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Wie der saudische Kronprinz am Kauf eines Premier League Klubs scheiterte

Im St. James Park, dem Stadion von Newcastle United, wird es wohl keine Eigentümerloge für den saudischen Kronprinzen geben. (imago images/PA Images)
Im St. James Park, dem Stadion von Newcastle United, wird es wohl keine Eigentümerloge für den saudischen Kronprinzen geben. (imago images/PA Images)

Der saudische Staatsfonds wollte den Fußballklub Newcastle United erwerben. Doch wie es scheint, hatte die Premier League Sorgen um ihren Ruf.

Simon Henderson, WINEP

Am 30. Juli gab ein Konsortium, das vom Saudi Public Investment Fund (PIF) dominiert wird, bekannt, dass es sein Vorhaben einstellt, den Kauf des Fußballklubs Newcastle United für 390 Millionen Dollar zu kaufen. Als das Interesse des Konsortiums an einem Kauf Ende letzten Jahres bekannt wurde, stellte dies sowohl eine Investitionsperspektive für den saudischen Staatsfonds als auch eine Möglichkeit dar, den Sport im Königreich Saudi-Arabien zu fördern – ein Schlüsselelement von Kronprinz Muhammad bin Salmans „Vision 2030“, mit der die Wirtschaft aus der Abhängigkeit vom Erdöl herausgeführt werden soll. Doch noch bevor die Coronavirus-Pandemie Fragen über die langfristige wirtschaftliche Lebensfähigkeit von Sportveranstaltungen mit Massenpublikum aufwarf, stieß der vorgeschlagene Kauf auf Widerstand.

An der politischen Front kämpfte Hatice Cengiz, die Verlobte des verstorbenen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi, lautstark gegen das Geschäft, weil der PIF vom Kronprinzen geleitet wird – dem Mann, den viele für den Mord an Khashoggi 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul verantwortlich machen. (Im Gegensatz dazu schien die lokale Newcastle-Fangemeinde sehr daran interessiert zu sein, einen neuen Klubeigentümer zu bekommen, der bereit wäre, in Spitzenspieler zu investieren). (…)

Der vielleicht wichtigste Knackpunkt war jedoch der „Eigentümer- und Direktoren-Test“, der der Liga das letzte Wort bei jedem Klubkauf gibt. Der Kern des Tests besteht darin, dass alle Eigentümer, Direktoren und Verantwortlichen von Liga-Mannschaften höhere Standards erfüllen müssen als die gesetzlich vorgeschriebenen Standards, um den Ruf und das Image des Spiels zu schützen. Obwohl die saudischen Medien wochenlang vorhersagten, dass das Geschäft kurz vor dem Abschluss stünde, wurde immer deutlicher, dass die vom PIF geführte Eigentümergruppe diesen Test möglicherweise nicht bestehen wird. (…)

Trotz aller Kontroversen soll die britische Regierung dem Verkauf zugestimmt haben, und der ausländische Besitz von englischen Fußballklubs ist alles andere als unüblich. Manchester City befindet sich im Besitz von Scheich Mansour bin Zayed, dem Bruder von Kronprinz Muhammad bin Zayed von Abu Dhabi. Und der in amerikanischem Besitz befindliche Klub Arsenal spielt im Emirates Stadium, einem Londoner Bauwerk, dessen Namensrechte für eine großzügige Summe an die staatliche Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate verkauft wurden. Dennoch scheiterte der Verkauf von Newcastle, was potenzielle ausländische Investoren daran erinnerte, wie sehr sich die Schädigung des Rufes auf Geschäftsabschlüsse mit Saudi-Arabien auswirken können – und an die neuen wirtschaftlichen Umstände, die die COVID-19-Ära bestimmen.

Regional wird die Geschichte wahrscheinlich viel Klatsch und Tratsch auslösen, zumal Fußball die dominierende Sportart im Nahen Osten bleibt. Neben dem von den Vereinigten Arabischen Emiraten besessenen Manchester City besitzt Katar einen französischen Spitzenklub, Paris Saint-Germain. Newcastle United wäre als der Klub von Kronprinz Muhammad angesehen worden, der zuvor schon Interesse am Kauf des sagenumwobenen Klubs Manchester United gezeigt hatte, aber auch dort abgewiesen wurde.

(„Saudi Arabia’s Soccer Setback“ ist beim Washington Institute for Near East Policy erschienen. Die Übersetzung der Auszüge für Mena-Watch stammt von Florian Markl.)

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