Saudi-Arabien: Was die USA nun tun sollten

„Außenminister Mike Pompeo, der spontan nach Riad geflogen ist, um etwas Ordnung in das Chaos zu bringen, kennt sich mit den harten Fakten des Nahen Ostens gut aus. Er weiß, dass der saudische Kronprinz [MBS] keine autoritäre Raupe ist, die sich in einen liberalen Schmetterling verwandeln wird. Um die Türkei und den Iran ist es allerdings nicht besser bestellt. Und die Interessen der USA und der Saudis stimmen in entscheidenden Fragen überein. Die USA wollen sicherstellen, das keine einzelne Macht, ob im Nahen Osten oder anderswo, den Ölhahn der Welt kontrolliert. Um dies zu gewährleisten, muss Saudi-Arabien unabhängig bleiben und seine Sicherheit garantiert sein.

Es gibt zwei andere Dinge, die die USA nicht tun sollten. Sie dürfen die Ermordung Khashoggis nicht unter den Teppich kehren. Sein Verschwinden hat dem Ansehen Saudi-Arabiens nicht zuletzt beim Kongress geschadet. Pompeo muss mit aller Deutlichkeit klarstellen, dass ein derartiges Verhalten das Bündnis zwischen den USA und Saudi-Arabien schwächt und potenziell infrage stellt. Er darf sich durch Drohungen der Saudis nicht abschrecken lassen. So wie die Konföderierten in den 1860er Jahren die Bedeutung der Baumwolle überschätzen, neigen die Saudis heute dazu, die Bedeutung des Öls zu überschätzen.

Den Forderungen der Freunde des Atomabkommens mit dem Iran und der Apologeten Erdogans und der Muslimbruderschaft nachzukommen und das Bündnis zwischen den USA und Saudi-Arabien in moralischem Überschwang zu beenden, wäre eine absurde Überreaktion und würde den Feinden Amerikas in die Hände spielen. Es könnte die Saudis zudem in die Enge treiben und sie dazu animieren, sich noch rücksichtsloser zu verhalten. Frankreich wurde 1985 nicht aus der EU oder der NATO ausgeschlossen, weil seine Agenten das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior versenkten und dabei einen unschuldigen Mann töteten. Ohne MBS zu feiern, auszugrenzen oder den Eindruck zu vermitteln, dass ein derartiges Verhalten geduldet werden könne, muss Pompeo zum Kern der Sache, der saudischen Verunsicherung vordringen. Um zu einer nüchternen und ausgewogenen Außenpolitik zurückzukehren, muss Saudi-Arabien zur Ruhe kommen, und außer den USA kann niemand ihnen die erforderlichen Garantien bieten. Dabei geht es unter anderem darum, dass die USA sich bei der Zurückdrängung des Iran und der Stabilisierung der Region mit den Saudis (und den Israelis) abstimmen.“ (Walter Russell Mead: „Don’t Ditch Riyadh in a Fit of Righteousness“)

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