Schiitische Milizen: Die Revolutionsgarden des Irak

„Der iranische Präsident, Hassan Rohani, reiste Mitte März für einen dreitägigen historischen Besuch in den Irak, um ein neues Kapitel in den strategischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern aufzuschlagen. In einer Reihe von Treffen mit verschiedenen irakischen Politiken und religiösen Führern versuchte er, eine iranisch-irakische Allianz zu festigen, die nach der Niederlage des Islamischen Staats, die Macht des Iran in der Region festigen und ausbauen soll. Dabei setzt der Iran auf eine Strategie, die die US-Politik im Irak untergraben und letzten Endes ersetzen soll, wozu er sich der schiitischen Milizen [PMU] vor Ort bedient, von denen das US-Finanzministerium eine im März mit Sanktionen belegte. (…)

Der Sprecher der Al-Nuajaba-Miliz antwortet auf die US-Sanktionen in einem umfangreichen Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur Fars. Darin skizzierte er eine Achse des Widerstands gegen die USA und Israel, die sich über den Irak und Syrien bis zur Hisbollah im Libanon erstrecke. Seine Ausführungen sind ebenso typisch für die Weltanschauung der schiitischen Milizen und pro-iranischen Parlamentarier im Irak wie für das iranische Regime – und sollen auf ein enges Bündnis zwischen dem Irak und dem Iran hinweisen sowie die USA als äußere und fremde Macht präsentieren. (…)

Als der Irak aufgefordert wurde, etwas gegen den sich ausweitenden Einfluss der Milizen und ihre Verbindungen in den Iran zu unternehmen, schlugen diese umgehend zurück. Im Jahr 2017 bezeichnete der ehemalige Premierminister Haider al-Abadi die PMU als Hoffnung des Landes und der Region. Sich der Idee widersetzend, die PMU nach dem Kampf gegen den Islamischen Staat aufzulösen, half er diesen vielmehr dabei, den Status offiziellen Einheiten zu erlangen.

Während US-Beamte im Irak diese schiitischen Paramilitärs in der Vergangenheit mit dem „Hisbollah-Modell“ verglichen, haben die PMU die Hisbollah mittlerweile überholt, was die Staatsnähe anbelangt. Die Milizen wurden zu regulären Einheiten und ihre Verbindungen zum irakischen Innenministerium, das seit Jahren von der Badr-Organisation geleitet wird – deren Vorsitzender Hadi al-Amiri ist [der selbst einer der wichtigsten Milizen: den Badr-Brigaden vorsteht] –, ließen sie zu einem zentralen Teil der irakischen Sicherheitskräfte werden. Sie befinden sich nicht in der Peripherie des Staates, wie es die Hisbollah im Libanon vordergründig tut. Die Entwicklung scheint sich eher am Vorbild der Revolutionsgarden (IRGC) im Iran zu orientieren als an der Hisbollah im Libanon.“ (Seth J. Frantzman: „Iran Is Making a Play to Outmaneuver the United States in Iraq“)

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