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Khamenei-Ratte: Spott greift von sozialen Medien auf iranische Universitäten über

Iranisches Basidsch-Mitglied entfernt Plüschratte von Baum an Teheraner Universität
Iranisches Basidsch-Mitglied entfernt Plüschratte von Baum an Teheraner Universität (Quelle: Screenshot Social Media)

Wie eine von protestierenden Studenten in Teheran an einem Baum aufgehängte Plüschratte zu einer untragbaren Provokation für Anhänger des iranischen Regimes werden konnte.

Studenten mehrerer iranischer Universitäten protestierten Anfang der Woche zum wiederholten Mal in Folge und skandierten dabei Parolen gegen den Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei. An den Universitäten Amir Kabir, Teheran und Alzahra zündeten Studenten die Flagge der Islamischen Republik an. An einigen dieser Universitäten, darunter auch an der Universität Teheran, griffen Basidsch-Einheiten die demonstrierenden Studenten an.

Dabei verbreitete sich das Bild eines Mitglieds der Studenten-Basidsch, das auf einen Baum klettert, um ein Stofftier herunterzuziehen, schnell im Internet. Die Plüschratte, die von Studenten an der Sharif-Universität in Teheran aufgehängt und von den Regimetreuen entfernt wurde, spielte auf einen spöttischen Spitznamen für Khamenei an, den seine Anhänger offensichtlich zusehends als Gefahr ansehen, welche die Autorität des Obersten Führers untergräbt, sodass sie das Stofftier nicht ignorieren wollten.

Sprache des Protests

Der Spitzname »Moush Ali« gewann während des zwölftägigen Kriegs mit Israel im Juni vergangenen Jahres an Bedeutung, als Khamenei weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwand und die staatlichen Medien nur aufgezeichnete Videobotschaften ausstrahlten. Berichte, dass er während der militärischen Eskalation und den späteren Unruhen in befestigten unterirdischen Bunkeranlagen Schutz gesucht hatte, befeuerten die Metapher. Im Persischen bedeutet »moush« verstecken, ausweichen. Indem sie den Begriff mit dem Namen des Obersten Führers und einen »Versteck-Ali« verbinden, kehren Kritiker das Bild der starken Führung des Staates um, analysierte Hooman Abedi das Sprachbild auf Iran International.

»Bei den Universitätsprotesten nahm die sprachliche Umkehrung nun konkrete Gestalt an. Die Ratte ist nicht nur wie bisher ein Online-Meme, sondern ein reales Objekt, das ausgestellt und physisch entfernt wurde«, schrieb Abedi. Politische Satire verliert oft an Kraft, wenn sie ignoriert wird, weswegen die Obrigkeit Beleidigungen durch Gleichgültigkeit neutralisieren kann. »Die Entscheidung eines Basidsch-Studenten, auf den Baum zu klettern und das Spielzeug herunterzuholen, hatte den gegenteiligen Effekt: Sie signalisierte, dass das Symbol als bedrohlich genug empfunden wurde, um sich ihm entgegenstellen zu müssen.«

Die Protestkultur im Iran hat sich wiederholt des Spottes bedient und spontane Schmähungen in dauerhafte Bezeichnungen verwandelt. Nach dem US-Drohnenangriff im Jahr 2020, bei dem der Kommandeur der Quds-Truppe der Revolutionsgarde, Qasem Soleimani, getötet wurde, bezeichneten einige Iraner ihn als »Kotelett«, eine düster-sarkastische Anspielung auf den Zustand seiner Überreste. Der Begriff erwies sich als schwerierig zu unterdrücken, trotz offizieller Bemühungen, Soleimanis Image als nationale Ikone zu bewahren.

»Moush-Ali« habe jedoch noch schärfere politische Implikationen, da die Schmähung sich gegen die oberste Spitze des Systems richtet. Khameneis Autorität beruht nicht nur auf verfassungsmäßigen Befugnissen, sondern auch auf einer kultivierten Distanz, einer Mischung aus religiöser Statur und institutioneller Kontrolle. Spott verringert diese Distanz, schrieb Abedi, weswegen die am Baum hängende Ratte »eine als unantastbar positionierte Figur zu einer wiederholbaren visuellen Pointe reduzierte« – und von den Regimeanhängern nicht ignoriert werden konnte.

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