Marlene Engelhorn, Nachfahrin eines BASF-Gründers und Millionenerbin, unterstützt sowohl die antiisraelische Gaza-Flottille als auch den antizionistischen Kongress in Wien.
Am 11. Juni veröffentlichte die deutsch-österreichische Millionenerbin Marlene Engelhorn ein Foto in ihrer Instagram-Story, auf dem sie mit einem Pappschild mit der Aufschrift »I stand with the Crew of Madleen & Palestine« posiert. Ihr T-Shirt zeigt eine weitere pro-palästinensische Botschaft. Danach bewarb sie den Kongress zum jüdischen Anti-Zionismus Wien 2025, dessen Umfeld im Vorfeld dadurch (nicht) aufgefallen war, dass ihm zugehörige Aktivistinnen den Theodor-Herzl-Platz in Wien schändeten, indem sie die Straßenschilder mit dem Namen »Gaza-Platz« überklebten.
Neben der antisemitischen UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese waren auf dem von Engelhorn beworbenen Kongress auch das Madleen-Crewmitglied Rima Hassan und Willi Langenthaler von der antisemitischen Wiener Gruppierung Antiimperialistische Koordination (AIK) vertreten. Bei näherer Betrachtung offenbart sich hinter dem vermeintlich solidarischen Gestus Engelhorns – bestenfalls – eine bemerkenswerte politische Naivität.
Just a reminder that Marlene Engelhorn is the direct descendent of the people who owned the company that produced the poisons that were used on Jews during the Holocaust.
The apple never falls far from the tree. pic.twitter.com/J13asbigjd
— Richard ✡︎ 🇦🇺 (@FriedRich12159) June 11, 2025
Wer ist Madleen?
Die in den Medien vielfach zitierte Madleen, deren Crew Engelhorn ihre Solidarität versichert, ist Teil der sogenannten Gaza-Flottille, die seit Jahren unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe versucht, die israelische Seeblockade zu durchbrechen. Verhängt wurde diese 2007, nachdem die Hamas durch einen innerpalästinensischen Putsch die alleinige Kontrolle über den Gazastreifen übernommen hatte. Sie dient offiziell der Eindämmung von Waffenschmuggel und der militärischen Aufrüstung der Hamas. – Ein sicherheitspolitisches Anliegen, das von den Vereinten Nationen zumindest in Teilen anerkannt wird.
Bereits im Jahr 2010 führte die von der türkischen IHH organisierte Aktion rund um das Schiff Mavi Marmara zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Israel und der Türkei. Im Rahmen der sogenannten »Gaza Freedom Flotilla« versuchte das Schiff im Mai 2010, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Die IHH, eine islamistische NGO mit engen Verbindungen zur Muslimbruderschaft und Hamas-nahen Kreisen, spielte dabei eine zentrale Rolle. Am 31. Mai 2010 stoppte die israelische Marine die Flottille in internationalen Gewässern. Beim Entern des Flaggschiffs wurden die Soldaten mit Eisenstangen, Messern und anderen improvisierten Waffen angegriffen.
Und auch bei der Madleen stand weniger humanitäre Hilfe als vielmehr eine gezielte Provokation im Mittelpunkt, verbunden mit dem Ziel, sich medienwirksam zu inszenieren und Israel international zu delegitimieren. Die auf das Aufbringen des Schiffs folgende Aussage, Israel habe die Gaza-Flottille »geentert und gekidnappt«, ist nicht nur faktisch falsch, sondern bedient Narrative aus dem Repertoire islamistischer und israelfeindlicher Akteure.
Ah, Auf1 berichtet über das antiisraelische Event, das am Wochenende in Wien über die Bühne ging & maßgeblich von der AIK organisiert wurde. Der Gruppe bescheinigte das DÖW schon vor über 20 Jahren Antisemitismus in linken Gewand. Bemerkenswert: einer der (1/2) pic.twitter.com/xJGKqc7heF
— Markus Sulzbacher (@msulzbacher) June 16, 2025
Historische Kontinuitäten
Dass sich ausgerechnet Marlene Engelhorn öffentlichkeitswirksam mit der Gaza-Flottille solidarisiert, wiegt schwerer als vergleichbare Gesten anderer Aktivistinnen und Aktivisten. Sie ist nicht nur eine prominente Stimme der jüngeren Generation mit großer Reichweite, sondern, sondern auch Nachfahrin von Friedrich Engelhorn, dem Gründer der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik AG (BASF) – jenem Unternehmen, das später Teil des Chemiekartells IG Farben wurde. Dieses war während des Nationalsozialismus mitverantwortlich für die Produktion von Zyklon B, dem Giftgas, das in den Gaskammern von Auschwitz eingesetzt wurde. Die IG Farben profitierte von der Enteignung jüdischen Eigentums, von Zwangsarbeit und vom industriell organisierten Völkermord an Jüdinnen und Juden.
Nach seinem Ausstieg bei BASF investierte Friedrich Engelhorn in das Pharmaunternehmen Boehringer Mannheim, das unter der Leitung seiner Nachkommen zu einem der führenden Unternehmen der Branche wurde. Bis 1997 war die Boehringer-Mannheim-Gruppe im Besitz der Familie Engelhorn, ehe sie für rund elf Milliarden US-Dollar an den Schweizer Pharmakonzern Hoffmann-La Roche verkauft wurde. Der Anteil der Familie an dieser Transaktion war enorm. Allein Traudl Engelhorn-Vechiatto erhielt 2,45 Milliarden US-Dollar, das Gesamtvermögen wurde später auf über 4,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Marlene Engelhorn selbst äußert in einem Interview, dass sie das belastende Vermächtnis der BASF als Teil der IG Farben beschäftigt, und dass »in fast allen vermögenden Familien« Themen wie NS-Verstrickung relevant sind. Vor diesem Hintergrund ist ihre Unterstützung antiisraelischer Kampagnen nicht nur politisch brisant, sondern auch historisch besonders belastet. Bezieht ein Nachfahre solch einer Linie unter dem Banner der Menschenrechte gegen den jüdischen Staat Position, offenbart sich eine historische Kontinuität, die in ihrer moralischen Verkehrung bestürzt. Die Nachkommen der Profiteure nationalsozialistischer Vernichtungspolitik stellen sich auf die Seite jener, die Israels Existenzrecht offen infrage stellen und zu dessen Vernichtung aufrufen – und verkaufen das auch noch als ethisches Engagement.
Engelhorns Solidaritätsbekundung wirft nun zudem materielle Fragen auf. In sozialen Netzwerken wird spekuliert, ob die Erbin auch finanziell zur Unterstützung der Gaza-Flottille beigetragen haben könnte. Belege dafür liegen derzeit keine vor.
Sollte sich jedoch bestätigen, dass über diesen Weg Finanzmittel in antiisraelische Aktivitäten geflossen sind, hätte eine Erbin von Shoah-Profiteuren mit ihrem ererbten Reichtum zur Delegitimierung des jüdischen Staats beigetragen. Ein solcher Vorgang wäre nicht nur politisch brisant, sondern auch historisch von schwerem Gewicht als eine perfide Umkehrung erinnerungspolitischer Verantwortung.
Naja, allen Distanzierungsversuchen zum Trotz, ist die IG Farben Erbin letztendlich doch nicht so weit von ihren Vorfahfen entfernt…
— Bini Guttmann (@Bini_Guttmann) June 14, 2025






