-Regime bot dem iranischen Terror an unserer Grenze einen fruchtbaren Nährboden. Und Israel befand sich an allen Fronten im Krieg. Die Huthis beschossen uns und hielten eine Seeblockade aufrecht … die Iraker feuerten auf uns.«
Wenn man jedoch mehr als zwei Jahre nach vorne in die Gegenwart springt, betonte Shoshani die dramatischen Verbesserungen. Vor allem: »Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt gibt es keine israelischen Geiseln in Gaza.«
Er hob auch die Schwächung der Gegner Israels hervor: »Das iranische Regime ist wahrscheinlich so schwach wie nie zuvor in all meinen Jahren im Militärdienst. Die Bedrohungen, die von Syrien auf uns zukommen, sind enorm zurückgegangen.« Zwar räumte er ein, dass die Hisbollah nach wie vor eine Bedrohung darstelle, doch merkte er an, dass sie »nichts im Vergleich zu dem sind, was sie vor zwei Jahren waren«.
Regionalmacht Israel, steigender Antisemitismus
Diese militärischen Erfolge haben Israels Position als Regionalmacht wiederhergestellt. »Israel hat in den letzten zwei Jahren seine hohen Fähigkeiten unter Beweis gestellt und gezeigt, wie unverzichtbar wir für die Sicherheit in der Region und bei der Bekämpfung des Terrors in dieser Region sind«, erklärte Shoshani und fügte hinzu, dass Israel sich »von einem Punkt, an dem es am schwächsten war, zu einem Punkt entwickelt hat, an dem Israel heute als eine der stärksten Kräfte im Nahen Osten angesehen wird«.
Trotz dieser operativen Erfolge räumte Shoshani einen entsprechenden Anstieg des weltweiten Antisemitismus ein, angeheizt durch feindselige Propaganda, die den jüdischen Staat und seine Selbstverteidigungsmaßnahmen dämonisiert. »Eine Büchse der Pandora, die sich weltweit geöffnet hat, wobei verschiedene Akteure antisemitischen Angriffen gegen Juden Vorschub leisten«, sagte er und fügte hinzu: »Für Juden ist es in Israel viel sicherer. Leider ist es für Juden weltweit viel unsicherer als noch vor zwei Jahren.«
Problemfeld soziale Medien
Ein wesentlicher Teil dieser globalen Herausforderung geht auf das Medienumfeld zurück, insbesondere auf die sozialen Medien. Shoshani bezeichnete die sozialen Medien als »die Hauptantriebskraft des Antisemitismus und der Fake News gegen Israel«. Er kritisierte die mangelnde Rechenschaftspflicht von Influencern mit Millionen von Followern, die »keinen redaktionellen Prozess haben und sich nicht der Wahrheit verpflichtet fühlen«, und merkte an, dass einige sogar »durch Geld und Bots aus dem Ausland gefördert werden«.
Diese Dynamik versetzt die IDF auf der internationalen Informationsbühne in eine defensive Position. »Wir betreiben Kommunikation, wir betreiben keine Propaganda oder Informationskriege«, erklärte Shoshani. Er führte Beispiele an, bei denen über Aktionen der IDF in von terroristischen Gegnern verseuchten Gebieten in internationalen Medien berichtet wurde, ohne dass »auch nur mit einem Wort erwähnt wurde, was in diesen Dörfern in den letzten 40, 50 Jahren geschehen ist«.
Die Schnelllebigkeit der sozialen Medien schaffe eine anhaltende Spannung zwischen Geschwindigkeit und Genauigkeit, fügte er hinzu. Shoshani hob die Schwierigkeit hervor, falsche Behauptungen zu widerlegen, und erklärte, dass der Nachweis, dass etwas nicht geschehen sei, eine umfassende Überprüfung über verschiedene Einheiten und Kommandos hinweg erfordere.
»Um zu beweisen, dass an einem bestimmten Ort niemand geschossen hat, muss man sicherstellen, dass man alle Arten von Soldaten in dem Gebiet überprüft – Luftwaffe, Artillerie, Bodentruppen«, sagte er. »Die Maßstäbe sind anders, wenn es um die Kriege Israels geht, bei denen Menschen Informationen von Gruppen nutzen, die als ausgewiesene Terrorgruppen bekannt sind.«
Verdampfungsbomben
Er erinnerte an konkrete Fälle eklatanter Desinformation, wie beispielsweise einen Bericht von Al Jazeera, in dem behauptet wurde, die IDF habe »Bomben eingesetzt, die Menschen verdampfen lassen«. Solche haltlosen Behauptungen »verbreiten sich in den sozialen Medien wie ein Lauffeuer« und zwingen die IDF, öffentlich darauf einzugehen.
Shoshani berichtete auch von einem Fall, in dem Bewohner des Gazastreifens Massengräber aushoben, um später die IDF dafür verantwortlich zu machen, obwohl Videobeweise das Gegenteil belegten. »Die Wahrheit spielt manchmal keine Rolle. Die Leute wollen trotzdem ein Bild verbreiten und sagen, das sei die Geschichte, und die Wahrheit oder die Fakten interessieren sie nicht wirklich.«
Ein besonders besorgniserregender Trend, den Shoshani identifiziert hat, ist die Ausnutzung des Journalismus durch Terroristen. »Wir haben gesehen, wie Terroristen den Deckmantel des Journalismus als Schutz für ihre Operationen nutzen«, erklärte er. Diese Taktik ist Teil einer umfassenderen Strategie, bei der Terrororganisationen »medizinisches Personal, Krankenwagen, Schulen, Kindergärten, eine Presseweste – was auch immer sie brauchen, um ihre Operationen zu fördern – einsetzen werden.«
Shoshani betonte, dass das Versäumnis, angemessen darauf hinzuweisen, dass Terroroperationen in die zivile Infrastruktur eingebettet sind, diese Gruppen ermutigt. »Solange die Schlagzeile lautet, dass die IDF die Schule bombardiert, sehen Hamas und Hisbollah das und sagen: ›Großartig, Mission erfüllt‹«. Er merkte an, dass das letztendliche Opfer dieser Strategie die Zivilbevölkerung im Libanon und im Gazastreifen ist, da die Terrorgruppen »Immunität genießen, um hinter der Zivilbevölkerung versteckt zu versuchen, Israelis zu töten«.
Wie Science-Fiction
Mit Blick auf den breiteren regionalen Kontext, insbesondere den Iran, beschrieb Shoshani die jüngsten Operationen der IDF im Rahmen der Operationen »Rising Lion« und »Roaring Lion« als einen Schlag gegen das iranische Regime, der »in erheblichem Maße zu Stabilität über einen längeren Zeitraum führen wird«. Er hob die beispiellose Fähigkeit der IDF hervor, vollständige Luftoperationsfreiheit über dem Iran zu erlangen – eine Leistung, die »vor zwei Jahren noch wie Science-Fiction geklungen hätte«.
Die Zukunft des Konflikts hänge von den Handlungen des iranischen Regimes ab, was die Unterstützung des Terrors oder eine mögliche Wiederaufnahme der Urananreicherung angehe, sagte Shoshani. »Wir werden nicht davon abgehen, dass wir die Zivilbevölkerung Israels schützen müssen«, erklärte er.
In Bezug auf die Solidarität der jüdischen Gemeinden weltweit mit den israelischen Streitkräften bemerkte Shoshani: »Die Unterstützung, die die Juden dem Staat Israel und der IDF zukommen lassen, ist von enormer Bedeutung. Sie ist der Wind, der uns vorantreibt, und sie ist Teil unserer Stärke.«
(Der Artikel ist auf Englisch beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Florian Markl.)






