Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat nach einem fast fünfjährigen Embargo die Wiederaufnahme libanesischer Exporte in das Königreich angeordnet.
Der Schritt erfolge »im Einklang mit den positiven Schritten, die die libanesische Regierung beim Wiederaufbau staatlicher Institutionen unternommen hat«. In der Zusammenarbeit mit spezialisierten Teams sei im Laufe des vergangenen Jahres viel erreicht worden und die libanesische Regierung habe »die erforderlichen Verpflichtungen eingehalten«, berichtete die Saudische Presseagentur (SPA) über die Begründung für Mohammed bin Salmans Entscheidung.
Saudi-Arabien erklärte, der Schritt sei auf Ersuchen des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und des Premierministers Nawaf Salam erfolgt. Beide traten im Januar 2025 mit saudischer Unterstützung ihr Amt an, hatten jedoch angesichts der Stärke der Hisbollah Schwierigkeiten, die staatliche Kontrolle durchzusetzen. Das saudische Königshaus habe seine Entscheidung laut SPA in einem Telefonat zwischen Salam und dem saudischen Außenminister Faisal bin Farhan bekannt gegeben.
Im Zuge des Gesprächs habe Faisal bin Farhan gegenüber Salam erklärt, Saudi-Arabien unterstütze die Stabilität des Libanon und das Wohlergehen seiner Bevölkerung. Das Golfkönigreich sei zuversichtlich, dass die Regierung in Beirut alle notwendigen Maßnahmen ergreifen werde, um sicherzustellen, dass das Land nicht als Plattform genutzt werde, um anderen zu schaden. Dem Bericht zufolge äußerte Salam in dem Telefonat die Hoffnung auf engere wirtschaftliche Beziehungen zwischen dem Libanon und Saudi-Arabien.
Präsident Aoun erklärte in der Folge, der saudische Schritt werde »wesentlich zur Wiederbelebung der nationalen Wirtschaft beitragen und eine große Zahl libanesischer Produzenten und Exporteure unterstützen.«
Erleichterung für Beirut
Riad hatte 2021 die Einfuhr von libanesischem Obst und Gemüse ausgesetzt und dies mit Bedenken wegen Drogenschmuggels begründet. Das Königreich hatte wiederholt Lieferungen abgefangen, die Captagon enthielten – ein amphetaminartiges Stimulans, das im Libanon und in Syrien hergestellt und in der gesamten Region gehandelt wird. Die Drogenlieferungen waren in Sendungen mit Lebensmitteln, Möbeln und anderen Waren versteckt.
Nach einem Besuch von Präsident Aoun in Saudi-Arabien im vergangenen Jahr vereinbarten die Länder, die Hindernisse zu untersuchen, die der Wiederaufnahme libanesischer Exporte in das Königreich im Wege stehen. Die Reise war Aouns erster offizieller Auslandsbesuch seit seinem Amtsantritt.
Der libanesische Ökonom Roy Badaro sagte, das Embargo habe erhebliche Auswirkungen auf den Libanon gehabt, da die Exporte nach Saudi-Arabien vor Verhängung der Beschränkungen einen Wert von etwa hundert Millionen Dollar jährlich hatten. »Ein Großteil davon kam Arbeitnehmern mit geringem Einkommen zugute, insbesondere Landwirten. Die Entscheidung, das Verbot aufzuheben, ist für den Libanon sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Sauerstoff. Sie erfolgt, nachdem es der libanesischen Regierung gelungen ist, das Vertrauen zu Saudi-Arabien wiederherzustellen.«
Riad sehe, so Badaro weiter, dass sich der Libanon allmählich aus dem Einflussbereich der Hisbollah löst. So sei das Golfkönigreich »der Ansicht, dass Häfen und Grenzübergänge nun wirksam überwacht werden. Dieser Schritt bringt den Libanon zudem auf einen positiven diplomatischen Kurs. Er rückt ihn in eine Reihe mit Ländern, die freundschaftliche und kooperative Beziehungen zu Saudi-Arabien unterhalten, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch.«
Jahrelang beeinträchtigt
Die politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern waren jahrelang durch den wachsenden Einfluss des Iran im Libanon beeinträchtigt, den er durch seine Unterstützung für die Hisbollah beharrlich ausbaute. Nachdem die Terrorgruppe durch den Krieg mit Israel im vergangenen Jahr und die aktuellen Kämpfe stark geschwächt wurde, sieht Saudi-Arabien eine Chance. Das Königreich hat kürzlich sein Engagement und die diplomatischen Kontakte gegenüber Beirut verstärkt.
Riad nahm nach der Wahl Aouns zum Präsidenten im Jahr 2025, der Ernennung von Salam zum Premierminister und den ernsthaften Diskussionen der libanesischen Regierung über die Entwaffnung der Hisbollah wieder Kontakt zu Beirut auf. Diese Wende markierte einen Bruch mit der jahrelangen diplomatischen Distanz Saudi-Arabiens. Eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle sagte, Saudi-Arabien habe vom Libanon ausreichende logistische und sicherheitstechnische Zusicherungen erhalten, bevor es der Aufhebung des Verbots zustimmte. »Die Entscheidung spiegelt das Vertrauen in die von den libanesischen Behörden ergriffenen Maßnahmen wider.«






