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Saudi-arabische F-15 über Kreta: Signal an Türkei und Iran

Saudische F15-Kampfflugzeuge üben mit der griechischen Luftwaffe bei einem gemeinsamen Manöver
Saudische F15-Kampfflugzeuge üben mit der griechischen Luftwaffe bei einem gemeinsamen Manöver (© Imago Images / StockTrek Images)

In einem deutlichen Zeichen der militärstrategischen Annäherung führen Griechenland und Saudi-Arabien derzeit ein gemeinsames Luftwaffenmanöver im östlichen Mittelmeer durch. Das berichten griechische, türkische und saudi-arabische Quellen.

Mehrere saudi-arabische Kampfflugzeuge des Typs F-15C trafen letztes Wochenende auf Kreta ein. Wie die englischsprachige saudi-arabische Website Arab Weekly berichtete, wurden sie von Technik- und Unterstützungscrews begleitet.

Die saudi-arabische und die griechische Luftwaffe sollen bei dem Manöver gemeinsame Einsätze und Übungen durchführen. „Das Personal der saudischen Luftwaffe wurde bei seiner Ankunft vom Botschafter des Königreichs in Griechenland, Dr. Saad bin Abdulrahman Al-Ammar, und anderen Beamten begrüßt“, so The Arab Weekly.

„Das Manöver zielt darauf ab, die Fähigkeiten der Luft- und technischen Besatzungen zu verfeinern und weiterzuentwickeln und die Kampfbereitschaft der saudischen Luftstreitkräfte zu erhöhen.“ Ziel sei es auch, „den Austausch militärischer Erfahrung bei der Planung und Durchführung von Flugoperationen zu erleichtern.“

Die saudi-arabischen Kampfflugzeuge sind während des Manövers auf der Militärbasis Souda stationiert, die auch von den USA genutzt wird. Souda ist, an der Zahl der Schiffe gemessen, die zweitgrößte Marinebasis Griechenlands und der bedeutendste Stützpunkt der USA im östlichen Mittelmeer. Vor einigen Wochen fand dort eine gemeinsame Übung griechischer, zypriotischer und amerikanischer Spezialeinheiten statt, an der sich auch französische Kampfflugzeuge beteiligten.

Laut The Arab Weekly steigere die Ankunft der saudi-arabischen Kampfflugzeuge auf Souda den „französisch-griechisch-ägyptischen Druck auf die Türkei, um deren Expansion im östlichen Mittelmeer einzudämmen“.

Türkische Ansprüche

Der historische Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei hat sich in den letzten Jahren im Zuge bedeutender Erdgasfunde vor der Küste Zyperns zugespitzt. Die größten Gasvorkommen finden sich in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ, auch „200-Meilen-Zone“) Ägyptens, Israels und der Republik (Süd-)Zypern. Nach Artikel 55 des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen hat der jeweils angrenzende Staat in dieser Zone das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Ausbeutung, das gilt insbesondere für Fischfang und Bodenschätze.

Israel, Ägypten und die Republik Zypern haben die Grenzen ihrer jeweiligen Zonen in Abkommen festgelegt. Doch die Türkei setzt sich über internationales Recht hinweg und beansprucht fast das gesamte Seegebiet um Zypern entweder für sich selbst oder für die international nicht anerkannte „Türkische Republik Nordzypern“ (TRN).

Am 5. Februar 2018 sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu, seine Regierung erkenne das 2013 zwischen Zypern und Ägypten geschlossene Demarkationsabkommen nicht an.

Ankara und die von der Türkei unterstützte Regierung in der libyschen Hauptstadt Tripolis unterzeichneten am 27. November 2019 ein Abkommen zur „Sicherheit, militärischen Zusammenarbeit und Abgrenzung der Einflussbereiche auf See“. Die Übereinkunft solle „türkische Rechte im östlichen Teil des Mittelmeeres schützen“ und dafür sorgen, dass sein Land einen „fairen Anteil der dortigen Ressourcen“ erhalte, sagte Cavusoglu. In Wahrheit ignoriert das Abkommen die Existenz Griechenlands und Zyperns und tut so, als hätten die Türkei und das 1.200 Kilometer entfernte Libyen eine gemeinsame Seegrenze.

Aber die imperiale Rhetorik steht auf wackeligen Füßen: In der Region ist die Türkei isoliert; gegen sie steht ein Bündnis aus Griechenland, Zypern, Israel, Ägypten, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich und den USA.

Verteidigungsabkommen

Im Versuch, die Isolation zu durchbrechen, hat die türkische Regierung vor einigen Tagen angekündigt, sich um bessere Beziehungen zu Ägypten zu bemühen. Die diplomatischen Kontakte zwischen beiden Staaten verliefen „gleich unterhalb der höchsten Ebene“, behauptete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Doch die ägyptische Regierung stellte das anders dar: „Es gibt keine Kommunikation außerhalb der üblichen diplomatischen Kanäle. Wenn echte Taten der Türkei im Einklang mit ägyptischen Prinzipien und Zielen stehen, dann kann das Fundament für eine Rückkehr zu normalen Beziehungen gelegt werden“, sagte der ägyptische Außenminister Sameh Shoukry.

Das griechisch-saudische Militärmanöver auf Kreta kommt nicht überraschend. Der griechische Außenminister Nikos Dendias hatte letzten Monat vor dem Außen- und Verteidigungsausschuss des griechischen Parlaments eine Vertiefung der Militärkooperation zwischen beiden Ländern angekündigt und die Unterzeichnung eines Abkommens in Aussicht gestellt, das es erlauben wird, griechische Flugabwehrsysteme des amerikanischen Typs „Patriot“ mitsamt griechischen Crews in Saudi-Arabien zu stationieren, um das Königreich besser vor Raketen- und Drohnenangriffen durch die vom Iran unterstützen Huthi-Milizen zu schützen.

Im August letzten Jahres hatten bereits die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), einer von Saudi-Arabiens engsten Verbündeten, vier F-16-Kampfflugzeuge zu Übungen nach Kreta entsandt. Im November unterzeichneten die VAE und Griechenland dann einen Verteidigungspakt und ein Abkommen zum Austausch von Geheimdienstinformationen.

Signal an das iranische Regime

Der türkische Präsident Erdogan „bedauerte“ das gemeinsame Manöver Griechenlands und Saudi-Arabiens. „Dies hätte nicht passieren sollen“, sagte er. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu gab zu, eine solche Militärkooperation zwischen Riad und Athen nicht vorhergesehen zu haben.

Beunruhigt sein sollte auch das Regime im Iran. Denn auf Kreta hat Griechenland seit 1998 sein modernes russisches Luftabwehrsystem S-300 stationiert, das auch der Iran seit 2016 besitzt. Das griechische S-300 war 1997 von Zypern gekauft worden, doch weil die Türkei der zypriotischen Regierung mit Krieg drohte, sollte sie nicht davon absehen, das System auf Zypern zu stationieren, wurde es nach Kreta verlegt.

In den vergangenen Jahren trainierten israelische Piloten dort, wie man das System überlisten oder ausschalten kann. Es ist vorstellbar und sogar wahrscheinlich, dass auch Saudi-Arabiens Piloten dies tun. Das Signal an das Regime im Iran ist, dass die ständigen Raketen- und Drohnenangriffe auf saudi-arabische Städte und Ölanlagen ein Ende haben müssen – anderenfalls wird die saudi-arabische Luftwaffe zurückschlagen. Die saudi-arabischen Piloten sind womöglich deshalb derzeit auf Kreta, um für eben diesen Ernstfall zu üben.

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