Solidarität mit Flüchtlingen, die Kritik ausschließt, ist keine

„Zu einer humanen Tradition gehört es, Menschen zu helfen, die an Leib und Leben bedroht sind. Freilich liegt das Problem der Solidarität in deren Widersprüchen begründet. Nicht selten verbannen nämlich Freunde der Flüchtlinge den Begriff der Kritik aus ihrem Verständnis der Solidarität, wenn sie jegliche – auch berechtigte – Einwände gegen kulturelle Eigenheiten oder das religiöse Verhalten ihrer Schützlinge verbieten und als rechtspopulistisch, islamophob oder quasifaschistisch denunzieren. Man kann, so ihre Argumentation, das Opfer des Imperialismus nicht kritisieren, weil die Kritik dem Prinzip der internationalen Solidarität zuwiderläuft. Doch eine Solidarität, die Zweifel und Kritik a priori ausschließt, ist keine. (…) Indem gewisse Flüchtlingshelfer justiziables Verhalten von Flüchtlingen vor Kritik immunisieren, arbeiten sie letztlich gegen die Integration von Flüchtlingen in ihre neuen Gesellschaften. Was bedeutet, dass der Flüchtling nicht als verantwortungsvolles, unabhängiges, eigenständiges Individuum behandelt wird, sondern als jemand, der immerzu einer verfolgten Minderheit angehört und dauerhaft der Pflege und des Schutzes bedarf.

Der syrische, in Deutschland lebende Schriftsteller und Flüchtling Sami Alkayial schrieb: ‚Für die westliche Linke sind alle Flüchtlinge »Opfer«, und wenn die Linke von »kultureller Toleranz« spricht, dann ist es die Kultur des »männlichen muslimischen Heterosexuellen« oder, genauer gesagt, der kulturelle Rahmen, der diesem männlichen Favoriten Platz gibt.‘ (…) Gleichzeitig versteht es sich von selbst, dass die Kritik am kulturellen oder religiösen Verhalten eines Flüchtlings rassistische oder fremdenfeindliche Motive haben kann. So wird etwa die Kritik der extremen Rechten, beispielsweise der AfD, gegenüber fremden Kulturen oft keineswegs in emanzipatorischer Absicht oder im Interesse universaler Werte geübt. Vielmehr handelt es sich dabei häufig um eine Art ‚ethnopluralistischen Kulturrelativismus‘ (Hartmut Krauss), dessen Position sich folgendermaßen umreißen ließe: ‚Wir haben nichts gegen fremde, patriarchalische Kulturen, wir wollen sie aber nicht in unserem Land.‘ Ein Liberaler sollte sich gegen beides wehren, indem er sowohl den Kulturrelativismus mancher Linker als auch den Ethnopluralismus mancher Rechter kategorisch ablehnt.“ (Kacem El Ghazzali: „Rettet die Flüchtlinge – vor ihren Freunden“)

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