Sklaverei im Iran: Eine unbekannte Geschichte

„[Behnaz] Mirzai hat fast 20 Jahre damit verbracht die Ursprünge der afrikanischen Diaspora im Iran zu studieren, einschließlich der Geschichte und der schlussendlichen Abschaffung der Sklaverei in ihrem Heimatland. (…) Mirzai, deren Forschung sich hauptsächlich mit der modernen Sklaverei im Iran befasst, erklärte, dass die Händler aus dem Golf von Arabien – beherrscht vom Sultanat Oman, der über weite Gebiete am Indischen Ozean herrschte – Sklaven aus den nördlichen und nordöstlichen Gebieten des afrikanischen Kontinents in den Iran brachten, einschließlich Tansania (Sansibar), Kenia, Äthiopien und Somalia. In der antiken islamischen Literatur wurden Äthiopier als al-Habasha bezeichnet. Mirzai sagte, dass dementsprechend viele Sklaven, als sie in den Iran kamen, den Nachnamen ‚Habashi‘ annahmen, um ihre äthiopische Herkunft aufzuzeigen. Sklaven aus Sansibar hätten unterdessen den Nachnamen Zanzibari, gewählt, sagte sie. Sklaven waren hauptsächlich an der Südküste des Irans konzentriert und arbeiteten überwiegend in der Fischerei und Landwirtschaft, oder als Hausangestellte, als Ammen, oder sogar als Soldaten im Militär. (…)

Die Abschaffung der Sklaverei begann im Jahr 1828 mit dem Ende des Handels mit Tscherkessen und Georgiern und kulminierte genau ein Jahrhundert später mit der Aufhebung der gesamten Praxis an sich, sagte Mirzai. (…) Heute können etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung im Süden der Iran als Nachkommen von Afrikanern bezeichnet werden, schätzt Mirzai und dieser Prozentsatz nimmt ab, je weiter man nach Norden komme. Viele Mitglieder der afro-iranischen Gemeinschaft, ein Begriff, den Mirzai in ihrer Forschung geprägt hat, kennen nicht einmal ihre eigene Geschichte oder die Herkunft ihrer Familie. ‚Sie haben keine Kenntnis von ihrer Vergangenheit. Die Geschichte ist verloren‘, laut Mirzai. Sie sagte, dass Afro-Iraner oft als ‚Schwarze des Südens‘ bezeichnet werden und viele Iraner glauben immer noch, dass ihre dunkle Haut das Ergebnis der drückenden Hitze an der Südküste ist. ‚Die Menschen verbinden es mit dem Klima. Sie denken, dass sie dunkel sind, weil es im Süden des Iran sehr, sehr heiß ist’, sagte sie. (Jillian Kestler-D’Amours: „ ‚We are Iranians‘: Rediscovering the history of African slavery in Iran“)

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